Wien. (rös) Mehr als 560 Beiträge sind in der ersten Woche im Online-Portal des Bürgerbeteiligungsprojektes Wiener Charta auf charta.wien.gv.at eingegangen, erklärte die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger am Montag in Wien. Es gab via "like"-button auch 13.000 Unterstützungserklärungen - "was ja auch nicht nichts ist", betonte eine Sprecherin von Frauenberger.
Seit einer Woche können sich die Wiener an der Themensammlung beteiligen. Das ist der erste Schritt der Erstellung eines Regelwerks, in der Grundsätze des Zusammenlebens in der Stadt festgeschrieben werden sollen (die "Wiener Zeitung" hat berichtet). Zu den prominentesten "Charta-Partnern" gehören bereits IBM, die Erzdiözese Wien, die Raiffeisen Bank, der Wiener Stadtschulrat sowie auch die Wiener ÖVP.
Das Themenspektrum der Online-Beiträge ist breit gestreut. So meinte ein Teilnehmer: "Die häufig erlebte Unfreundlichkeit hier ist wie ein Schlag ins Gesicht." Und ein anderer schlug vor, beim Ein- und Aussteigen in die Öffis nicht "wie Wilde gegeneinander zu laufen und keinen Dreck auf den Boden zu werfen". Ein weiterer Teilnehmer wünscht sich "bei Diskriminierungen jeglicher Art mehr Zivilcourage". Wieder ein anderer meinte: "Behandeln Sie andere so, wie Sie selbst behandelt werden wollen."
Noch bis 1. April
Die gemeinsame Sprache Deutsch war ebenso Thema wie das Positive an der Sprachenvielfalt: "Meiner Meinung nach ist es beim Erlernen einer Fremdsprache sehr wichtig wie gut man die Muttersprache kennt." Oder: "Die Sprache ist die Grundlage für ein Miteinander." Weitere Themen sind das Einhalten der Nachtruhe, mehr Rücksicht auf Fußgänger, "Radfahrer, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten", Kritik am Essen in den Öffis, Respekt gegenüber älteren Menschen und zwischen den Generationen, wobei sich viele Älteren mehr Kontakt zu den Jungen wünschen.
Die Themen werden noch bis 1.April gesammelt. Ein Beirat wird diese dann in inhaltliche Blöcke unterteilen, die öffentlich diskutiert werden. Die fertige Wiener Charta soll dann im Herbst vorliegen.
Frauenberger ist sehr zufrieden mit der Wiener Charta – vor allem was die Beteiligung betrifft: "Dazu kommt noch, dass die Anliegen und Vorschläge erfreulicherweise sehr konstruktiv formuliert werden". Und das, obwohl man sich zuerst einloggen muss, bevor man seine Meinung kundtut, erklärte die Stadträtin der "Wiener Zeitung".
Dass das Thema Integration stark in den Charta-Prozess einfließen werde, sei vorhersehbar gewesen, meinte Frauenberger. Trotzdem dürfte es nicht vorrangig sein – rangiert doch derzeit das Thema Öffis an erster Stelle, gefolgt von Kinderlärm und Radfahren - und dann kommt erst Deutsch als gemeinsame Sprache.