• vom 05.10.2012, 14:00 Uhr

US-Wahl

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Wer erobert die "Swing States"?


Von Reinhard Heinisch

  • Die US-Präsidentschaftswahlen werden sich hauptsächlich in vier Bundesstaaten entscheiden. Ein Blick auf deren geographische, strukturelle und demographische Gegebenheiten.

270 ist die magische Zahl, denn genau so viele Wahl-Männer und -Frauen ("electors") braucht ein Kandidat, um US-Präsident zu werden. Entschieden wird die Wahl höchstwahrscheinlich in den vier Staaten Virginia, North Carolina, Florida und Ohio, denn nur dort stehen noch größere Wählerkontingente zur Disposition. Alle anderen Bundesstaaten sind quasi bereits vergeben. Das heißt, dort haben laut Umfragen entweder Obama oder Romney eindeutige Mehrheiten und können somit den gesamten Staat und damit jeweils alle seine Wahlmänner auf sich verbuchen. Aufgrund der größeren Bevölkerungszahl im Norden und entlang der Küsten, wo die Demokraten traditionell stark sind, hat Obama mehr Kombinationsmöglichkeiten als Romney, um auf 270 zu kommen.

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Nördlicher Speckgürtel

Ohio ist einer der umkämpften Staaten. Hier Anhänger von Mitt Romney, die auf einen Sieg hoffen.

Ohio ist einer der umkämpften Staaten. Hier Anhänger von Mitt Romney, die auf einen Sieg hoffen.© EPA Ohio ist einer der umkämpften Staaten. Hier Anhänger von Mitt Romney, die auf einen Sieg hoffen.© EPA

Wenige Wochen vor der Wahl geben die Umfragen in diesen vier Swing States Obama einen berechtigten Anlass zu Optimismus. Zwar zählen auch Virginia und North Carolina geographisch und geschichtlich zu den Südstaaten. Doch der nördliche Speckgürtel um Washington DC mit seinen Hightech-Firmen, Konzernzentralen und neuen Trabantenstädten, in denen Millionen Staatsbeamte und hochausgebildete Fachkräfte wohnen, tickt politisch anders als der religiös-konservative Süden.

Chancen hat Romney in Virginia nur, wenn es ihm gelingt, die ebenfalls große Anzahl an Militärpersonal und Veteranen für sich zu mobilisieren. Immerhin befindet sich in Norfolk, Virginia die größte Flottenbasis der USA. Ebenso wie Virginia, seinerzeit das politische Zentrum des alten Südens, zählt auch das benachbarte North Carolina zum alten "Bible-Belt", gilt aber dennoch als relativ Obama-freundliches Territorium wegen des hohen Anteils der dort ansässigen schwarzen Bevölkerung (22 Prozent, zum Vergleich zu 13 Prozent im Rest der USA).

Im selben Staat befinden sich in einer "Research Triangle" genannten Region um die Universitätsstädte Raleigh-Durham-Chapel Hill auch einige der besten US-Universitäten sowie hunderte mit den Forschungsstätten verbundene High-Tech-Firmen. Die mehr als zwei Millionen starke Bevölkerung dieser Region hat kulturell mit dem alten Süden nicht mehr so viel gemeinsam, dass sich ein Republikaner automatisch einer Mehrheit sicher sein könnte. Je nach Wahlbeteiligung dieser Bevölkerungsgruppen könnte es Obama durchaus gelingen, North Carolina in seinem Sinne umzudrehen und Romney somit die Chancen auf den Gesamtsieg zu verwehren.

Ein besonders komplexer Fall ist Florida, dessen Norden eindeutig zum sogenannten "Bible-Belt" zählt und strukturell durchaus den klassischen konservativen Südstaaten entspricht, welche in den USA als "Deep South" bezeichnet werden. Fährt man jedoch die Küste entlang weiter nach Süden, so ändert sich die politische Landkarte schlagartig, indem man dort auf Kolonien sogenannter "Snow-Birds" trifft. Darunter versteht man aus dem Norden zugezogene ältere Bevölkerungsgruppen, die aufgrund des milden Klimas in Florida ihren Lebensabend verbringen. Traditionell wählen viele von ihnen die Demokraten, da man diese als die besseren Garanten des staatlichen Pensionssystems (ein)schätzt, von dem beinahe 80 Prozent der Überfünfundsechzigjährigen abhängen.

Besonders wichtig sind in dieser Hinsicht die gutorgansierten und auch spendenfreudigen jüdischen Bevölkerungsenklaven, die zwar traditionell im demokratischen Lager stehen, jedoch durch Obamas relative Kühle gegenüber Israel gewisse Absetzungstendenzen in Richtung Republikaner verspüren könnten.

Fährt man wieder landeinwärts, so ändert Florida seinen Charakter und man stößt auf intensive agrarische Bewirtschaftung. Es ist unter anderem das Zentrum des Zitrusfruchtanbaus der USA. Wie alle landwirtschaftlichen Gebiete ist auch diese Region eher konservativ und gilt als Romney-freundliches Territorium.

Wieder an der Küste, gelangt man in die liberalen Metropolen, in denen man auf ein buntes Gemisch aus urbaner Lebensfreude, aber auch auf bittere Armut trifft. In solchen tristen Verhältnissen leben besonders viele Immigranten und Minderheiten, die durch die starke Rezession am Immobilienmarkt und den besonders in Florida weitgehend fehlenden Sozialstaat noch stärker leiden als anderswo.

Unter den Latinos, die eher demokratisch votieren, bildet die starke und auch wirtschaftlich erfolgreiche Gruppe der Exil-Kubaner die einzige Ausnahme, sind diese doch eng mit der republikanischen Partei verbunden. Einer der Ihren, der ultrakonservative Politiker Marco Rubio, ist einer der beiden Senatoren des Staates und galt lange als heißer Tipp für das Vizepräsidentenamt unter Romney.

Spezialfall Ohio
Ganz anders verhält es sich im großen Flächenindustriestaat Ohio. Dort sind die Nachfahren deutscher, polnischer, slowakischer und slowenischer Einwanderer kulturell eher konservativ und patriotisch eingestellt. Die Gegend zählt seit geraumer Zeit zum sogenannten Rostgürtel, leidet unter Überalterung, Bevölkerungsschwund und einer veralteten Infrastruktur. Die ehemals blühenden Großstädte beherbergen heute vielfach Industrieruinen und verlassene und verfallende Wohnhäuser.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-04 18:55:28
Letzte Änderung am 2012-10-05 13:59:23


Mit Cofetti-Regen wurde der Wahlsieg von Barack Obama gefeiert.

Colorado: 9 Wahlmänner - Obama konnte 2008 in dem traditionell republikanisch wählenden Staat überraschend gewinnen. Die Ablehnung der von Washington verordneten Politik trifft zwar Obama stärker als Romney, doch ist die Stimmung eher von Diskussionen über das kleinere Übel denn von Enthusiasmus für einen Kandidaten geprägt. In den Meinungsumfragen liegen die Kandidaten abwechselnd in Führung. Viele Wähler wollen noch überzeugt werden.

Nicht nur Barack Obama und Mitt Romney wollen ins Weiße Haus. Die Grand Old Party hofft auf einen zugkräftigen Herausforderer Obamas. Bis dahin wirbt sie mit etwas angestaubter Grafik.

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Obama Inauguration - apaWeb / Reuters Vice President Biden, Mr. Chief Justice, members of the United States Congress, distinguished guests, and fellow citizens: Each time we gather to... weiter




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