• vom 27.12.2012, 09:00 Uhr

Wunder

Update: 26.03.2013, 15:02 Uhr

Religion

Den Wundern auf der Spur




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Von Christa Hager

  • Wunder haben viele Gesichter
  • Wunder als Gottesbeweis, als Vorzeichen, als Unterhaltung oder als wissenschaftliche Herausforderung

Sternspritzer, auch Wunderkerze genannt. - © by-studio - Fotolia.com

Sternspritzer, auch Wunderkerze genannt. © by-studio - Fotolia.com

Ein Wunder? Donato Creti zeigt gegen 1749 eine idyllische Himmelsbeobachtung.

Ein Wunder? Donato Creti zeigt gegen 1749 eine idyllische Himmelsbeobachtung.© Corbis Ein Wunder? Donato Creti zeigt gegen 1749 eine idyllische Himmelsbeobachtung.© Corbis

Und es gibt sie doch, die Wunder. Wunderkinder zum Beispiel sind ebenso real wie die Wunderkammern mit ihren Elfenbeinschälchen und vergoldeten Rhinozeroshörnern. Oder wie die Wunderblume, die in der Nacht blüht, und der Fisch, der in der Nacht leuchtet, Wunderlampe genannt. Egal ob Objekt oder Subjekt, all diesen Wundern ist gemein, dass sie bis heute das Gewohnte, das Übliche so weit übertreffen, dass sie Bewunderung auslösen und die Menschen in Staunen versetzen können.

Wunder sprengen aber auch Grenzen und nutzen ihr explosives Potenzial, um all das zu bezeichnen, was in unserer Welt aus dem Rahmen fällt: von der unerklärlichen Heilung, dem unglaublichen Naturschauspiel und dem wundersam Fremden über die unverhoffte technische Innovation, die künstlerische Idee bis hin zum bloßen Zufall. Wunder gibt es in allen gesellschaftlichen Bereichen und Zeiten, sie prägten christliche Religion ebenso wie antike Naturphilosophie. Und die Menschen in Staunen versetzen, das schaffen die Wunder heute ebenso wie in der Antike oder im Mittelalter.

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Schon Herodot, der Geschichtsschreiber der Antike, dokumentierte wundersame und wunderbare Erscheinungen. Von ihm ist die älteste Liste der sieben Weltwunder, der imposantesten und prunkvollsten Bauten der Antike, überliefert. Seither finden sich Wunder aller Art in Literatur und Chroniken, Enzyklopädien wieder – ihre Dokumentation zählte zur Kerntradition des mittelalterlichen Nachdenkens über Wunder. Als besonderes Beispiel wäre hierbei die Hereford- Weltkarte zu nennen: Auf etwas mehr als einem Meter zwanzig Breite beschreibt das größte erhaltene Exemplar der mittelalterlichen Weltkarten wie bereits zuvor die Paradoxografen der Antike, die Listen über wunderbare Tatsachen führten, die topographischen Wunder als Randbezirke der Welt. Wie der geflügelte Salamander, die anthropomorphe Alraune, der kopflose Nomade, der einbeinige Fabelwesen oder die zwittrigen Androgynen zeigen,wimmelte es demnach in Afrika nur so von wunderbaren Pflanzen, Tieren und wundersamen Menschenwesen.

Das Lächeln

Doch die Menschen des Mittelalters mussten nicht in die Ferne schweifen, um wundersame Erscheinungen zu sehen. Glaubt man Jacques de Vitry, dem Bischof von Acre, staunten damals die Menschen Europas nicht schlecht über die Mitternachtssonne über Island, den feuerspeienden Ätna auf Sizilien, über Männer mit Tierschweifen in Britannien und Frauen mit riesigen Kröpfen in den burgundischen Alpen. Ungewöhnlicher und vor allem furchterregender waren da schon die blauen Wunder, die als Prodigien die Menschen des Mittelalters beschäftigten. In Zeiten der Pest oder des Krieges zum Beispiel galten Wunderlichkeiten wie eine zweiköpfige Katze oder eine Sternschnuppe als schlechtes Vorzeichen, während diese Erscheinungen ein andermal wohl höchstens schwaches Interesse hervorriefen.

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Dokument erstellt am 2012-12-17 17:16:41
Letzte ─nderung am 2013-03-26 15:02:39



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