• vom 13.09.2012, 19:20 Uhr

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Das noch heute geltende Wahlmänner-System für die Präsidentenwahl stammt aus der Frühzeit der USA

Ein Relikt aus der Vergangenheit



Die aktuelle Verteilung der Wahlmänner. - Bild: US Government / Adam Lenhardt - CC

Die aktuelle Verteilung der Wahlmänner. Bild: US Government / Adam Lenhardt - CC

Wenn die Amerikaner ihre Wahlzettel ankreuzen oder lochen, wenn sie einen Hebel drücken oder nur mehr auf einen Bildschirm tippen - dann tun sie das nach einem Wahlmodus, der aus einer Zeit stammt, als nicht der Computer, sondern der Federkiel das vorherrschende Medium der Informationsverbreitung war.

Information

Bundesstaat

Wahlmänner

Alabama

9

Alaska

3

Arizona

11

Arkansas

6

Colorado

9

Connecticut

7

Delaware

3

Florida

29

Georgia

16

Hawaii

4

Idaho

4

Illinois

20

Indiana

11

Iowa

6

Kalifornien

55

Kansas

6

Kentucky

8

Louisiana

8

Maine

4

Maryland

10

Massachusetts

11

Michigan

16

Minnesota

10

Mississippi

6

Missouri

10

Montana

3

Nebraska

5

Nevada

6

New Hampshire

4

New Jersey

14

New Mexico

5

New York

29

North Carolina

15

North Dakota

3

Ohio

18

Oklahoma

7

Oregon

7

Pennsylvania

20

Rhode Island

4

South Carolina

9

South Dakota

3

Tennessee

11

Texas

38

Utah

6

Vermont

3

Virginia

13

Washington

12

Washington D.C.

3

West Virginia

5

Wisconsin

10

Wyoming

3

Vereinigte    Staaten

538

Die US-Bürger wählen ihren Präsidenten nämlich indirekt über so genannte Wahlmänner und -frauen. Eine Methode, die sich die Väter der amerikanischen Verfassung im Jahr 1787 ausgedacht haben, um zu verhindern, dass die politisch ungebildete Bevölkerung ungeeignete Kandidaten in das höchste Staatsamt wählt. Dem "Electoral College" aus gebildeten und erfahrenen Bürgern sollte daher die letzte Entscheidung vorbehalten bleiben.

Mittlerweile erscheint das als Anachronismus: Rechtlich sind die Wahlmänner in ihrer Entscheidung nicht gebunden. Seit dem Entstehen des Parteiensystems werden sie aber von den Parteien oder Wahlkampfteams bestimmt. Und es wird selbstverständlich von ihnen wird erwartet, dass sie für den Parteikandidaten stimmen.
Entschieden wird am Wahltag also streng genommen nur über die Zusammensetzung des "Electoral College", das erst sechs Wochen später formal das Staatsoberhaupt wählt. In diesem Kollegium sitzen die Vertreter der 50 Bundesstaaten und des District of Columbia mit der Hauptstadt Washington.

Laut Verfassung entsendet jeder Staat so viele Wahlmänner, wie er Senatoren und Abgeordnete im Repräsentantenhaus stellt. Bei 100 Senatoren und 435 Sitzen im Repräsentantenhaus plus den drei Wahlmännern für den District of Columbia zählt das Wahlkollegium also insgesamt 538 Mitglieder. Die für die Wahl eines Präsidenten erforderliche absolute Mehrheit beträgt also 270 Stimmen. Die meisten Wahlmänner und -frauen hat gegenwärtig Kalifornien mit 55, gefolgt von Texas (38), New York und Florida  (beide 29).

Der Wahlmodus ist in den allermeisten Staaten nach dem Prinzip "winner takes all" geregelt: Wer in einem bestimmten Bundesstaat die meisten gültigen Stimmen erringt, sichert sich damit automatisch sämtliche Wahlmänner dieses Staates. Diese Regel ermöglichte bereits vier Mal, dass ein Präsident gekürt wurde, obwohl er nach der Gesamtzahl der Wählerstimmen eigentlich unterlegen war.

Nur zwei Staaten weichen mittlerweile von der "Winner takes all"-Regel ab: Maine und Nebraska vergeben einen Teil ihrer Wahlmännerstimmen nach dem landesweiten Wahlergebnis, einen Teil nach dem Ergebnis in den Wahlkreisen für die Kongresswahlen. In der Praxis kam dadurch aber bisher noch keine Aufteilung zustande, außerdem verfügen beide Staaten zusammen nur über neun Wahlmännerstimmen.
Der antiquierte Wahlmodus war und ist immer wieder Gegenstand politischer Dispute. Das in der jüngeren Vergangenheit meist als Alternativkonzept diskutierte Modell ist das der Direktwahl. Das Repräsentantenhaus sprach sich 1969 auch für einen Verfassungszusatz aus, wonach der Präsident direkt gewählt werden kann. Doch die Realisierung scheiterte, da sich im Senat nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit fand.

Experten halten eine umfassende Änderung des Wahlrechts ohnehin für extrem unwahrscheinlich - vor allem deshalb, weil für die dafür nötige Verfassungsänderung eine Dreiviertelmehrheit nötig wäre - und das gegenwärtige System sehr vielen Staaten mehr Gewicht zumisst als ihnen bei einer Direktwahl zukäme.

Sollte im Wahlmännergremium kein Kandidat die absolute Mehrheit von 270 Stimmen erreichen, wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten unter den drei bestplatzierten Kandidaten. Dabei hat aber jeder Bundesstaat nur eine Stimme. Auf dieses Verfahren musste bisher erst zwei Mal zurückgegriffen werden: 1824, als sich John Quincy Adams erst auf diesem Weg gegen (seinen späteren Nachfolger) Andrew Jackson, William H. Crawford and Henry Clay durchsetzen konnte. Und das allererste Mal 1801, als sich Aaron Burr erst in diesem ultimativen Wahlgang seinem Gegner geschlagen geben musste - keinem Geringeren als Thomas Jefferson.


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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-11 19:22:10
Letzte Änderung am 2012-09-11 19:54:09


Mit Cofetti-Regen wurde der Wahlsieg von Barack Obama gefeiert.

Colorado: 9 Wahlmänner - Obama konnte 2008 in dem traditionell republikanisch wählenden Staat überraschend gewinnen. Die Ablehnung der von Washington verordneten Politik trifft zwar Obama stärker als Romney, doch ist die Stimmung eher von Diskussionen über das kleinere Übel denn von Enthusiasmus für einen Kandidaten geprägt. In den Meinungsumfragen liegen die Kandidaten abwechselnd in Führung. Viele Wähler wollen noch überzeugt werden.

Nicht nur Barack Obama und Mitt Romney wollen ins Weiße Haus. Die Grand Old Party hofft auf einen zugkräftigen Herausforderer Obamas. Bis dahin wirbt sie mit etwas angestaubter Grafik.

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