• vom 17.02.2015, 15:48 Uhr

Ukraine Kommentare

Update: 17.02.2015, 16:22 Uhr

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Debalzewo als Waterloo




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die heftigen Kämpfe im ostukrainischen Verkehrsknotenpunkt Debalzewo zeigten, dass es in Minsk weder Russland noch die Ukraine so ganz ernst gemeint haben. Die vom Kreml unterstützten Separatisten brauchen den Ort, um eine direkte Verbindung zwischen den beiden Gebieten um Donezk und Luhansk herzustellen. Für die ukrainische Armee gab es dort nichts mehr zu gewinnen, trotzdem mussten sich tausende Soldaten sinnlos einkesseln lassen.

Wladimir Putin hat also wohl auch hier seinen Willen durchgesetzt, genauso wie auf der Krim, über die ohnehin kein Politiker mehr spricht.

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Europa ist dabei in einer denkbar unkomfortablen Lage. Während Russland und auch die USA ihre Interessen militärisch unterstützen, will die EU den Konflikt am grünen Tisch lösen.

Das ist sympathisch, doch der Nimbus des Verlierers haftet auch daran. Und der Preis ist hoch, die Ukraine wird daran zerbrechen. Bankrott ist sie schon.

Um die Waffen ruhen zu lassen, ist der Abzug der ukrainischen Armee aus Debalzewo notwendig. Der Fall der Stadt ist das ultimative Eingeständnis der Niederlage Kiews.

Wenn aber das Blutvergießen kurzfristig gestoppt werden muss, wird sich der Westen nun anfreunden müssen, die Ukraine in der heutigen Form aufzugeben.

Doch was ist dann? Eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland müsste die Folge sein. In Rumänien, Polen und den baltischen Staaten würden stark ausgebaute Nato-Stützpunkte aufgebaut werden. In Moldawien und Georgien könnte Russland eine der Ostukraine vergleichbare Regelung verlangen.

Kalter Krieg, Teil zwei wäre die unweigerliche Folge, genannt wird er derzeit Kalter Friede. Zu glauben, die USA würden dann ihre momentane Zurückhaltung beibehalten, wäre naiv. Und die Vorstellung, Europa könnte mit Äquidistanz weiterhin mit allen gute Geschäfte machen, ist eine Illusion.

Wie immer es in der Ukraine ausgeht, Europa wird dabei verlieren. Es kann - wie Angela Merkel und François Hollande - helfen, den Konflikt zu dämpfen. Appeasement-Politik, also Beschwichtigung, hat sich Aggressoren gegenüber nie als hilfreich erweisen, das zeigte die Geschichte. Wie die EU nach Debalzewo reagiert, wird auch ihr Schicksal entscheiden. Dagegen sind die griechischen Probleme Peanuts.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2015-02-17 15:50:03
Letzte ─nderung am 2015-02-17 16:22:26




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