"Wir wollten einmal etwas Neues ausprobieren", sagen die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne anlässlich ihres neuen Films "The Kid With A Bike", in dem sie Einiges anders machen als sonst. Zum einen lassen sie die Geschichte des kleinen Cyril, der versucht, vollkommen auf sich allein gestellt, sich seinem entfremdeten Vater wieder anzunähern, im Sommer spielen. "Eine ungewohnte Jahreszeit für uns, aber wichtige Themen brauchen ja nicht immer Kälte", so Luc Dardenne. Wie auch bisher thematisieren sie soziale Problematiken in der aktuellen Gesellschaft, "nur diesmal eben im Sommer".
Ebenfalls neu ist, dass sie mit Cecile De France eine – im Arthaus-Kino – sehr bekannte Schauspielerin besetzt haben. "Wir hatten zwar Angst, dass eine berühmte Frau am Set uns Männer entzweien könnte, aber es hat gut geklappt", erinnert sich Jean-Pierre Dardenne.
Die Regie-Brüder im Gespräch mit der "Wiener Zeitung":
Wiener Zeitung: Sie behandeln in Ihren Filmen immer wieder delikate Themen, werden dabei aber nie zynisch – wie machen Sie das?
Wir halten nichts von Sentimentalität oder gar Krokodilstränen. Mit diesem Film zum Beispiel erzählen wir etwas, das vielleicht zu Tränen rühren mag, aber in den Tränen liegt noch etwas. Vielleicht eine Moral, vielleicht eine Anregung. Bei einer Geschichte über einen verlassenen kleinen Jungen, dessen sich eine liebevolle Frau annimmt, wäre es schwierig, keine Emotionen zu adressieren.
Ihre Schauspieler erzählen immer wieder, dass Sie als Regisseure niemals die Psychologie der Figuren erklären oder diskutieren. Warum ist das so?
Wir hätten auch in diesem Film zum Beispiel die weibliche Hauptfigur mit einer psychologischen Vorgeschichte ausstatten können, á la sie hatte eine schwere Kindheit oder hat selbst einmal ein Kind verloren und ist deswegen so geneigt dem Buben zu helfen. Aber das interessierte uns nicht. Wir wollten einfach zeigen, dass Samantha sich dazu entschließt, dem Jungen zu helfen, weil sie eine Verantwortung fühlt, als sie ihm begegnet und er sie um Hilfe bittet. Es ist wahr, dass wir nie über Absichten sprechen oder darüber, was im Kopf eine Figur vorgehen mag. Wir versuchen, das visuell erlebbar zu machen und auszudrücken, über die Art der Bewegungen der Figuren, ihre Beziehungen untereinander oder zu Objekten. Auch am Set besprechen wir keinerlei Motivation der Charaktere, weder untereinander noch mit den Schauspielern. Wir sagen nicht, dass dies die richtige Methode ist, aber für uns funktioniert sie gut.
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