Washington. Er wäre der erste Mormone, der im Fall seiner Wahl ins Weiße Haus einzieht - allerdings hat er das schon einmal erfolglos probiert: Im Februar 2008 gab der damals 60-jährige Mitt Romney nach enttäuschenden Ergebnissen beim "Super Tuesday" auf und ließ John McCain den Vortritt im republikanischen Kampf gegen Barack Obama. McCain erlitt eine ehrenhafte Niederlage - und Romney will jetzt ein zweites Mal versuchen, gegen Obama in den Ring zu steigen.

Die gegenwärtige Wirtschaftslage der USA sollte Romney eigentlich entgegenkommen: Er hat viel Erfahrung mit angeschlagenen Unternehmen. Als Finanzinvestor und Sanierer machte der Republikaner ein Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe. Der Harvard-Absolvent führte als Manager die skandalträchtigen Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City aus dem Korruptionssumpf zu einem profitablen Erfolg. Als politischer Quereinsteiger errang er 2002 bei den Gouverneurswahlen im demokratisch geprägten Staat Massachusetts einen Sieg. Zudem kann er mit seiner Frau Ann eine heile Familie mit fünf erfolgreichen Söhnen präsentieren - für einen Konservativen in den USA ist das ein großes Plus.
Romney muss allerdings ständig gegen den Verdacht ankämpfen, seine politischen Positionen allzu oft der aktuellen Stimmungslage anzupassen. Als Gouverneur trat er etwa für das Recht auf Abtreibung ein, inzwischen verteufelt er sie. Vom Fürsprecher für die Rechte Homosexueller wandelte er sich zum scharfen Gegner der Homo-Ehe. Gegen illegale Einwanderer fährt er jetzt eine harte Linie; früher hatte er allerdings selbst einige in seinem Haushalt beschäftigt. Und vor allem verordnete Romney Massachusetts ein neues Gesundheitssystem - das der im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesundheitsreform von Obama, die er nun parteikonform als Teufelswerk geißelt, sehr ähnelt.
Diese Widersprüche bescherten Romney viel Kritik aus den eigenen Reihen und ließen ihn den Demokraten als einfachen Konkurrenten im Rennen um das Weiße Haus erscheinen. Auf heftige Ablehnung vor allem der evangelikalen Christen stößt auch seine Religionsbekenntnis. Die Mormonen werden von vielen als Anhänger eines obskuren Kults betrachtet.
Die Unzufriedenheit mit dem vermeintlich aussichtsreichsten Bewerber spiegelt sich in den parteiinternen Umfragen wieder. Romney liegt zwar seit Monaten beständig ganz weit oben im republikanischen Feld, doch die verbleibenden drei Viertel der Wähler scheinen offenbar gewillt, alle möglichen Kandidaten zu unterstützen - nur nicht ihn: Im Sommer hatte die Tea-Party-Ikone Michele Bachmann ihren Höhenflug in den Umfragen, dann folgte Rick Perry. Der texanische Gouverneur schoss nach seinem späten Einstieg ins Nominierungsrennen im August sofort an Romney vorbei an die Spitze, fiel aber nach schwachen Auftritten in TV-Debatten wieder zurück. Dann kam Herman Cain die Rolle des Shooting-Star zu - bis er nach zahlreichen Vorwürfen sexueller Belästigung aus dem Rennen ausstieg.
Am Ende schien Newt Gingrich das Rennen zu machen, der in den 90er Jahren als Chef des Repräsentantenhauses der große republikanische Widersacher von Ex-Präsident Bill Clinton war. Wie alle Rivalen vor ihm scheint aber auch er bereits wieder auf dem absteigenden Ast zu sein.
Romney bleibt - und folgt den Fußstapfen seines Vaters. Auch George Romney war Wirtschaftsmanager, Gouverneur und sogar Bewerber um das höchste Staatsamt der Vereinigten Staaten. Er zog seine Bewerbung 1968 allerdings noch vor der ersten Vorwahl wieder zurück.
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