• vom 06.02.2015, 15:17 Uhr

Studenten.Leben

Update: 06.02.2015, 15:30 Uhr

Universitäten

Wien und die Wissenschaft




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Von Hubert Christian Ehalt

  • Wien ist die größte Universitätsstadt im deutschsprachigen Raum. Zwischen den Hochschulen und der Stadtregierung besteht ein produktiver Austausch. Das war nicht immer so.

Das Wiener Rathaus (links) und die Universität (rechts) sind nicht nur räumlich nah beieinander. Die Stadt weiß, was sie an ihren vielen Hochschulen hat. - © Foto: apa/Herbert Neubauer

Das Wiener Rathaus (links) und die Universität (rechts) sind nicht nur räumlich nah beieinander. Die Stadt weiß, was sie an ihren vielen Hochschulen hat. © Foto: apa/Herbert Neubauer

Auf der Suche nach den aktuellen Stärken der Wiener Wissensbasis stößt man geradewegs auf die gut funktionierende Verbindung zwischen der Wiener Stadtverwaltung und den gegenwärtig zwanzig Universitäten, Privatuniversitäten und Fachhochschulen. An den hohen Schulen Wiens sind etwa 190.000 Studentinnen und Studenten inskribiert.

Die Forschungsstadt
In den letzten drei Jahrzehnten ist Wien zu einer Wissenschafts- und Forschungsstadt geworden. Diese Entwicklung dokumentiert sich in zahlreichen Gründungen, statistischen (Wachstums-)Daten, einem klaren Bekenntnis zu wissenschaftlicher Exzellenz und Wettbewerb und in einer wissenschaftsfreundlichen Haltung der Bürgerinnen und Bürger. Diese Entwicklung ist den Universitäten, der Stadtverwaltung und den Forscherinnen und Forschern selbst zu danken.


Die Geschichte der Universitäts- und Wissenschaftsstadt Wien hat grob gesehen drei Phasen: Eine Phase der Kontinuität nach 1945, in der auch die Involvierung der Universitäten in das NS-Regime wenig bis gar nicht reflektiert wurde. Die Beziehungen zwischen der Wiener Stadtverwaltung und den Universitäten waren kühl, distanziert und durch geringes gegenseitiges Interesse geprägt. In einer zweiten Phase zwischen 1965 und 1985 erfolgte eine wechselseitige Öffnung und Annäherung. Man begann einander zu sehen und zu akzeptieren. Die Stadt Wien dotierte 1965 anlässlich des 600-Jahr-Jubiläums der Universität Wien die Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien zur Unterstützung von Forschungsprojekten von Wiener Universitäten. Die inhaltliche und rechtliche Öffnung und Neuorientierung der Universität(en) in der Ära Kreisky machte aus der Ordinarienuniversität eine erneuerungsbereite Institution - nicht mehr nur für die höheren Töchter und Söhne.

Information

Buchhinweis
"Wissens- und Universitätsstadt Wien"
: Unter diesem Titel haben Hubert Christian Ehalt und Oliver Rathkolb einen Sammelband herausgegeben, der die Beziehung zwischen Wien und seinen Universitäten seit 1945 nachzeichnet.
Der Band verbindet wissenschaftliche Analyse mit authentischen Zeitzeugenberichten und erscheint demnächst in der V&R unipress, Göttingen.

In der dritten Phase der Entwicklung - etwa seit 1985 - ging die Beziehung, in der es bereits Akzeptanz und gegenseitiges Interesse gab, immer dynamischer in gut koordinierte Zusammenarbeit über, die nicht nur durch Förderung der Universitäten seitens der Stadt, sondern durch gemeinsames Gestalten geprägt ist. In diesem erfolgreichen Miteinander verliert die Universität ihr Praxis- und die Stadt ihr Theoriedefizit. Man begegnet einander auf Augenhöhe.

Das universitäre Leben der Stadt entfaltet sich zwischen zwei Campusgeländen, die die Symbiose zwischen Stadt und Universitäten deutlich sichtbar machen: der Campus Altes Allgemeines Krankenhaus, den die Stadt Wien der Universität Wien für die Geisteswissenschaften geschenkt hat (eröffnet im Oktober 1998) und der neue, 2013 eröffnete Campus der Wirtschaftsuniversität nächst dem Prater. Beide Campus-Gelände vermitteln das Flair der Lebenskulturstadt - Wien wurde im Mercer-Ranking fünfmal in Folge zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität gewählt; sie vermitteln nicht nur einen sympathischen und gut organisierten Studienort, sondern auch einen internationalen Treffpunkt, der Facetten der alten Residenzstadt, des Roten Wien, der "vergessenen Stadt in einer Nische des Eisernen Vorhangs" und der aktuell boomenden Wissens-, Wissenschafts- und Kunststadt zusammenführt.

Schöpferisches Klima
Diese Facetten haben alle - historisch, funktional, kulturell und ästhetisch - miteinander zu tun. Ihr "Crossover" bewirkt, dass sich in Wien soziale und künstlerische Innovationen von gestern mit jenen von heute treffen. Das vielfach kommunizierte Bild der "gemütlichen Stadt" - immer mehr eine PR-Aktivität in einem superschnellen und kompetitiven Ambiente - regt jedenfalls eine inspirierende Ambivalenz an, in der aufblitzt, dass das Schöpferische Entfaltungszeit braucht.

Kreativität gedeiht auch "an den Rändern". Der Schriftsteller Frederic Morton hat bei den Wiener Vorlesungen 1990 einen Vortrag gehalten, der das fokussiert hat: "Das provinzielle Wien, Geheimquelle des schöpferischen Wiens".

Die ausgezeichnete produktive und expeditive Beziehung zwischen der Stadt und den Universitäten ist etwa 30 Jahre alt. In den 1990er Jahren, im Zuge der Umgestaltung des Alten Allgemeinen Krankenhauses in einen Universitätscampus, wuchsen die Stadt und die Universität mit der Bewältigung der Aufgabe, die alten Kliniken zu einem gleichermaßen modernen, funktionalen und wohnlichen Gebäudekomplex zu machen, zusammen. Die stadtplanerische Aufgabe bestand in der Gestaltung eines Begegnungsfeldes zwischen urbaner und universitärer Öffentlichkeit. Der Campus AAKH hat sich in den 17 Jahren seines Bestehens zu einer urbanen Schnittstelle zwischen der Stadt und den Universitäten entwickelt.

Bis Mitte der 1980er Jahre reagierte die Stadt Wien, wenn von Agenden des Bundes die Rede war, mit einem wenig interessierten Achselzucken, mit einer abweisenden Reflexantwort: "Dafür ist der Bund zuständig". Es gab wohl seit 1965 die von der Stadt Wien für Forschungen der Universität Wien ins Leben gerufene Hochschuljubiläumsstiftung und die Förderungen der Kulturabteilung der Stadt Wien für Wissenschaft und Forschung in Gestalt von Stipendien, Preisen und Projektförderungen. Das sicherte der Stadt eine gewisse distanzierte, eher kühle Wertschätzung durch die Universitäten, die diese Unterstützungen als zu gering qualifizierten. Aber im Großen und Ganzen fühlte sich die Stadtverwaltung von den (Budget)-Problemen der Universitäten nicht betroffen.

Auch das 2013 eröffnete Campus-Gelände der WU in Praternähe vermittelt das Flair der Lebenskulturstadt Wien.

Auch das 2013 eröffnete Campus-Gelände der WU in Praternähe vermittelt das Flair der Lebenskulturstadt Wien.© Foto: apa/Pfarrhofer Auch das 2013 eröffnete Campus-Gelände der WU in Praternähe vermittelt das Flair der Lebenskulturstadt Wien.© Foto: apa/Pfarrhofer

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Schlagwörter

Universitäten, Wien, Extra, Forschung

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-02-06 15:20:10
Letzte ńnderung am 2015-02-06 15:30:31




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