• vom 05.04.2013, 18:13 Uhr

Steueroasen

Update: 05.04.2013, 19:53 Uhr

Bankgeheimnis

"Betrug an Millionen Steuerzahlern"




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  • Der Steuerberater und SP-Abgeordnete Matznetter im Gespräch mit der "WZ".

Wien. (sd) Es sind nicht nur kleine Karibikinseln: Auch so manches EU-Mitgliedsland ist als Steueroase bekannt. Die EU müsse endlich reagieren und aktiv gegen Steuerbetrug kämpfen, forderte SP-Nationalratsabgeordneter Christoph Matznetter im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

"Wiener Zeitung":Offshore Leaks hat mittels Steuersünder-Liste weltweite Geheimgeschäfte aufgedeckt. Wie groß ist das Problem?


Christoph Matznetter: Das Ausmaß ist erschreckend. Gerade bei der Debatte um die Rettung von Zypern hat sich gezeigt, dass es Offshore-Paradiese auch in der EU gibt. Aber die Mehrheit dieser Geldmassen liegen in der Karibik. Um diese Steueroasen zu bekämpfen, brauchen wir viel weitgehendere Maßnahmen als die EU-Zinsbesteuerungsrichtlinie (diese sieht vor, dass ein Mitgliedsland automatisch die Daten über Zinseinkünfte eines EU-Ausländers an dessen Heimatland zur Besteuerung weiterleitet, Anm.) darstellen kann.

Welche konkreten Maßnahmen fordern Sie?

Die EU müsste zunächst einmal im eigenen Hinterhof kehren, um auf die wirklichen weltweiten Schmutzhaufen hinweisen zu können. Der Steuerbetrug muss aktiv bekämpft werden, die EU muss endliche eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung des Steuerbetrugs einnehmen. Strafdelikte müssen geahndet werden, in vielen Ländern wird Steuerbetrug noch immer als Bagatell-Delikt angesehen. Doch betrügt man dabei Millionen von Steuerzahlern im eigenen Land.

Wirtschaftstreuhänder-Chef Klaus Hübner sagte, heimische Steuerberater würden sich auf solche kriminellen Machenschaften gar nicht einlassen. Stimmen Sie zu?

Ich glaube, dass die heimische Branche sauberer ist. Das sage ich aufgrund meiner Berufserfahrung, ich war ja 20 Jahre lang aktiver Wirtschafts- und Steuerberater. Aber ich kenne Klienten, denen Berater in Steueroasen fertig ausgearbeitete Konstruktionen vorgelegt haben, wie man Steuern am effektivsten hinterzieht. Das ist bei uns besser. Aber an der Steuermoral zu arbeiten, das schadet uns trotzdem nicht.

Finanzministerin Fekter verteidigte erst am Freitag wieder das österreichische Bankgeheimnis. In der EU wird das jedoch vielfach kritisiert.

Man muss da unterscheiden: Wir wollen damit ja nicht Steuerbetrüger schützen, sondern die Privatsphäre des kleinen Sparers. Meiner Meinung nach kann man das Bankgeheimnis erhalten, aber nur dann, wenn wir proaktiv alles tun, um Steuerbetrügern Österreich nicht als möglichen Ankerplatz anzubieten.




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Dokument erstellt am 2013-04-05 18:17:07
Letzte ─nderung am 2013-04-05 19:53:02




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