• vom 13.04.2012, 14:00 Uhr

Titanic Special

Update: 13.04.2012, 15:44 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



In Cobh machte die "Titanic" zum letzten Mal Station, bevor sie sank. Aber die irische Hafenstadt bewahrt auch Erinnerungen an andere Katastrophen der Landesgeschichte.

Glorifizierte Tragödien


Von Robert Schediwy

"Titanic"-Nostalgiker spazieren durch Cobh.

"Titanic"-Nostalgiker spazieren durch Cobh. "Titanic"-Nostalgiker spazieren durch Cobh.

Cobh (sprich Kouw), nahe Cork, geizt nicht mit seinen Reizen. Bunte Häuser umrahmen eine stattliche neugotische Kirche. Ein Blick auf die Angebote des örtlichen Realitätenhandels bestätigt: das Hafenstädtchen ist ein teures Pflaster. Das Heritage Center im alten Uferbahnhof macht freilich klar, welches Maß an Leid mit der Geschichte der heute so freundlichen irischen Kleinstadt verbunden ist: Cobh, einst Cove geschrieben und dann, nach einem Besuch Königin Victorias 1849 bis 1921 Queenstown genannt, ist eine Stadt, die auf Tränen gebaut ist.

Werbung

Über viele Jahrhunderte versuchten die britischen Herrscher das unruhige Irland zu unterjochen. Die Tudor-Periode begann mit der massenhaften "Einpflanzung" loyaler protestantischer Siedler. Das führte zu Aufständen, so 1568-1573 und 1579-1583. 1595 schien der von Spanien unterstützte große Aufstand unter Hugh O’Neill erfolgreich, aber die Vernichtung der Ernte und die Beschlagnahme der Viehherden im Norden der Insel wendete im Jahr 1600 das Kriegsglück.

Nach dem Waffenstillstand von 1603 verließen viele irische Adelige das Land. 1609 folgte eine neue Ansiedlungswelle, die Ulster Plantation, und 1641 ein Blutbad an Siedlern. Dann ließ Cromwell bei der Rückeroberung Irlands das Land verwüsten. Gefangene Aufständische wurden als Sklaven in die Karibik deportiert. 1690 kämpften die katholischen Iren als "Jakobiten" gegen die "Glorious Revolution", verloren und wurden noch mehr entrechtet.

Widerstandsgeist
Aber der Widerstandsgeist blieb ungebrochen. 1750 kam es wieder zu Aufständen, desgleichen 1800 (mit Unterstützung Napoleons) und 1843. Alle Versuche der Briten, durch Ansiedlung loyaler Protestanten das Land unter Kontrolle zu bringen, verstärkten nur die fanatische Bindung der Iren an ihren Katholizismus.

In dieser Situation eines nahezu permanenten Bürgerkrieges entdeckte die britische Regierung zu Ende des 18. Jahrhunderts ein - wie es schien - probates Mittel, die rebellischen Iren zu zähmen und zugleich ferne Kolonien zu entwickeln: die Deportation. Zwischen 1791 und 1853 wurden von Cove aus etwa 40.000 Sträflinge nach Australien verschifft. Diese Strafe wurde für die unterschiedlichsten Delikte verhängt: von Taschendiebstahl bis Mord. Etwa zwanzig Prozent der nach Australien verschickten "Kriminellen" waren allerdings politische Delinquenten, und sie wurden besonders brutal behandelt. Vor der Überfahrt wurden die Gefangenen in schwimmenden Gefängnissen festgehalten, alten Kriegs- und Handelsschiffen, die mastenlos vor Cove ankerten.




Schlagwörter

Titanic, Irland, Extra

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-13 10:44:20
Letzte Änderung am 2012-04-13 15:44:18


Beliebte Inhalte



Wie Franz von Assisi ein Freund der Armen und der Tiere. - epa
  • Franziskus ermuntert Bischöfe und Laien zum ursprünglichen Christentum.
  • weiter

Die am Mittwoch angemeldete Insolvenz des Bauriesen Alpine ist eine der größten Pleiten der Zweiten Republik und könnte vom Volumen der Verbindlichkeiten her alles bisher Dagewesene übertreffen. - APAweb/dpa/dpaweb
  • 6.483 Dienstnehmer und 8.000 Gläubiger betroffen.
  • Erste Gläubigerversammlung findet am 4. Juli statt.
  • weiter

Zum Abschluss des zweitägigen Treffens am Lough Erne verständigten sich die führenden Industriestaaten und Russland (G-8) auf eine engere Zusammenarbeit, um Steuerflucht zu bekämpfen. - APAweb/AP Photo/RIA-Novosti, Alexei Nikolsky, Presidential Press Service
  • Engere Zusammenarbeit bei Steuerflucht und Übergangsregierung in Syrien geplant.
  • weiter

Klar ist bereits, dass alle Arbeitnehmer 30 Tage Kündigungsschutz haben. Über die Gewerkschaft wird organisiert, dass die Betroffenen ihre Entgeltforderungen fristgerecht beim Insolvenzgericht einbringen. - APA/BARBARA GINDL
  • Insolvenzentgeltfonds hat Mittel für Arbeitnehmer gesichert.
  • weiter

  • Beschäftigte klammern sich an Hoffnung auf Fortbestand der Alpine: "Auf Pessimismus wächst nichts".
  • weiter

Die US-Geheimdienste lesen mit. - © Andrea Danti - Fotolia.com
  • Unter Barack Obama wurde das Programm noch ausgeweitet.
  • weiter

Ein Bub kämpft auf der Seite der Free Syrian Army. - reuters
  • Die UNO berichtet von Kindersoldaten, Exekutionen und warnt vor Massakern.
  • weiter

In Hongkong versteckt: Ex-NSA-Mann Snowden. - ap
  • Held oder Verräter: Heftige Reaktionen auf Enthüllungen.
  • weiter

Stets siegessicher - Ahmadinejad konnte sich anfänglich als Anwalt der Armen profilieren. - ap
  • Hohe Inflation, hohe Arbeitslosigkeit, hohe Selbstmordrate - der Iran heute.
  • weiter

Syrische Rebellen sollen mit Waffen unterstützt werden. - APAweb / AP / AP / Aleppo Media Center AMC
  • Obamas "rote Linie" in Syrien überschritten.
  • USA erwägen, eine Flugverbotszone über Syrien einzurichten.
  • weiter




Werbung




Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung