• vom 21.09.2012, 10:06 Uhr

Hintergrund

Update: 21.09.2012, 13:45 Uhr
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Bereits neun US-Staaten für Volkswahl des Präsidenten

Knappe Ergebnisse beleben die Debatte um das US-Wahlsystem



  • 1880 gaben 2.000 Stimmen den Ausschlag.
  • 2000 siegte Bush ohne Stimmenmehrheit.

Die Kritiker einer landesweiten Volkswahl sehen das Wahlmännersystem als Schutzmechanismus für die einzelnen Staaten. Vor allem die kleineren, ruralen und konservativen Staaten befürchten, in einer US-weiten Wahlkampagne unter die Räder zu kommen. In ihr würden dann die Anliegen der bevölkerungsreichen und finanzkräftigen Staaten mit ihrer liberaleren Wählerschaft dominieren, so das Argument. - APAweb/dpa/Martin Meissner

Die Kritiker einer landesweiten Volkswahl sehen das Wahlmännersystem als Schutzmechanismus für die einzelnen Staaten. Vor allem die kleineren, ruralen und konservativen Staaten befürchten, in einer US-weiten Wahlkampagne unter die Räder zu kommen. In ihr würden dann die Anliegen der bevölkerungsreichen und finanzkräftigen Staaten mit ihrer liberaleren Wählerschaft dominieren, so das Argument. APAweb/dpa/Martin Meissner

Washington. Die Debatte um die Gerechtigkeit des Wahlmännersystems bei US-Präsidentschaftswahlen flammt immer dann wieder verstärkt auf, wenn die Wahlergebnisse besonders knapp sind oder sich Diskrepanzen zwischen dem Ergebnis der Volkswahl und jenem der Wahlmänner ergeben. Derzeit deuten die Umfragen zumindest nicht auf ein Fotofinish hin - Präsident Barack Obama konnte seinen Vorsprung nach den jüngsten Schnitzern seines Herausforderers Mitt Romney leicht ausbauen - aber das Rennen bleibt weiterhin eng.

  So knapp wie im Jahr 2000 wird es diesmal aber wahrscheinlich nicht hergehen: Damals hatte der Demokrat Al Gore 543.895 Stimmen Vorsprung vor George W. Bush, das waren ganze 0,33 Prozent der insgesamt 103 Millionen abgegebenen Stimmen ("popular vote"). Genützt hat es ihm bekanntlich nichts, denn nach dem indirekten US-Wahlsystem erhielt er dafür nur 266 Wahlmänner ("electoral vote"). Zu wenig, Bush holte mit 271 die Mehrheit.

Bereits neun US-Staaten für Volkswahl des Präsidenten  
Was wäre eine US-Wahlnacht ohne den stundenlangen Nervenkrieg um Staaten, die "too close to call" sind und die Kontrahenten zittern lassen? Weniger spannend, aber demokratischer. Denn die indirekte Wahl des US-Präsidenten durch Elektoren der einzelnen Staaten hatte bereits viermal (1824, 1876, 1888 und 2000) den unangenehmen Nebeneffekt, dass der landesweit stimmenstärkste Kandidat das Nachsehen hatte. Geht es nach dem Willen von mittlerweile neun US-Staaten, soll sich dieses Szenario nicht mehr wiederholen.

  1824 war noch ein Sonderfall: Vier Kandidaten traten an, keiner von ihnen erreichte die nötige Absolute Mehrheit der Wahlmänner. Das daraufhin verfassungsmäßig zur Kür eines Präsidenten zusammengetretene Repräsentantenhaus entschied aber nicht für den an Stimmen und Elektoren stärksten Andrew Jackson, sondern wählte John Quincy Adams zum sechsten Präsidenten der USA.

  Im Jahr 1876 reichte dem Demokraten Samuel Tilden aber nicht einmal eine absolute Mehrheit von 51 Prozent der Wählerstimmen, um gewählt zu werden. Bei den Elektoren hatte nämlich der Republikaner Rutherford B. Hayes mit 185 zu 184 Stimmen die Nase vorne. 1888 lag der demokratische Amtsinhaber Grover Cleveland zwar um 0,8 Prozent vor seinem republikanischen Herausforderer Benjamin Harrison, an Wahlmännern wurde er von diesem aber deutlich mit 233 zu 168 geschlagen. Im Jahr 2000 schließlich erhielt der Demokrat Al Gore landesweit um eine halbe Million Stimmen mehr als der Republikaner George W. Bush, der sich aber im Wahlmännerkollegium mit 271 zu 266 Stimmen durchsetzte. Ausschlaggebend für Bush waren letztlich wenige hundert umstrittene Wählerstimmen im Staat Florida mit seinen 25 Wahlmännern.



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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-21 10:07:40
Letzte Änderung am 2012-09-21 13:45:52


Mit Cofetti-Regen wurde der Wahlsieg von Barack Obama gefeiert.

Colorado: 9 Wahlmänner - Obama konnte 2008 in dem traditionell republikanisch wählenden Staat überraschend gewinnen. Die Ablehnung der von Washington verordneten Politik trifft zwar Obama stärker als Romney, doch ist die Stimmung eher von Diskussionen über das kleinere Übel denn von Enthusiasmus für einen Kandidaten geprägt. In den Meinungsumfragen liegen die Kandidaten abwechselnd in Führung. Viele Wähler wollen noch überzeugt werden.

Nicht nur Barack Obama und Mitt Romney wollen ins Weiße Haus. Die Grand Old Party hofft auf einen zugkräftigen Herausforderer Obamas. Bis dahin wirbt sie mit etwas angestaubter Grafik.

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