Khartum/Juba. Angesichts anhaltender Kämpfe im Grenzgebiet zwischen dem Sudan und dem Südsudan haben die Staatschefs beider Länder einander Kriegstreiberei vorgeworfen. "Unsere Brüder im Südsudan haben den Weg des Kriegs gewählt", sagte der sudanesische Präsident Omar al-Bashir am Donnerstag in Khartum. Sein südsudanesischer Kollege Salva Kiir konterte in Juba, Bashir habe "einen totalen Krieg" gegen sein Land angekündigt.
"Der Krieg ist weder im Interesse des Südsudans noch des Sudans", sagte al-Bashir vor Journalisten. Dies bedenke der Südsudan angesichts seines Handelns jedoch nicht. Kiir betonte vor dem südsudanesischen Parlament, sein Land wolle keinen Krieg, werde sich aber "verteidigen, wenn wir angegriffen werden". Einen Rückzug der südsudanesischen Truppen aus der umstrittenen ölreichen Region Heglig schloss er zugleich aus.
Am Mittwoch hatte der Sudan dem Südsudan die schwerste Verletzung seiner territorialen Integrität seit dessen Unabhängigkeit im Juli vorgeworfen. Zuvor hatte der Südsudan die Grenzregion Heglig besetzt. Der Unabhängigkeit des Südsudans war ein zwei Jahrzehnte langer Bürgerkrieg zwischen der sudanesischen Regierung und dem überwiegend christlichen Süden des Landes vorausgegangen. Bis zu einem Friedensabkommen im Jahr 2005 starben rund zwei Millionen Menschen. Erst im Juli des vergangenen Jahres wurde der Südsudan unabhängig.
Luftangriffe auf südsudaneischen Bundesstaat
Nach Angaben des Südsudans startete der Sudan am Donnerstag Luftangriffe auf die Stadt Bentiu im südsudanesischen Bundesstaat Unity. In der Früh seien "fünf Bomben über Bentiu abgeworfen" worden, die niemanden verletzt hätten, sagte der südsudanesische Vizeinformationsminister Atem Yaak Atem der Nachrichtenagentur AFP. Offenbar war demnach eine strategische Brücke Ziel der Angriffe. Diese verbindet die Stadt in der Grenzregion mit einer Straße in Richtung Norden. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichtete hingegen von insgesamt vier Verletzten, darunter drei Kinder. Die Personen seien mit offenen Wunden in einem Krankenhaus der Organisation in der südsudanesischen Stadt Agok behandelt worden.
Bentiu liegt etwa 60 Kilometer von der Grenze zum Sudan entfernt. In dem wegen seiner reichen Ölvorkommen umstrittenen Grenzgebiet liefern sich beide Seiten seit Tagen heftige Kämpfe. Städte waren bisher aber nicht angegriffen worden. Vizeminister Atem warf dem Sudan am Donnerstag vor, "Vorwände für einen Krieg zu suchen". Das Land habe die Unabhängigkeit des Südsudans im vergangenen Juli nie anerkannt, sagte er.
Die Europäische Union forderte beide Konfliktparteien zu einem Ende der Gewalt und zum Rückzug ihrer Truppen auf eigenes Staatsgebiet auf. "Beide Seiten müssen auch damit aufhören, bewaffnete Gruppen auf dem Territorium des anderen Staats zu unterstützen", ließ EU-Außenministerin Catherine Ashton in Brüssel mitteilen. Die Besetzung der Region Heglig durch südsudanesische Truppen sowie die Angriffe auf südsudanesisches Gebiet seien "inakzeptabel".
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