• vom 07.04.2017, 17:45 Uhr

Syrien - Ein zerstörtes Land

Update: 07.04.2017, 18:01 Uhr

Syrien

59 Raketen - und nun?




  • Artikel
  • Kommentare (5)
  • Lesenswert (21)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Michael Schmölzer

  • Trump gelingt mit seinem Militärschlag in Syrien erstmals ein Coup. Er spielt aber ein riskantes Spiel. Eine Analyse.

Abschuss einer "Tomahawk"-Rakete von dem Zerstörer "USS Porter" in der Nacht auf Freitag.

Abschuss einer "Tomahawk"-Rakete von dem Zerstörer "USS Porter" in der Nacht auf Freitag.© reuters Abschuss einer "Tomahawk"-Rakete von dem Zerstörer "USS Porter" in der Nacht auf Freitag.© reuters

Wien. Der US-Angriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Shairat hat den wankenden US-Präsidenten Donald Trump politisch gestärkt. Der Newcomer, der in der Anfangsphase seiner Amtszeit innenpolitisch eine Niederlage nach der andern hinnehmen musste, spürt jetzt Rückenwind. Im US-Kongress brandet Applaus von den Rängen der oppositionellen Demokraten und den Republikanern auf, es sei "richtig", den syrischen Despoten Bashar al-Assad in die Schranken zu weisen, so der Vorsitzende der demokratischen Minderheit im Senat, Chuck Schumer. Auch der altgediente einflussreiche republikanische Senator John McCain, der Trump wegen dessen Russland-Kontakten zuletzt massiv kritisiert hat, steht nun voll hinter seinem Präsidenten. Der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, kann sich dem nur anschließen.

USA agierten als "Ankläger, Richter und Vollstrecker"
Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite ist klar, dass Trump das Völkerrecht mit Füßen getreten hat. Die USA hätten mehr oder weniger als "Ankläger, Richter und Vollstrecker" gehandelt, kritisiert der deutsche Völkerrechtler Stefan Talmon. Tatsache ist, dass es keine Ermächtigung vom UN-Sicherheitsrat gab. Militärschläge als Antwort auf eine Verletzung der Menschenrechte sind im internationalen Recht nicht vorgesehen.


Den verbündeten Westen scheint das wenig zu stören, auch hier Applaus: Die Briten, Franzosen, Deutschen und Türken heißen den Angriff gut, Frankreich und Deutschland erklärten unisono, dass Assad für den Giftgas-Angriff allein verantwortlich sei. Auch Österreichs Außenminister Sebastian Kurz von der ÖVP kann den Militärschlag verstehen, EU-Ratspräsident Donald Tusk begrüßt ihn ebenfalls. Das liegt zu einem großen Teil an den fürchterlichen Bildern getöteter Kinder, die nach dem Giftgasangriff um die Welt gingen. Trump äußerte sich schockiert, dass "wunderschöne Babys" durch den Einsatz von Giftgas in Khan Sheikhoun leiden mussten. Damit zeigte er Emotion, er reagierte rasch und trug dem allgemeinen Gefühl Rechnung, dass spätestens jetzt etwas geschehen müsse.

59 Tomahawk-Raketen später hat Trump die wenig spektakuläre Politik eines Amtsvorgängers Barack Obama beendet, der sich in Syrien nicht zu einem entschlossenen Eingreifen durchringen konnte; der halbherzige Initiativen setzte, die zuletzt schiefgingen und das Terrain für Russland ebneten. Das Zögern Obamas war verständlich, ein blutiger und für die USA verlustreicher Krieg im Irak und in Afghanistan steckten ihm und den US-Amerikanern noch in den Knochen. Auch jetzt will sich eine Mehrheit in den USA nicht in einen langwierigen blutigen Bodenkrieg im Nahen Osten verwickeln lassen. Die 59 Raketen auf eine syrische Basis sind eher eine symbolische Tat, für viele aber ein Befreiungsschlag nach Jahren des unschlüssigen Zusehens.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




5 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-07 17:51:05
Letzte nderung am 2017-04-07 18:01:19




Werbung



Russland

Putin will teilweise Truppen aus Syrien abziehen

RUSSIA-SYRIA-CONFLICT-DIPLOMACY - © APAweb / AFP, Mikhail KLIMENTYEV Moskau. Der russische Präsident Wladimir Putin hat bei einem überraschenden Besuch in Syrien am Montag den Rückzug eines Großteils der russischen... weiter




Russland

Syrien "von IS befreit"

20171207Putin - © APAweb / AP Photo, Kremlin Pool Photo, Alexei Nikolsky Moskau. Russland hält die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien für besiegt. "In der Arabischen Republik Syrien gibt es heute keinen Ort und... weiter




Syrien

Amnesty kritisiert "diplomatische Scheinlösungen" in Syrien

De Mistura (M.) nimmt neuen Anlauf für Friedenslösung. - © afp Sotschi/Wien. (schmoe) Von der Olympia-Stadt zum Brennpunkt der internationalen Diplomatie: Derzeit geben einander Politiker in Sotschi reihenweise... weiter




Putin

In Putins Händen

20171121PutinAssad - © APAweb / AP Photo, Sputnik, Mikhail Klimentyev Sotschi/Wien. Das Treffen zwischen Syriens Machthaber Bashar al-Assad und Russlands Präsident Wladimir Putin fand im Geheimen statt... weiter




Syrien

Putin drängt auf politische Lösung

20171121Syrien2 - © APAweb/Mikhail Klimentyev, Kremlin Pool Photo via AP Sotschi/Teheran. Kurz vor dem Gipfeltreffen der Türkei, Russlands und des Iran zum Syrien-Konflikt hat Russlands Präsident Wladimir Putin nach Angaben... weiter




Diplomatie

Russisches Veto gegen weitere UNO-Giftgasuntersuchung in Syrien

20171117russia - © APAweb/REUTERS, Lucas Jackson New York. Russland hat im UNO-Sicherheitsrat sein Veto gegen eine Verlängerung der UNO-geführten Untersuchung zu Giftgasangriffen in Syrien eingelegt... weiter




Syrien

Pakt mit dem Teufel

Kurdische Kämpfer und Kämpferinnen feiern die Eroberung Rakkas. Den Islamischen Staat vernichtet haben sie nicht. - © ap/Waguih Wien/Rakka/Aleppo. Auf den ersten Blick ist es starker Tobak, den Recherechen der britischen BBC zutage förderten: Demnach haben kurdische Kämpfer bei... weiter





Twitter Wall



Werbung


Werbung