Washington. (apa/aum) Romneys Patzer ist sogar seinen eigenen Leuten so richtig unangenehm. Nachdem der republikanische US-Präsidentschaftskandidat knapp die Hälfte der Amerikaner quasi als Sozialschmarotzer bezeichnet hat, sind sogar nahestehende Politiker und Journalisten es müde, ihn zu verteidigen. Die Situation gestaltet sich so, als ob jemand eine Zote in feiner Gesellschaft erzählt hätte. Die Auswirkungen reichen bis hin zum Kongresswahlkampf.

Zwei republikanische Senats-Bewerber gingen am Dienstag zu ihrem Präsidentschaftskandidaten auf Distanz. "Das ist nicht meine Sicht der Welt", erklärte Senator Scott Brown aus Massachusetts in der Zeitung "The Hill". Auch Linda McMahon, die in Connecticut um einen Sitz kämpft, gab in einer Erklärung bekannt, sie sei mit Romney nicht einer Meinung. Larry Sabato von der University of Virginia sprach von fünf engen Senats-Rennen, in denen der Ausgang allgemein sehr von Romney abhänge. Zusätzlich werde es auch in Massachusetts eng. Brown könne dort "nicht viel mehr Gegenwind ertragen".

Auch der normalerweise republikanerfreundliche Sender Fox News konstatierte, dass Romneys Aussage nicht sonderlich schlau gewesen sei. In einem Interview hatte Romney aber sogleich Gelegenheit, auf die Empörung über seine Aussagen zu reagieren. Eine Entschuldigung gab es nicht. Seine Aussagen in einem mit einer versteckten Kamera aufgenommenen Video seien vielmehr falsch interpretiert worden. Darin hatte Romney erklärt, dass sein Wahlkampf nicht darauf ausgerichtet sei, jene "47 Prozent" der Leute anzusprechen, die Obama wählten. Es handle sich dabei um Menschen, die keine Einkommenssteuer zahlen, dafür aber Gesundheitsfürsorge, Essen und Unterkunft vom Staat einforderten. Doch genau diesen 47 Prozent wolle er helfen, bessere Arbeit zu finden, sagte Romney in dem Interview. So könnten sie dann ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten.
Aller Relativierung zum Trotz hat Romney erneut das Bild des herzlosen Geschäftsmanns verstärkt, das ihm ohnedies schon genug zu schaffen macht. Da konnte es sich sein demokratischer Konkurrent Präsident Barack Obama schon leisten, gnädige Töne anzuschlagen. "Wir machen alle Fehler", sagte Obama in der beliebten "Late Show" von Moderator David Letterman. Er selbst habe jedoch klargemacht, dass er sein Amt als Dienst an allen Amerikanern verstehe. "Ich habe noch in der Wahlnacht gesagt: Auch wenn ihr mich nicht gewählt habt, höre ich eure Stimmen und ich werde so hart wie es geht daran arbeiten, euer Präsident zu sein", sagte Obama.
Pikanterweise zeigen zudem im "Economist" veröffentlichte Daten, dass in den USA stets unter republikanischen Präsidenten die Zahl jener, die keine Einkommenssteuer zahlen, ansteigt. Abseits der Negativwerbung ist die Affäre für Romney auch wegen des Zeitverlusts ärgerlich. Denn keine sieben Wochen vor der Wahl redet nun alles über seinen Patzer statt über die für ihn so wichtigen Wirtschaftsdaten.
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