• vom 28.10.2011, 21:11 Uhr

Viennale 2012

Update: 29.10.2011, 13:21 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Amir Naderi "Cut"-Interview

Rettet das Kino!


Von Matthias Greuling

"Cut" - viennale

"Cut" viennale

Der iranischstämmige Regisseur Amir Naderi lässt keinen Zweifel daran: Das Ende des Kinos ist nah! Weshalb er mit seinem leidenschaftlichen "Cut" beinahe schon eine Brandrede für dessen Fortbestand gedreht hat - nun zu sehen bei der Viennale.

Werbung

Mit "Vegas: Based on a True Story"(2008) hat der gebürtige Iraner Amir Naderi, der seit 25 Jahren in den USA lebt, seine Sicht auf dieses Land festgehalten; der Film erzählte die Geschichte eines von Gier getriebenen Paares, das Opfer einer "Real Life"-Wette wird und sich den amerikanischen Traum durch das Umgraben des eigenen Grundstücks zerstört. Dort soll ein Geldkoffer vergraben sein, doch am Ende bleibt Verwüstung. Ein glänzendes Kinostück über die USA und ihr profitorientiertes Gehabe, das international leider nie die Beachtung gefunden hat, die es verdient hätte.

Amir Naderi

Amir NaderiGreuling Amir NaderiGreuling

In "Cut", Naderis neuem Film, verbeugt sich der Regisseur vor dem japanischen Kino. Protagonist ist Shuji, ein junger Regisseur und Filmclubbetreiber (Hidetoshi Nishijima). Er ist ein Getriebener, der vor dem Ende des Kinos warnt, der gegen Multiplexe wettert und durch seinen unablässigen Einsatz für die Cinephilie sogar von der Polizei gejagt wird. "Das Kino ist nicht nur Unterhaltung", schreit er durchs Megafon, "erinnert euch an die Zeiten, als es Kunst und Unterhaltung war!" Dazwischen die Namen großer japanischer Regisseure wie Kenji Mizoguchi, Akira Kurosawa oder Nagisa Oshima; Immer wieder besucht Shuji deren Grabstätten, die Kamera zeigt den Grabdeckel von Yasujiro Ozu, auf dem "Nichts" eingraviert ist.

Weil eine Yakuza-Gang von Shuji fordert, die Schulden seines toten Bruders zu zahlen, beschließt er, sich gegen Geld verprügeln zu lassen; 100 Schläge, schafft er das? Shuji assoziiert jeden der 100 Schläge mit einem seiner 100 Lieblingsfilme; sein Blut und seine unstillbare Liebe zum Kino sind es, die ihn in dieser Phase am Leben halten. Naderis flammendes Pamphlet für das Kino hat er auch in unserem Gespräch fortgesetzt.

"Wiener Zeitung": Mit ihrem Film "Vegas" haben Sie ein verstörendes Bild der US-Gesellschaft gezeichnet, Welche Meinung haben Sie heute von Ihrer Wahlheimat?
AMIR NADERI: Ich habe versucht, mich in den USA einzuleben und mir dafür New York ausgesucht, weil es die multikulturellste Stadt ist. Trotzdem ist das nicht leicht, denn die USA sind ein sehr kompliziertes Land. Es wird einem dort als Ausländer sehr schwer gemacht, einen Job zu finden und Geld zu verdienen. Es ist eine sehr leistungsorientierte Gesellschaft, in der jeder die Nummer eins sein will. Nach fünf oder sechs Filmen musste ich in eine andere Stadt. Ich drehte "Vegas: Based on a True Story" und lebte deshalb auch insgesamt drei Jahre in Las Vegas. Das sollte jeder machen, einmal im Leben dort zu leben. Nicht wegen des Gambelns, sondern weil man dort sieht, wie sehr sich Leute über ihr eigenes Limit hinaus pushen. Niemand in Vegas fragt dich, wer du bist. Alle sind dort unbeschriebene Blätter, obwohl sie eine Vergangenheit haben. Das gibt dir ein Freiheitsgefühl. Vegas ist für mich ein eigenes Land innerhalb der USA, nicht bloß eine Stadt. "Vegas" ist ein Film über Amerika geworden. Und danach sagte ich mir: "Cut". Nun kommt Japan an die Reihe. Ich überlegte mir eine Geschichte über das Kino an sich, und um ehrlich zu sein, hätte ich diese Story auch in New York drehen können.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-10-28 21:14:21
Letzte Änderung am 2011-10-29 13:21:14



Werbung



Beliebte Inhalte



Anne Bennent als Dürrenmatts alte Dame. - Roswitha Hecke
  • Schauspielerin Anne Bennent über ihre Rolle in "Der Besuch der alten Dame".
  • weiter

Festgefroren in der "Nacht der Liebe": Peter Seiffert und Nina Stemme. - apa/Hans Klaus Techt Und dann der Schlussgesang. "Liebestod" nennt man heute, was Richard Wagner einst als "Isoldes Verklärung" bezeichnet hat...weiter

Im Jahr 2012 stand "A Chorus Line " beim "Theaterfestes NÖ 2012" in Stockerau auf dem Plan, doch nun sattelt die Stadt vom Musical auf das kostengünstigere Sprechtheater um. - APA/NATALIE BAUER
  • Zwischen Absicherung und Restrisiken: die Finanzsituation der Festivalmacher.
  • weiter

Ja, noch heute zählt die Workshop-Einlage zu den Fixelementen eines Bobby-McFerrin-Konzerts, und der Star macht - don’t worry, be happy! - zu wirklich jeder Talentprobe gute Miene. - APA/HERBERT NEUBAUER Da soll noch einer sagen, die hiesige Bevölkerung ginge ungern aus sich heraus. Mikrofonausgabe!, schon rauscht die Damenwelt in hellen Scharen zur...weiter

Sympathische Sportfreunde Stiller mit Tagebuchlyrik ihres Gitarristen Peter Brugger. - epa
  • Festivalabschluss mit Sportfreunde Stiller und Kings of Leon.
  • weiter

Die Brandrodung der Regenwälder (hier im Amazonasgebiet) trägt zum Treibhauseffekt bei. - Foto: dpa
  • Das Nützlichkeitsdenken verstellt den Blick auf die Realität.
  • weiter

Das griechische Fernsehen zeigte Bilder von Protestversammlungen der Journalisten und des Publikums und erklärte, die Regierung wolle ein Vorhängeschloss an der.Sendeanstalt anbringen. - (Screenshots)
  • Regierung: "Unglaubliche Verschwendung"
  • Angestellte beraten über Besetzung
  • weiter

  • Wolfgang Pollanz schreibt eine Autobiografie in Songs.
  • weiter

Die "Meistersinger", inszeniert als düstere Kasperliade. - Rittershaus Man dürfe Wagner einfach nicht zu ernst nehmen, erklärte David Alden vorab in einem Interview, und tatsächlich kaspert sich der rastlose Brite...weiter

Wild und gefährlich war einmal. Heute ist Heavy Metal in der Mitte angekommen. - epa
  • Die laute Musik ist kein Randphänomen mehr, aber auch kein Mainstream.
  • weiter




Terrence Malicks "To the Wonder" als elegisches, philosophisches Drama über die Liebe

Im Abendglanz der Liebe

Im Sonnenlicht der Liebe entgegen: Ben Affleck und Olga Kurylenko als Liebespaar in Malicks "To the Wonder". - Constantin Film Marina (Olga Kurylenko) und Neil (Ben Affleck), jung und frisch verliebt, steigen die Treppen zum Mont Saint-Michel in der Normandie empor... weiter




Die Originalität bleibt auf der Strecke

Wieder Troubles: die Kumpels aus "Hangover 3". - Warner Als der Vater von Alan (Zach Galifianakis), ausgelöst durch dessen Unsinnigkeiten, nach einem Schlaganfall stirbt... weiter




Filme

Neu im Kino

 - © Principal - Fotolia Mehr freudlos als wild gelebt (fan) In "Die wilde Zeit" blickt Olivier Assayas in einer autobiografisch gefärbten Rückschau auf die Nachwehen des... weiter




Ein frömmelnder Heuchler schleicht sich in das Vertrauen eines alten Patriarchen und versucht, sich alles anzueignen, was diesem teuer ist: Frau, Haus und Tochter. Abgespielt hatte sich das Ganze in der Wohnküche eines Landhauses, auf den Brettern des Akademietheaters. Im Bild: Gert Voss (r.) als "Orgon", Edith Clever (m.) als "Dorine" und Adina Vetter als "Marianne".

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

Es sollte die Suche nach dem Ursprung des Universums werden - oder zumindest etwas Ähnliches. Medienkünstler Peter Weibel lud zum Auftakt in den Klangraum Minoritenkirche, um sich einem "3D-Rausch-Konzert" hinzugeben. Ostern ist zwar schon vorbei, aber der Hase hat nach wie vor Saison. (Probenfoto)


Werbung