• vom 19.08.2015, 08:00 Uhr

Stadtentwicklung

Update: 19.08.2015, 09:55 Uhr

Seestadt Aspern

Zuhause in der Seestadt




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  • Fotografin Luiza Puiu über ihre ersten Tage als Pionierin in Wiens Satellitenstadt, der Seestadt Aspern.

Privates Ballett der Kräne - © Luiza Puiu

Privates Ballett der Kräne © Luiza Puiu

Wien. Es ist meine erste Nacht in der Seestadt: 29. Mai 2015, 17 Grad, Regen. Vor mir erstreckt sich die in blaues Licht getunkte Seestadt. Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf. Alles, woran wir, mein Freund und ich, in den vergangenen drei Jahren geplant haben, ist nun erfüllt: Ich lebe in der Seestadt. Ich bin eine Seestädterin. Diesen Satz werde ich nun öfter sagen, wenn mich jemand fragt, wo ich wohne.

Ich liege auf der Matratze, umgeben von unzähligen Umzugskartons. Es wird noch dauern, bis sie sich in eine gemütliche Wohnung verwandelt haben, wo es einen Kaffee gibt, Internet und ein Bad, wo das Licht brennt. Draußen vor meiner Haustür ist noch Baustelle. Gelegentlich schauen die Bauarbeiter rein.


Hungrig bin ich. Ohne Küche kocht es sich schwer. Und weit und breit gibt es keine Frühstücksmöglichkeit. Egal, ich muss zu meinem Termin, eine Fotokonferenz im Museumsquartier. Bedacht starte ich eine Stunde früher, für einen Weg, für den ich früher nur 20 Minuten gebraucht habe. Beim Volkstheater angekommen, klopfe ich noch etwas Baustellenstaub vom schwarzen Kleid ab und fühle mich wie ein Fabelwesen, geboren in einer Staubwolke. Ob man mir ansieht, wo ich heute aufgewacht bin?

Während der Konferenz kann ich mich nur mäßig auf die grell bearbeiteten Prinzessinnenbilder konzentrieren. Auf dem Heimweg gehen meine Füße planlos und müde die Mariahilfer Straße entlang, als würden sie nicht auf mich hören wollen, gen alte Wohnung, die drei Jahre mein Zuhause war.

Max werkt an unserem Traumhaus

Max werkt an unserem Traumhaus© Luiza Puiu Max werkt an unserem Traumhaus© Luiza Puiu

War es die richtige Entscheidung, so weit rauszuziehen? In diese Satellitenstadt am Rande Wiens? Ich steige in die U2 Richtung Seestadt und schlafe ein. Ein Nickerchen ist auf jeden Fall drinnen, sitze ich doch immerhin 40 Minuten in dem Waggon, bis ich in der Endstation ankomme. Dort nehme ich dann noch den Bus für das letzte Stück, bis ich schließlich zuhause bin. Zwölf Minuten Wartezeit. Noch sind sie geizig, was die Intervalle angeht. Ich hoffe, dass sich das ändern wird, wenn eines Tages 20.000 Menschen hier leben werden.

An solche Details denkt man nicht drei Jahre im Voraus. Da denkt man nur: Ich bin Teil eines großen Projekts, einer neuen Vision des Wohnens. Tja, wenn ich so mit dem Bus an traurig nassen Mohnblumfeldern vorbeifahre, zweifle ich schon einmal an dieser Vision und denke mir nur: Sogar ihr wohnt zentraler als ich.

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Dokument erstellt am 2015-08-18 17:11:11
Letzte ─nderung am 2015-08-19 09:55:13



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