Wien. (apa/bs) Mehr als 15 Stunden bei vier Sitzungen in rund zwei Wochen hat der Beirat benötigt, um aus 1848 Vorschlägen und Frustäußerungen der ersten Phase sieben Themenbereiche herauszufiltern, die - wie der sechsköpfige Beirat - am Freitag präsentiert wurden.
Verhalten, Haltung und Raum - zu diesen breit gefassten Schlagworten wurden jene drei Themenblöcke formuliert, die ab sofort im Rahmen der Wiener Charta möglichst intensiv diskutiert werden sollen. Der Komplex "Verhalten" umfasst dabei unter anderem Manieren in den Öffis oder Rücksicht zwischen Radlern und Autofahrern, aber auch alltägliche Umgangsformen.
Journalist Peter Pawlowsky, Mitglied des Beirats, hat dafür eine mögliche Lösungsformel parat: "Mehr lächeln, mehr einander in die Augen schauen." Unter dem Überbegriff "Haltung" sollen etwa das Sprachenthema oder Konflikte zwischen Einheimischen und Zuwanderern diskutiert werden.
"Raum" meint sowohl die Frage der Sauberkeit in der Stadt als auch die Nutzung öffentlichen Raums. Im Internet wurde hier vorrangig mehr Platz für Grün und Kinder gefordert und die Privatisierung zwecks Werbung und Konsumzwang kritisiert, so Pawlowsky.
Sechs Monate wird geredet
Bis Sonntag, 14. Oktober, können die rund 260 Partnerorganisationen, die ihre Mitarbeit bei der Erstellung des Leitfadens für ein gutes Zusammenleben zugesagt haben, Gruppengespräche zu diesen Themenbereichen organisieren.
Anmeldungen dafür sind ab sofort unter möglich. Anberaumt sind dafür jedenfalls eineinhalb bis zwei Stunden, die Teilnehmerzahl soll mit bis zu 20 Personen einigermaßen überschaubar bleiben. Die Stadt stellt gratis zwei Moderatoren pro Veranstaltung zur Verfügung.
Projektleiterin Ursula Struppe, die auch der MA17 (Integration und Diversität) vorsteht, sprach von der "spannendsten Phase" bei der Charta-Erstellung, die gegen Ende des Jahres vorliegen wird. Die Ergebnisse jedes Gesprächs werden online veröffentlicht.
Man verstehe sich als Schlichtungsstelle, wenn sich Diskussionsteilnehmer nicht in der schriftlichen Zusammenfassung beachtet fühlen, beschrieb Beiratsmitglied Peter Wesely vom Verein "Wirtschaft für Integration" die Aufgabe des möglichst repräsentativen Beirats. "Wir sind keine Zensurabteilung der Politik, sondern Anwälte der Bürger", ergänzte der Simmeringer Hausbesorger Herbert Sommer.