Bentiu. (rm/apa) "Unser Nachbar Khartum hat der Republik Südsudan den Krieg erklärt", sagte der südsudanesische Präsident Sava Kiir am Dienstag während eines Treffens mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao in Peking und fügte hinzu, dass "die Lage kritisch ist". Die Kämpfe um das Ölfeld Heglig an der teilweise noch nicht festgelegten Grenze zwischen den beiden Staaten sind die schwersten militärischen Auseinandersetzungen seit der Unabhängigkeit des Südsudans im Juli 2011. Der sudanesische Armeekommandant Kamal Maruf sagte bei einem Truppenbesuch in Heglig, bei den Kämpfen um das Ölfeld seien 1200 südsudanesische Soldaten getötet worden. Durch die Kämpfe wurde die wichtigste Ölförderanlage von Heglig schwer beschädigt, Brände zerstörten ein Ölreservoir und acht Generatoren.

Der Sudan hat mit der Unabhängigkeit des Südens im Juli 2011 drei Viertel seiner Ölreserven eingebüßt. Mehrere Teile des Ölfelds von Heglig, auf dem etwa die Hälfte der Ölproduktion des Sudan gefördert wird, werden von beiden Staaten beansprucht. Der Südsudan besetzte das Ölfeld am 10. April, entschloss sich aber am Freitag nach einer UN-Aufforderung zum Abzug. Die sudanesische Seite dagegen erklärte, sie habe das Ölfeld zurückerobert.
Am Montag griffen sudanesische Flugzeuge Bentiu, die Hauptstadt der Grenzprovinz Unity, an. Bomben trafen auch einen Markt nahe einer Brücke: Mehrere Stände gerieten in Brand. Augenzeugen berichteten, sie hätten die verkohlte Leiche eines Kindes gesehen. Rettungskräfte sprachen von mindestens zehn Verletzten und mehreren Toten. Die Angriffe wurden laut südsudanesischen Angaben auch in der Nacht zum Dienstag fortgesetzt. Betroffen waren Grenzorte und ein Grenzposten. Auch dabei soll es mehrere Verletzte gegeben haben.
Neben den Luftschlägen gingen die Kämpfe in verschiedenen Gebieten der Grenzregion weiter. Laut einem südsudanesischen Militärsprecher griffen die sudanesischen Streitkräfte zwei Armeebasen des Südsudan an, in die sich die südsudanesischen Truppen aus Heglig zurückgezogen hatten.
UNO-Chef Ban fordert ein sofortiges Ende der Gewalt

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die sudanesischen Luftangriffe auf den Südsudan und forderte ein sofortiges Ende der Gewalt an der Grenze. Im Konflikt zwischen dem Sudan und dem Südsudan gebe es keine militärische Lösung, sagte Ban, der den sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir und seinen südsudanesischen Amtskollegen Salva Kiir aufforderte, auf weitere Konfrontationen zu verzichten und den Dialog wieder aufzunehmen. Auch die US-Regierung verlangte die unverzügliche Einstellung der Luftangriffe.
Ein sudanesischer Militärsprecher bestritt, dass sein Land die Luftwaffe zur Bombardierung des Südsudans eingesetzt habe. "Wir haben mit den Vorgängen in der Provinz Unity nichts zu tun", sagte er und deutete an, dass Milizen der südsudanesischen Rebellen hinter den Angriffen stünden.
Unversöhnlich zeigte sich indessen Sudans Präsident Bashir: "Es wird keine Verhandlungen mit dem Südsudan geben. Wir haben zu ihnen mit Gewehren und Kugeln gesprochen. Wir werden der Regierung des Südsudan eine Lektion erteilen." In der Vorwoche hatte Bashir den Sturz der südsudanesischen Regierung gefordert, die er mit "schädlichen Insekten" verglich, die es auszumerzen gelte. Die südsudanesische Armee warnte angesichts der Bodenangriffe und Bombardements, dass Bashir seinen Drohungen nun Taten folgen lasse.
Auch Vizepräsident Ali Osman Mohamed Taha sagte vor dem Parlament in Khartum, dass die sudanesische Regierung alle notwendigen Maßnahmen ergreifen werde, um die Stabilität im Sudan zu garantieren. Die staatliche sudanesische Nachrichtenagentur berichtete, dass Taha Anweisung für die sofortige Ausrufung des Notstands an der Grenze zum Südsudan gegeben habe.
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