Zuerst hören wir den Monolog einer Katze. Dann sehen wir einem Paar dabei zu, wie es mit Mitte 30 mehr nebeneinander her- als zusammenlebt. Die Katze soll in einem Monat adoptiert werden; die letzten sorglosen Tage in der Beziehung von Jason und Sophie, denn danach geht es ja um die Katz. Es ist ein seltsam gelassener Beziehungsfilm, den Miranda July in Personalunion von Regie, Buch und Hauptdarstellerin mit "The Future" gedreht hat. Die "Wiener Zeitung" sprach mit der auch als Performance-Künstlerin erfolgreichen Regisseurin.
"Wiener Zeitung": Ihr Film wird von einer Katze erzählt. . .
Miranda July: Bevor dies ein Film war, bestand diese Geschichte in Form einer Performance, also ganz anders aufbereitet. Im Film, in dem das Paar im Vordergrund steht, fühlte ich die Notwendigkeit, von diesem Paar auch während der Geschichte wegzukommen, eine andere Perspektive und etwas Distanz zu schaffen. Die Katze gab es schon in der Performance, und ich habe ihr hier einfach diese Rolle gegeben.
Testen Sie Ihre Ideen vor der Umsetzung an einem Publikum?
In diesem Fall habe ich meinem Mann, der auch Regisseur ist, davon erzählt, obwohl wir es sonst vermeiden, über die gegenseitige Arbeit zu reden. Üblicherweise bekomme ich nicht sehr viel Feedback aus meinem Umfeld. Es ist eine Trial-and-Error-Atmosphäre, in der ich gewöhnt bin zu arbeiten.
Sie lassen eine Figur in ihrem Film einmal die Zeit anhalten. Was steckt dahinter?
Ich habe selbst schon so oft Momente erlebt, in denen ich mir wünschte, die Zeit anhalten zu können, und in denen mir klar wurde, dass ich nicht das Leben führen wollte, das das Resultat dieses Moments sein würde. Sie wissen schon, wenn man plötzlich alles auf sich zukommen sieht und man es nicht so will.
Die Charaktere sind überwältigt von ihren Möglichkeiten und fallen deshalb in eine Art Lethargie.
Das sind Symptome einer Generation, die keine echten Probleme von außen kennt. Zudem leben Frauen heute ganz anders, haben ebenfalls alle Möglichkeiten. Da geht zuerst einmal alles andere vor, bevor man ein Kind bekommt. Hätte meine Mutter heute ihre Jugend gelebt, gäbe es mich vielleicht gar nicht.
Worin liegt für Sie der Reiz, mit surrealen Elementen in einem realen Setting zu agieren?
Die Katze in diesem Film zum Beispiel fungiert als Emotions-Katalysator, als visuelles Element, die Emotionen der Figuren noch einmal anders zu erleben. Ich bin kein strikter Realist, das machen andere viel besser. Die Katze ist wie die Seele des Films. Sie beschwert sich nicht wirklich, sondern sie will etwas Essenzielles und sagt es auch. Sie hat die große Hoffnung, dass sich einfach jemand um sie kümmert. Die drei Fragen, die ich mir dabei immer gestellt habe, waren zum einen: Funktioniert die Katze als Stimme des ungeborenen Kindes des Paares - obwohl das keinesfalls die vorrangige Interpretation sein soll. Und: Funktioniert die Katze als Stimme für die Liebe zwischen den beiden? Schließlich: Könnte eine echte streunende, kranke Katze wirklich so reden?
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