• vom 09.11.2016, 10:02 Uhr

US-Wahl 2016

Update: 09.11.2016, 16:41 Uhr

US-Präsidentenwahl 2016

Trump wird zum Alptraum der Demokraten




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Von WZ Online, APA, Reuters

  • Trump gewinnt die Swingstates Florida, North Carolina, Ohio und Wisconsin.
  • Die Republikaner halten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat.

Vorläufiges Ergebnis der Kongresswahl - © APA

Vorläufiges Ergebnis der Kongresswahl © APA

Harte Zeiten für US-Demokraten, Intellektuelle und Friseure: Donald Trump wird Präsident.

Harte Zeiten für US-Demokraten, Intellektuelle und Friseure: Donald Trump wird Präsident.© APAweb / Reuters Harte Zeiten für US-Demokraten, Intellektuelle und Friseure: Donald Trump wird Präsident.© APAweb / Reuters

Dem Außenseiter Donald Trump gelingt die Sensation: Der umstrittene Republikaner hat überraschend und entgegen der allermeisten Umfragen die Präsidentschaftswahl in den USA gewonnen. Hillary Clinton räumte ihre Niederlage in einem Telefonat mit Trump ein. Sie verzichtete in der Nacht auf eine Rede.

Die Sorge vor einem Sieg des Populisten Trump war vor der Wahl groß gewesen. Nun wird der Milliardär aber am 20. Jänner als der 45. Präsident in das Weiße Haus einziehen. Er kann beim Regieren auf die Mehrheit seiner Republikaner im US-Kongress setzen und mögliche entscheidende Vorhaben umsetzen. Die Republikaner konnten ihre knappe Mehrheit von 51 der 100 Sitze im Senat verteidigen. Der Partei von Hillary Clinton gelang es nur in einem umkämpften Staat, Illinois, den Republikanern einen Senatssitz abzujagen. Kandidatin Tammy Duckworth siegte dort über den amtierenden Senator Mark Kirk. Prominente Republikaner wie John McCain in Arizona und Jungstar Mario Rubio in Florida behielten ihre Senatssitze. Schon vor der Wahl hatten Experten vorausgesagt, dass die Demokraten keine Chance für eine Machtübernahme des Repräsentantenhauses mit seinen 435 Sitzen hatten.

Extreme Zitterpartie

Die Wahlnacht war über Stunden eine extreme Zitterpartie. Der Unternehmer konnte die besonders umkämpften Staaten Florida, North Carolina, Ohio und Wisconsin für sich entscheiden. Clinton gewann von den sogenannten Swing States (Wechselwählerstaaten) lediglich Nevada, Virginia und Colorado. Ihre Niederlage dürfte das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten.

Vor allem in mehreren Bundesstaaten im sogenannten Rostgürtel der USA, einer einst florierenden und inzwischen vom wirtschaftlichen Abschwung geprägten Industrieregion, konnte die Demokratin nicht überzeugen.

Bei Wählerstimmen fast gleich auf

Donald Trump hat zwar klar die meisten Wahlmännerstimmen auf sich vereinen können, was die gesamten Wählerstimmen betrifft, holt seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton mit zunehmenden Auszählungsgrad jedoch auf. Nach Auszählung von 91 Prozent der Stimmen kamen beide Mittwochmittag auf 47,6 Prozent der Stimmen, wie "CNN" berichtete.

Clinton konnte demnach 58.676.134 Wähler von sich überzeugen, der Republikaner Trump 58.795.710. Im amerikanischen Wahlsystem zählt jedoch nicht die Gesamtzahl der Stimmen, sondern die Wahlmänner - die von den einzelnen Bundesstaaten entsandt werden und sämtliche Stimmen dem im betroffenen Bundesstaat erstplatzierten Kandidaten geben, der Zweitplatzierte geht leer aus.

Trump hatte mit populistischen Parolen Wahlkampf gemacht. Er wetterte immer wieder gegen Einwanderung, internationale Handelsabkommen und Globalisierung und machte diese für den Verlust von Arbeitsplätzen in den USA verantwortlich. Seine Stimmungsmache verfing offensichtlich stärker, als es Meinungsforscher vorausgesehen hatten. Die Märkte reagierten auf Trumps Wahlsieg mit starken Kursschwankungen.

Politischer Quereinsteiger

Der 70-Jährige Trump ist ein politischer Quereinsteiger, ein Amt hatte er nie inne. Seine Qualifikation begründete er in der Vergangenheit auch mit seinen Leistungen als Unternehmer. Die aber sind keineswegs so glorreich, wie er immer wieder behauptet. Innerhalb von 18 Jahren meldeten vier Firmen aus seinem Kasino-Imperium Insolvenz an. Trump ist zum dritten Mal verheiratet und hat fünf Kinder.

Beide Kandidaten hatten sich in den vergangenen Wochen erbitterte Auseinandersetzungen geliefert. Der Wahlkampf gilt als einer der härtesten und schmutzigsten der amerikanischen Geschichte. Er war geprägt von persönlichen Beleidigungen und Schmähungen. Ein Ringen um politisch attraktivere Positionen gab es nicht. Fakten und Inhalte spielten kaum eine Rolle.

Noch nie in der Geschichte der US-Wahlen waren zwei Kandidaten gleichermaßen so unbeliebt: Trump wegen seiner Art und seiner Ausfälle, Clinton wegen ihrer Skandale und ihrer Nähe zum bestehenden System.

Clinton "noch nicht am Ende"

Clinton hat am Mittwochmorgen in einem Telefonat mit Trump ihre Niederlage eingestanden, wie der Sender CNN berichtete.

Sie wird in der Wahlnacht keine Rede halten. "Es werden noch Stimmen ausgezahlt - jede Stimme sollte zählen", sagte ihr Wahlkampfmanager John Podesta in der Nacht auf Mittwoch in New York. In mehreren Bundesstaaten sei der Wahlausgang noch nicht absehbar. "Daher werden wir heute Nacht nichts mehr zu sagen haben."

Clinton habe Unglaubliches geleistet, "und sie ist noch nicht fertig", fügte Podesta hinzu. "Versucht, etwas Schlaf zu bekommen", sagte Podesta. "Wir werden morgen mehr zu sagen haben."

Clinton selbst hatte sich zuvor in einer Twitter-Botschaft an ihre Mitarbeiter gewandt: "Diese Mannschaft kann auf so vieles stolz sein. Was immer auch passiert: Danke für alles", schrieb die Demokratin.

Wahlberechtigt waren etwa 219 Millionen Menschen. Voraussetzung war, dass sich ein Wähler registrieren ließ und nicht von der Wahl ausgeschlossen wurde - beispielsweise wegen einer kriminellen Vergangenheit.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-11-08 23:20:14
Letzte ─nderung am 2016-11-09 16:41:21



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