• vom 05.02.2015, 18:43 Uhr

Ukraine Kommentare

Update: 05.02.2015, 19:04 Uhr

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Athen? Nein, Moskau.




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Griechenland ist - trotz der Dissonanzen zwischen Athen und Berlin - beherrschbar. Natürlich sind die Milliardensummen, um die es geht, furchteinflößend, doch die Europa zur Verfügung stehenden Mittel übertreffen diese bei weitem. Trotzdem fürchten viele Bürger eine neue Euro-Krise. Denn es fehlt die ordnende Hand, alle reden durcheinander, das stiftet Verwirrung.

Wirklich gefährlich, sprich: im Ernstfall nicht beherrschbar, ist die Situation in der Ukraine. Der neue Friedensplan, den Angela Merkel und François Hollande auf die Reise nach Moskau mitnehmen, sieht ein größeres Autonomiegebiet für die Separatisten im Osten der Ukraine vor. Ein Zugeständnis, zweifellos. Wenn Putin noch irgendein Interesse daran hat, konstruktiv am Welt-Geschehen teilzunehmen, nimmt er es an.

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Das Kämpfen und Sterben in der Ostukraine uferte immer stärker aus, allein aus humanitären Überlegungen muss endlich Schluss sein.

Daneben gibt es den ökonomischen Druck. Sein Land ist durch Sanktionen und Ölpreis-Absturz schwer getroffen. Der russische Notenbank-Chef schließt eine Bankenkrise nicht mehr aus, das würde russische Bürger ihrer Ersparnisse berauben - und Putin innenpolitisch schwächen.

Andererseits steht auch die Ukraine am Rande des Bankrotts. Geld- und Gas-Speicher sind leer, ohne Hilfe des Internationalen Währungsfonds kommt das Land nicht mehr über die Runden. Beides hat natürlich auch in der EU deutliche Auswirkungen. Der Konflikt mit Russland kostet europäischen Unternehmen, auch vielen in Österreich, Geld. Die Ukraine zu retten, wird ebenfalls viel Geld verschlingen - auch wenn sich diese Ängste auf Griechenland konzentrieren. Merkel und Hollande sind auf ihrer riskanten Reise zum Erfolg verdammt. Wenn dieses Treffen schiefgeht, wird es zwischen der Ukraine und Russland vermutlich Krieg geben.

Und dann steht die EU, die aus 28 Demokratien besteht, und niemals so schnell reagieren kann wie der autokratisch herrschende Putin, vor einer neuen Zerreißprobe: Italien, auch Österreich, fahren eine konzilianteren Kurs gegen Moskau. Polen und die drei baltischen Länder (allesamt Nato-Mitglieder) sind unnachgiebig. Wenn also Merkel und Hollande mit leeren Händen heimkehren, dann ist Griechenland die geringere Sorge. Genau darin liegt aber auch eine Chance: Im Russland-Konflikt haben alle sehr viel zu verlieren.




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Dokument erstellt am 2015-02-05 18:47:03
Letzte ─nderung am 2015-02-05 19:04:46




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