Washington. (dpa) Für ein TV-Duell wie jenes in der vergangenen Nacht zwischen Barack Obama und Mitt Romney wäre Calvin Coolidge (1923-1929) gänzlich ungeeignet gewesen. Er war einer der skurrilsten unter den 43 Vorgängern von US-Präsident Obama - vor allem aber ein miserabler Smalltalker. Bei einem Essen saß die Schriftstellerin Dorothy Parker neben "Silent Cal" und sagte, sie habe gewettet, mehr als zwei Worte aus ihm herauszubekommen. Collidge blickte sie an, sagte nur "Wette verloren" - und schwieg den Rest des Abends weiter. Parker rächte sich 1933. Als sie vom Tod Coolidges erfuhr, sagte sie trocken: "Woran habt ihr gemerkt, dass er tot ist?"
Auch andere US-Präsidenten fielen durch eigenwillige Charaktereigenschaften auf, etwa Franklin D. Roosevelt, Coolidges Nachfolger. Er brauchte die Reichen als Wahlkampfspender. Als einer von ihnen Botschafter in London werden wollte, forderte Roosevelt ihn auf, die Hosen runterzulassen. Der verblüffte Millionär tat es, weil er den Posten unbedingt wollte. Er habe nur die Beine prüfen wollen, schließlich müsse der Botschafter vor dem König Kniebundhosen tragen, sagte Roosevelt, "und du bist der krummbeinigste Mann, den ich je sah, Joe". Der Mann bekam den Job, aber es war eine gezielte Demütigung gegen einen Emporkömmling, den Roosevelt hasste: Joseph Kennedy, Vater des späteren Präsidenten John F. Kennedy.
William Henry Harrison war 1841 mit 68 Jahren der älteste Präsident, den die USA in ihren ersten 200 Jahren hatten. Um seine Robustheit zu beweisen, hielt Harrison seine gut zweistündige Rede zur Amtseinführung ohne Hut und Mantel. Eine schlechte Idee: Der geschwächte Senior holte sich später eine Lungenentzündung und starb - nach gerade einmal 30 Tagen im Amt.
Besäufnisse beim Ausritt
Einem Nachfolger wurde neun Jahre später hingegen Wärme zum Verhängnis. Zachary Taylor nahm am 4. Juli 1850 in brütender Hitze die Parade zum Nationalfeiertag ab. Nach der stundenlangen Zeremonie kippte der Ex-General Eiswasser in sich hinein und aß unreifes Obst. Seine Verdauung rebellierte und fünf Tage später war Taylor tot. Bis heute halten sich Gerüchte, der Präsident sei mit Gift gemeuchelt worden. Eine Exhumierung 1991 brachte aber keine Hinweise. Bei James Buchanan (1857-1861) weiß man hingegen, was zu seinem Tod zumindest beitrug: Buchanan nutzte seine sonntäglichen Ausritte, um sich volllaufen zu lassen.
Auch sein Vorgänger trank. Franklin Pierce (1853-1857) hatte jedoch Schicksalsschläge hinnehmen müssen: Alle seine drei Söhne starben noch als Kinder. "Es gibt nichts mehr zu tun, als betrunken zu werden", sagte er resignierend. Für spätere Präsidenten war Alkohol im Weißen Haus hingegen tabu, selbst bei Staatsempfängen. Eine der eifrigsten Verfechterinnen des Verbots war Präsidentengattin Lucy Webb Hayes - auch "Lemonade Lucy" genannt.
Nicht einer der großen, aber der schwerste Präsident war William Howard Taft (1909-1913). Mit gut 150 Kilo schaffte er, was keinem anderem gelang: Er steckte in der Badewanne des Weißen Hauses fest. Die Mitarbeiter mussten ihn mit Butter einschmieren und befreien.
Rivalen bis in den Tod
Der 4. Juli ist Nationalfeiertag der USA, weil an dem Tag 1776 die Unabhängigkeitserklärung angenommen wurde. Ihre beiden wichtigsten Verfasser wurden Präsidenten: John Adamas der zweite, Thomas Jefferson der dritte. Sie waren ihr ganzes Leben erbitterte Rivalen, respektierten sich aber. Als Adams starb, waren die letzten Worte: "Und Thomas Jefferson hat (mich) überlebt." Doch er irrte, Jefferson war, 900 Kilometer entfernt, nur Stunden zuvor gestorben. Beide Gründerväter und Rivalen starben am 4. Juli 1826 - auf den Tag 50 Jahre, nachdem die Unabhängigkeitserklärung angenommen wurde.
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