• vom 21.12.2012, 08:00 Uhr

Wunder

Update: 26.03.2013, 12:10 Uhr

Natur

Zwischen Sternen lodern Feuer




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Von Christian Pinter

  • Polarlichter am Nordhimmel

Manche Teilchen des Sonnenwinds dringen in die Erdmagnetosphäre ein und schießen dann, in der Plasmaschicht beschleunigt, zurück zu unserem Planeten. (Zum Vergrößern bitte anklicken.)

Manche Teilchen des Sonnenwinds dringen in die Erdmagnetosphäre ein und schießen dann, in der Plasmaschicht beschleunigt, zurück zu unserem Planeten. (Zum Vergrößern bitte anklicken.)© Quelle: Nasa Manche Teilchen des Sonnenwinds dringen in die Erdmagnetosphäre ein und schießen dann, in der Plasmaschicht beschleunigt, zurück zu unserem Planeten. (Zum Vergrößern bitte anklicken.)© Quelle: Nasa

In der Erzählung "Bergkristall" schildert Adalbert Stifter 1845 das Schicksal  zweier Kinder, die sich in der Heiligen Nacht im Gebirge verirrt haben. Über ihnen erscheint ein zunehmend heller werdender Bogen aus Licht am Sternenzelt: "Auch in andere Gegenden des Himmels sandte er einen Schein, der schimmergrün sachte und lebendig unter die Sterne floss. Dann standen Garben verschiedenen Lichtes auf der Höhe des Bogens wie Zacken einer Krone und brannten."

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Der Österreicher erzählt hier zweifellos von einem Polarlicht – und zwar in jener Gestalt, in der es Bewohnern nördlicher Gefilde vertraut ist. In unseren Breiten zeigt sich das Licht sehr selten und in etwas anderem Gewand. Hier dominiert Rot, nicht Grün. Das belegt auch jene Schilderung, die Maximilian Hell 1777 ans "Wienerische Diarium" schickte; so hieß die "Wiener Zeitung" damals. Der Gründungsdirektor der ersten Wiener Universitätssternwarte schrieb: "Abends gegen halb sieben Uhr bemerkten wir eine neue Röthe am Himmel in der Gegend zwischen Niedergang und Norden; es erschienen einige rötliche, dunkle, vom Horizont bis an den Schweif des Großen Bären hinaufreichende bewegliche Streife, die bald heller, bald dunkler wurden."

Schon Galileo Galilei machte sich Gedanken über dieses Phänomen. Er hielt es 1619 bloß für die Spiegelung von Sonnenstrahlen an hohen Dünsten - und sprach von der "Aurora borealis", der "Morgenröte des Nordens". Im 18. Jahrhundert erzählten Seefahrer wie Antonio de Ulloa oder James Cook von einem ähnlichen Schauspiel auf der Südhemisphäre: In Anlehnung an Galilei taufte man es "Aurora australis". Anders als wir Mitteleuropäer wachsen die Kinder Nordskandinaviens im Schein des Nordlichts auf. Das Schauspiel beginnt dort abends gern mit einem grünlichen Lichtbogen, der sich einer Bücke gleich von Ost nach West übers Firmament spannt. Er teilt sich in zwei oder drei Bänder. Die driften langsam auseinander und formen himmlische Spiralen, die nach den Berggipfeln zu greifen scheinen.

Nordlicht

Nordlicht© Corbis Nordlicht© Corbis

Die Lichtbänder zerfallen in Heerscharen von feinen, senkrechten Strahlen. Als wollten sie einen Staffellauf proben, leuchten Strahlengarben an manchen Stellen auf, um ihren Glanz beim folgenden Verblassen an ihre Nachbarn weiterzureichen. Es mutet an, als wehte ein Vorhang aus Licht in einem sanften, lautlosen Wind. Die Aurora mag sich nun im Eis widerspiegeln und die schneebedeckte Landschaft in ein unwirkliches Grün tauchen. Sie bewegt sich recht flott, aber nicht so hektisch, wie es die Zeitrafferaufnahmen im TV glauben machen. Die Nordlichtstrahlen schimmern unten grün und sind scharf umrissen; weiter oben wechseln sie in ein verwaschenes Rot. Schweben sie über den Betrachter hinweg, entfaltet sich ein wahrer Fächer aus Licht über ihm. Dieser kann sich zu einem in alle Himmelsrichtungen ausgreifenden Strahlenkranz öffnen. Darin wabern glänzende Flecke. Diese "Nordlichtkrone" ist der Höhepunkt des Lichtertanze.

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Dokument erstellt am 2012-12-17 18:19:19
Letzte ńnderung am 2013-03-26 12:10:40



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