• vom 11.10.2010, 19:17 Uhr

Österreich

Update: 11.10.2010, 19:18 Uhr

"Starker Abfluss von Grünen zur SPÖ"




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Von Christoph Rella

  • Gemeinderatswahl: SPÖ legte auch zu.
  • Grüne verloren in Innenstadt-Bezirken.
  • Wien. Auf den ersten Blick sind die Grünen am Wahlsonntag in Wien mit einem blauen Auge davongekommen. Schaut man sich allerdings die Ergebnisse in deren Hochburgen in den Innenstadt-Bezirken genauer an, so kann von einem blauen Auge keine Rede sein.

Die bevorzugte Farbe der Wahlberechtigten im sogenannten "Grünen Kipferl" war zumindest auf Gemeinderatsebene - die Wahlen zur Bezirksvertretung gingen für die Grünen glimpflicher aus - nicht etwa Grün, sondern Rot. Nicht punkten konnte Grünen-Spitzenkandidatin Maria Vassilakou etwa im 7. Bezirk: Denn während Parteikollege und Bezirkschef Thomas Bliminger im Neubau das Rekordergebnis von 2005 (rund 43 Prozent) sogar noch leicht ausbauen konnte, stürzten die Grünen auf Gemeinderatsebene um 5,37 Prozentpunkte auf 29,3 Prozent ab. Überraschender Gewinner war dort neben der FPÖ vor allem die SPÖ: Sie konnte um rund 5 Prozent zulegen und liegt im 7. Bezirk unangefochten auf Platz eins.

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Start bei hohem Niveau

Enttäuschend fiel auch das Gemeinderatsergebnis der Grünen in den restlichen Innenstadt-Bezirken Alsergrund (minus 4,1 Prozent), Josefstadt (minus 4,7), Mariahilf (minus 4,3), Margareten (minus 3,8) und Wieden (minus 3,6) aus. Klarer Sieger war auch hier nicht allein die FPÖ, sondern die SPÖ, die in den genannten Bezirken um bis zu 4,5 Prozent zulegen konnte. In absoluten Verlustzahlen überholt wurden die Grünen lediglich von der ÖVP, die unter anderem in Mariahilf und in Wieden ein kräftiges Minus (mehr als 8 Prozent) einstecken musste.

Warum die Wiener Grünen bei der Gemeinderatswahl in ihren Hochburgen schlechter als sonst abgeschnitten haben, erklärt der Politikforscher Peter Hajek so: "Man darf nicht vergessen, dass die Grünen in den Innenstadt-Bezirken von einem wahnsinnig hohen Niveau aus in den Wahlkampf gestartet sind, das so nicht mehr zu halten war." Ebenfalls eine Rolle dürften die Querelen in den Bezirksparteien wie etwa in der Josefstadt gespielt haben: "Diese Verluste haben die Grünen dort selbst verursacht", doziert der Experte. Die Folge sei ein "starker Abfluss von den Grünen zu den Sozialdemokraten" gewesen. ÖVP und FPÖ hätten dabei eher eine untergeordnete Rolle gespielt", so Hajek.

Warum der frühere Platzhirsch ÖVP keine Stimmen von den Grünen zurückerobern konnte? Laut Hajek habe es ÖVP-Spitzenkandidatin Christine Marek aufgrund ihrer "rechten Positionierung als Law-and-Order-Partei" verabsäumt den Wählern in den Innenstadt-Bezirken ein attraktives Angebot zu machen. Dies sei ein großer Fehler gewesen. "Diese Wählergruppe ist ja eher links der Mitte orientiert und birgt daher nun für die Grünen und die SPÖ viel Potenzial", sagt Hajek. Und die FPÖ? "Die haben in den Randbezirken gewonnen. Die Innenstadt ist ihnen herzlich wurscht."



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Dokument erstellt am 2010-10-11 19:17:39
Letzte Änderung am 2010-10-11 19:18:00



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