
Können Schauspieler aus drei Ländern mit verschiedenen Theatertraditionen eine Ensembleleistung bieten, als hätten sie seit jeher zusammen gespielt? Noch dazu in ihren Muttersprachen? Die Frage erübrigt sich angesichts Sebastian Nüblings mitreißender, nun bei den Wiener Festwochen gastierender Inszenierung der hintersinnigen Krimi-Farce "Three Kingdoms" von Simon Stephens.
In einem von kahlen Betonwänden umschlossenen Guckkasten (Bühne und Kostüme: Ene-Liis Semper) stimmt ein Sänger im weißen Anzug (Risto Kübar) "La Paloma" an und verweist damit unterschwellig auf das Thema des Abends: auf die Suche nach dem geheimnisvollen, "White Bird" genannten Boss einer Mädchenhändler-Organisation.
Sprachwirrwarr
Es beginnt als schwarzhumoriger Comedy-Thriller: Der biedere, ans Gute im Menschen glaubende Inspektor Ignatius Stone (Nick Tennant) und sein Kollege Charlie Lee verhören einen jungen Mann, der eine Sporttasche in der Themse versenkt hat und nichts von ihrem Inhalt - dem abgesägten Kopf einer russischen Prostituierten - gewusst haben will. Der Fall weitet sich aus, die Spur nach dem Mörder führt zunächst nach Deutschland, wo man vom international renommierten Kriminologen Steffen Dresner (Steven Scharf) Hilfe erhofft. Doch dieser spricht kein Englisch und Ignatius ergeht es mit dem Deutschen nicht anders. Daher muss Charlie seine geringen Deutschkenntnisse reaktivieren und tut dies in der Art, dass er etwa einen langen Sermon Dresners auf ein lakonisches "Fuck" verkürzt.
Das - vom Publikum mit Hilfe von Übertiteln nachvollziehbare - Sprachwirrwarr wird sich im dritten, in Tallinn spielenden, als absurde Revue inszenierten Bild noch steigern, wobei die Geschichte eine seltsame Wendung nimmt. Die Darsteller, auch die Mädchen aus dem Rotlicht-Milieu in ihren Glitzerkostümen, erscheinen dann und wann in Wolfsmasken, Identitäten oszillieren, einerseits outet sich ein Verdächtiger als Undercover-Agent, andererseits scheinen die offiziellen Ordnungshüter mafios unterwandert.
Sebastian Nübling bringt die bitterböse Farce vom organisierten Verbrechen im Globalisierungszeitalter mit beeindruckender, wirkungssicherer Leichtigkeit auf die Bühne. Er belässt seinen Akteuren ihren persönlichen Stil und fügt trotzdem alle drei Stile zu einem selbstverständlichen Ganzen: Die sportgestählten Esten beeindrucken durch virtuose, die Schwerkraft scheinbar außer Kraft setzende Körpersprache und Musikalität, Steven Scharf tritt zunächst als der gewissenhafte Deutsche auf, Nick Tennant erheitert anfangs durch drastische Slapstick-Komik, die schließlich in Ratlosigkeit und Verzweiflung übergeht.
Eine anspruchsvolle, bis ins Detail geglückte Inszenierung, ein lange nachwirkendes Theatererlebnis.
Theater
Three Kingdoms
Von Simon Stephens
Regie: Sebastian Nübling
Festwochen/Theater a. d. Wien
Wh.: 14., 15. Juni
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