
Washington/Wien. Das Duell um die US-Präsidentschaft hat begonnen. Trotz schwindender Siegeschancen hatte Rick Santorum den Favoriten um die republikanische Kandidatur, Mitt Romney, über Wochen in Schach gehalten. Nach Bekanntgabe seines Ausscheidens aus dem Rennen am Dienstag brachen die letzten Dämme und sowohl Amtsinhaber Barack Obama als auch sein voraussichtlicher Widersacher Romney legten los.
"Es hat Gerede über einen Krieg gegen Frauen gegeben", sagte Romney noch am Abend nach Santorums Ausscheiden. Die Demokraten hatten den Republikanern immerhin frauenfeindliche Politik vorgeworfen. "Doch der wahre Krieg gegen Frauen wird von der Regierung Obama dadurch geführt, dass sie auf dem Gebiet der Wirtschaft versagt." 92,3 Prozent: Das sei der Anteil der Frauen an den Jobverlusten, zu denen es seit der Vereidigung Obamas 2009 gekommen ist.
Damit griff Romney gleich an zwei Fronten an. Zum einen bei weiblichen Wählern, die seit von den Republikanern forcierten Debatten gegen Abtreibung und die Pille auf Krankenkasse Obama um fast 20 Prozentpunkte favorisieren. Zum anderen bei Romneys Leibthema und Primärwaffe: die Wirtschaft. Mit ihr will er im Duell mit Obama die entscheidende Gruppe der Unabhängigen sowie Wähler der Mitte für sich gewinnen. Als erfolgreicher Geschäftsmann, der ein sattes Vermögen von 250 Millionen Dollar angesammelt hat, kann er glaubhaft vermitteln, in wirtschaftlichen Belangen über eine beträchtliche Kompetenz zu verfügen, während schlechte Wirtschaftsdaten, Konjunkturflaute und Rekord-Staatsverschuldung Obama zu schaffen machen.
Obama "europäischer Sozialist"
Der Präsident versuche, die USA nach dem Vorbild des "europäischen Sozialismus" zu formen und gefährde damit Freiheit sowie wirtschaftlichen Erfolg. Obama sei gescheitert und unfähig, die USA aus der Wirtschaftskrise zu führen, so der Tenor von Romneys Kampagne. Doch die Zeit läuft gegen ihn. Von Monat zu Monat bessert sich die Lage in den USA. Beispielhaft dafür ist die Arbeitslosenrate. Betrug sie noch im Dezember 2010 9,8 Prozent, so sank sie konstant, erreichte 9,1 Prozent im Oktober letzten Jahres und hält nun bei 8,2 Prozent - so tief war sie das letzte Mal vor drei Jahren - Tendenz weiter fallend.
Obamas Antwort auf Romneys Strategie sind die Schlagworte "Fairness" und "Gerechtigkeit". Das von Romney angepriesene System funktioniere nicht. Das habe die Ära seines Vorgängers Bush gezeigt, die die USA an den Rand des Finanzkollapses getrieben und lediglich die Reichen reicher gemacht habe. "Was unsere ganze Wirtschaft herunterzieht, ist, wenn die Früchte des Wirtschaftswachstums und der Produktivität nur den Wenigen zufließen", legt denn auch Obama am Mittwoch in einer Rede an der Universität von Boca Raton im Bundesstaat Florida los.

Hier greift der Präsident seinen Kontrahenten persönlich an. Denn der Multimillionär profitiert von dem US-Steuersystem, das er beibehalten und Obama ändern will: Für seine Einkünfte in Höhe von 40 Millionen Dollar in den vergangenen zwei Jahren zahlte Romney nur rund 15 Prozent Steuern, da es sich um Einkünfte aus Kapitalerträgen handelt. Angestellte zum Beispiel zahlen hingegen einen Spitzensteuersatz von 35 Prozent. Obamas Team will Romney nun als Kandidaten der Reichen abstempeln und würzt diese These noch mit unglücklichen Zitaten Romneys. So erzählte der etwa von den "paar Cadillacs", die er besitze, oder bot seinem früheren Kontrahenten Rick Perry eine Wette über zehntausend Dollar an, während seine Frau Ann bescheiden erklärte, sie halte sich nicht für reich.
Schlammschlacht
durch Super-PACs
Vor diesem Bild inszeniert sich Obama als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit. Er will die sogenannte Buffett-Regel einführen, benannt nach dem milliardenschweren Investor Warren Buffett, der die Idee geboren hat. Ihr zufolge sollen Amerikaner ab einem Einkommen von einer Million Dollar im Monat mindestens 30 Prozent Steuern zahlen. Buffett selbst wirbt dafür, da er bisher einen niedrigeren Steuersatz als seine Sekretärin zahlen muss.
Hinter Romney steht, hier irrt Obama nicht, tatsächlich das Gros der Reichen und der Wall Street und somit auch das große Geld. Das wird heuer wegen der sogenannten Super-PACs (siehe Kasten unten) eine außerordentlich große Rolle spielen. Denn Unterstützern sind praktisch keine Grenzen mehr in der Finanzierung ihrer Lieblingskandidaten gesetzt.
David Axelrod, Kommunikationsdirektor vom Obamas Wahlkampftruppe und Chef seiner letzten Präsidentschaftskampagne, prangerte diesen Umstand bereits an: "Mit Geld kann man keine Liebe kaufen, aber die Nominierung der Republikanischen Partei", schrieb der frühere Chefberater im Weißen Haus im Kurznachrichtendienst Twitter.
Doch im Moment hat Romney andere Sorgen. Vor allem mit drei Wählerschichten hat er zu kämpfen: die bereits erwähnten Frauen, Latinos und die Anhänger der radikalen Protestbewegung Tea Party. Bei keiner dieser Gruppen kann der 65-Jährige punkten. Abfedern soll das sein "running mate", also der Vizepräsidentschaftskandidat an seiner Seite, den er demnächst nominieren sollte.
Washington. Die Demokraten haben Präsident Barack Obama am Donnerstagabend (Ortszeit) zum Wahlsieger im US-Staat Florida erklärt...weiter
Brüssel. Dass Europas Hauptstadt dem Ergebnis der US-Wahlen entgegenfiebert, kann man nicht wirklich behaupten. An diesem Mittwochmorgen um 3...weiter
US-Wahlen laufen häufig nicht so reibungslos, wie man es in Europa gewohnt ist. Denn die Wähler müssen sich oft stundenlang gedulden...weiter
Vice President Biden, Mr. Chief Justice, members of the United States Congress, distinguished guests, and fellow citizens: Each time we gather to...
weiter
Bei der Wahl am 6. November 2012 traten der amtierende Präsident und Vizepräsident, Barack Obama und Joe Biden, für die Demokraten an...
weiter