• vom 31.05.2012, 16:57 Uhr

Wiener Festwochen

Update: 06.05.2013, 15:29 Uhr
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Paulus Hochgatterer über sein Stück "Makulatur", das am 3. Juni uraufgeführt wird

Ein Hang zum Grotesken


Von Petra Rathmanner

  • Der Autor und Psychiater über die Untiefen des Menschen.

Paulus Hochgatterer schreibt über Keller, ohne auf die Fälle Fritzl und Kampusch anspielen zu wollen.

Paulus Hochgatterer schreibt über Keller, ohne auf die Fälle Fritzl und Kampusch anspielen zu wollen.© APA/HANS KLAUS TECHT Paulus Hochgatterer schreibt über Keller, ohne auf die Fälle Fritzl und Kampusch anspielen zu wollen.© APA/HANS KLAUS TECHT

"Wiener Zeitung": Ihr jüngstes Stück, das im Rahmen der Wiener Festwochen diesen Sonntag im Schauspielhaus uraufgeführt wird, trägt den Titel "Makulatur". Steckt dahinter ein selbstkritischer Kommentar des Autors?

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Paulus Hochgatterer: Bei dem Begriff der Makulatur handelt es sich um eine vielschichtige Metapher. Da gibt es etwa eine Verbindung zum medizinischen Terminus Makula, womit jene Stelle auf der Netzhaut bezeichnet wird, die für das schärfste Sehen verantwortlich ist. Da es im Stück selbst um Sehen und Gesehenwerden geht, lag der Titel also nahe. Dass daraus schließlich "Makulatur" wurde, geht eigentlich auf eine Idee von Schauspielhaus-Direktor Andreas Beck zurück, die ich, nach anfänglicher Skepsis, inzwischen überaus treffend finde.

Sie zählen zu Österreichs bekanntesten Romanciers. Schreibt man als Prosaist anders fürs Theater?

Nach "Casanova oder Giacomo brennt" und zwei kleineren Bühnentexten war dies mein zweites abendfüllendes Stück. Die vorhergegangenen szenischen Projekte waren für mich als Theaterneuling wichtig, was etwa die Auseinandersetzung mit dem Medium Bühne, den Darstellern und Regisseuren betrifft. Dabei bestätigte mir jede dieser Arbeiten aufs Neue, welche Faszination davon ausgehen kann, fürs Theater zu schreiben. Bei "Makulatur" war es indes nicht ganz einfach, weil sich das Stück inhaltlich um die Fragmentierung des Ichs dreht - daher war es notwendig, auch auf formaler Ebene Überflüssiges wegzulassen. Das Stück umkreist die Frage, aus welchen Versatzstücken sich jenes Phänomen zusammensetzt, das wir gewohnheitsmäßig Identität nennen.

Bei "Makulatur" fällt, verglichen mit Ihren Romanen, der experimentelle Umgang mit Sprache auf.

Mag sein. Man ist experimentierfreudiger, entwickelt eine gewisse Lust am Spiel. Die Möglichkeit, Betrachtern etwas zuzumuten, ist beim Theater sicher unmittelbarer als bei der Prosa.

Bei der Wahl Ihrer Figuren bleiben Sie sich jedoch treu, in Ihren Texten kommen häufig Außenseiter zu Wort, Personen, die in ihrem Verhalten nicht der Norm entsprechen.

Ein gewisser Hang zur Groteske, zum Bizarren gehört wohl zu mir.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-31 15:14:11
Letzte Änderung am 2013-05-06 15:29:45


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