
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen warnt, die Europäische Union appelliert und die Afrikanische Union versucht zu vermitteln: Nach heftigen Kämpfen steuern Sudan und Südsudan auf einen Krieg zu.
Im Kampf um ein wichtiges Ölfeld hat der Südsudan nach eigenen Angaben einen Erfolg gegen den Sudan gemeldet. Der Versuch des Nachbarlandes, das Heglig-Ölfeld zurückzuerobern, sei abgewehrt worden, teilte der südsudanesische Informationsminister Barnaba Marial Benjamin am Samstag mit. Die sudanesische Seite äußerte sich zunächst nicht zur Darstellung des Südsudan, den Angriff abgewehrt zu haben.
Die sudanesische Armee hatte am Freitag den Angriff auf die Region gemeldet. Dabei seien zwei Panzer der sudanesischen Armee zerstört worden, teilte ein Armeesprecher in der südsudanesischen Hauptstadt Juba am Samstag mit. Die sudanesische Armee hatte am Freitag, dem vierten Tag der Kämpfe, eine Offensive angekündigt, um das Gebiet um Heglig und die dortigen Ölvorkommen zurückzuerobern.
Krieg befürchtet
Der UN-Sicherheitsrat hatte am Donnerstag ein sofortiges Ende der Kämpfe im Grenzgebiet gefordert. Die Gefechte müssten "vollständig, sofort und ohne Vorbedingungen" eingestellt werden, hieß es in einer Erklärung des UN-Gremiums, die von US-Botschafterin Susan Rice vorgetragen wurde. Die "Eskalation der Gewalt" lasse befürchten, dass es zu einem Krieg zwischen beiden Staaten kommen könne. Die Staatschefs des Sudan und des Südsudan, Omar al-Bashir und Salva Kiir, warfen sich gegenseitig Kriegstreiberei vor.
Auch der Delegationsleiter des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) in Sudan und Südsudan hält eine militärische Lösung des Konflikts für wahrscheinlicher als eine politische. Helmut Rählmann befürchtet zudem weitere Flüchtlingswellen.
Jahrzehntelanger Bürgerkrieg
Jahrzehntelang litt die Region unter einem blutigen Bürgerkrieg. Im vorigen Juli erklärte sich der Südsudan schließlich für unabhängig. Damit erlitt der Sudan auch enorme wirtschaftliche Verluste, denn der neue Staat bestimmt über 75 Prozent der Ölvorkommen. Beim Export muss der Südsudan den wertvollen Rohstoff allerdings per Pipeline durch den Sudan leiten - gegen Gebühr.
Ein Streit über die Kosten für diesen Transit verschärfte die ohnehin schon heftigen Spannungen zwischen den Ländern. Als der Sudan für den Transport drastisch überhöhte Gebühren forderte, stellte der Südsudan seine Ölförderung ein. Eigentlich wollten beide Seiten den Streit Anfang April bei einem Gipfel lösen, doch nach Grenzgefechten wurde das Treffen abgesagt.
Am Mittwoch besetzte der Südsudan die Gegend um die Stadt Heglig. Von dem dortigen Ölfeld bezieht der Sudan die Hälfte seines noch verbliebenen Erdöls.
Genauer Grenzverlauf wurde nicht geklärt
Nun rächt sich, dass beide Seiten vor der Unabhängigkeit des Südsudans grundlegende Fragen aussparten. Offen blieben etwa der genaue Grenzverlauf, die Verteilung der Öleinnahmen und der Status der drei umstrittenen Gebiete Abyei, Blauer Nil und Südkordofan. Diese hatten im Bürgerkrieg den Südsudan unterstützt. Ein Abkommen aus dem Jahr 2005 stellte den Bewohnern der zum Sudan gehörigen Regionen Blauer Nil und Südkordofan eine Volksbefragung über ihren Status vage in Aussicht. Für das besonders umstrittene Gebiet Abyei sah der Vertrag dagegen ein konkretes Referendum über die Zugehörigkeit vor. Umgesetzt wurde das Vorhaben nicht.
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