Washington. Newt Gingrich gilt als Urgestein der US-Republikaner. Der 68-Jährige, der Ende der 70er Jahre erstmals in das Repräsentantenhaus gewählt wurde, war schon einmal die große Hoffnung seiner Partei. Unter seiner Führung holten die Republikaner bei den Kongresswahlen 1994 einen Erdrutschsieg, Gingrich wurde der erste republikanische "Speaker" des Repräsentantenhauses seit vier Jahrzehnten. Das Nachrichtenmagazin "Time" machte ihn gar zum Mann des Jahres. Das würde er 2012 gerne noch einmal schaffen - als neuer Präsident der USA.
Gingrich war von 1995 bis 1999 Präsident des Repräsentantenhauses. Nachdem er die Republikaner zur ersten Mehrheit in der großen Kongresskammer seit vier Jahrzehnten geführt hatte, galt er Star seiner Partei. Auch diesmal will er auf klassisch konservative Inhalte, etwa niedrige Steuern, ein ausgeglichenes Budget und weniger Einfluss der Regierung, setzen, seine Politik zielte damals wie heute vor allem auf massive Einsparungen in der Staatskasse ab.
Gingrich lieferte sich mit dem damaligen Präsidenten Bill Clinton erbitterte Budgetschlachten, die 1995 und 1996 zu einem mehrwöchigen finanziellen Stillstand der Regierung führten. Doch sein polarisierender Kurs stieß in der Bevölkerung zunehmend auf Ablehnung. Gingrichs Image litt auch unter einer Geldstrafe von 300.000 Dollar, die ihm der Kongress wegen eines Steuervergehens aufbrummte. Nach dem enttäuschenden Abschneiden der Republikaner bei den Kongresswahlen 1998 musste sich der einstige Heilsbringer unter dem Druck seiner Parteifreunde aus dem Repräsentantenhaus zurückziehen.
Anschließend machte Gingrich seine Erfahrung und seine Kontakte in der Hauptstadt mit einer eigenen Beratungsfirma zu Geld. So erhielt er bis zu 1,8 Millionen Dollar von dem halbstaatlichen Immobilienfinanzierer Freddie Mac, der während der Finanzkrise von der Regierung gerettet werden musste - ein "Sündenfall", der von seinen Konkurrenten jetzt weidlich ausgeschlachtet wird.
Auch seine Verankerung in den Machtzirkeln Washingtons ist für Gingrich heute mehr ein Manko denn ein Vorteil. Insbesondere die erzkonservative Tea-Party-Bewegung wünscht sich einen Außenseiter im Weißen Haus, der den ungeliebten Berufspolitikern den Marsch bläst und den aus ihrer Sicht ausufernden Staat im Zaum hält.
Eine weitere Schwachstelle Gingrichs ist sein Privatleben: Er ist zum dritten Mal verheiratet und weicht damit deutlich von der moralischen Norm ab, die der starke religiöse Wählerblock an einen konservativen Kandidaten anlegt. Während er Clinton wegen Falschaussage im Zusammenhang mit dem Sexskandal um die Praktikantin Monica Lewinsky aus dem Amt treiben wollte, hatte Gingrich selbst eine Affäre mit einer Mitarbeiterin - die er immerhin später heiratete.
Jüngstes Beispiel dafür, dass Gingrich nicht der Darling der Wähler ist: Er schaffte es für die parteiinterne Vorwahl am 6. März im Bundesstaat Virginia nicht auf die Wahlzettel, weil er die erforderlichen 10.000 Unterschriften von Bürgern des Staates nicht aufbringen konnte - in seinem eigenen Heimatstaat.
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