• vom 09.03.2016, 16:03 Uhr

Zika-Virus

Update: 24.03.2016, 21:06 Uhr

Zika-Virus

WHO warnt vor schweren Missbildungen




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (12)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Gerald Jatzek (WZ Online)

  • Die WHO verschärft ihre Reisewarnung. - Gefahr für die Olympischen Spiele.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt aufgrund der Ausbreitung des Zika-Virus Alarm. Das Virus verbreitet sich sowohl durch Mückenstiche wie durch sexuelle Kontakte und verursacht höchstwahrscheinlich schwere Missbildungen bei Ungeborenen. Mehr als eine Million Menschen in Brasilien sind infiziert. Eine weitere Ausbreitung könnte sogar die Olympischen Spiele im August gefährden.

Der Krieg gegen die Mücken lässt sich mit herkömmlichen Mitteln nicht gewinnen.

Der Krieg gegen die Mücken lässt sich mit herkömmlichen Mitteln nicht gewinnen.© Ministério da Defesa Der Krieg gegen die Mücken lässt sich mit herkömmlichen Mitteln nicht gewinnen.© Ministério da Defesa

Fünf Wochen nach Ausrufung des globalen Gesundheitsnotstands stellt WHO-Direktorin Margaret Chan eine weitere Verbreitung des Virus fest, als man ursprünglich angenommen hat. Lokale Ansteckungen wurden aus 31 Ländern in Lateinamerika und der Karibik gemeldet. Insgesamt wurde das Virus bei Patienten in mehr als 50 Ländern nachgewiesen.
Bei den meisten Menschen geht die Infektion kaum bemerkt vorüber. Etwa ein Fünftel zeigt klare Symptome wie Hausausschläge, Fieber, Augenentzündungen, Gelenk- und Muskelschmerzen, die etwa eine Woche anhalten. Möglicherweise kann sich später das Guillain-Barré-Syndrom, eine Nervenentzündung, entwickeln. Wesentlich gefährlicher ist allerdings eine Infektion während der Schwangerschaft. Parallele Forschungen in mehreren Laboren machen die Zika-Infektion für Missbildungen von Embryos verantwortlich.
"Es hängt viel von Zeitpunkt ab, wann das Virus das Gehirn angreift", stellte der in Rio de Janeiro tätige Mikrobiologe Stevens Rehen fest. Eine Infektion zwischen dem ersten und dritten Monat kann nach seinen Untersuchungen das Wachstum des Gehirns um 40 Prozent verringern. In den ersten Wochen einer Schwangerschaft kann eine fast vollständige Zerstörung des Gehirns die Folge sein. Weitere Folgen sind Schädelfehlbildungen sowie Blindheit und Taubheit.
In Brasilien wurden seit Oktober nach Zikainfektionen 641 Fälle von Mikrozephalie festgestellt, - eine geistigen Behinderung, die von einer verkleinerten Kopfform begleitet wird. Dazu kommen 4.222 Verdachtsfälle. Die WHO rät deshalb Schwangeren dringend von Reisen in die befallenen Gebiet ab und warnt vor Geschlechtsverkehr mit Personen, die in diesen Regionen leben.
Olympische Spiele in Gefahr
Für Brasilien ist das auch eine wirtschaftliche Katastrophe. Der Kartenverkauf für die Olympischen Spiele im August schleppt sich dahin.
Erste Stimmen, beispielsweise das US-Wirtschaftsmagazin Forbes, sprechen sich bereits für eine Absage des weltweit größten Sportereignisses aus. Das US-amerikanische Olympische Komitee hat bereits Verständnis für Sportler gezeigt, die den Weg nach Rio aus Angst vor einer Infektion scheuen.
 Krieg mit biologischen Waffen
An der Entwicklung eines Impfstoffes wird zwar mit Hochdruck gearbeitet, doch ist ein Erfolg zur Zeit nicht absehbar. In Brasilien wurde zwar ein Krieg gegen die Moskitos ausgerufen. Hundertausende Armeeangehörige und öffentliche Bedienstete sind unterwegs und suchen Tümpel und Wasserlacken, in denen sich die Mücken fortpflanzen. Wo die Gewässer nicht beseitigt werden können, kommen Pestiziden zum Einsatz.
Allerdings ist die Bekämpfung der Mücken mit chemischen Waffen nur bedingt erfolgreich. Das hat nicht zuletzt die Dengue-Epidemie 2014/2015 gezeigt, bei der 840 Menschen starben. Dengue wird wie Zika und Gelbfieber von der Ägyptischen Tigermücke (aedes aegypti) übertragen.
Erst in jüngster Zeit wurden genetisch modifizierte männliche Mücken eingesetzt, deren Nachkommen noch vor der Verpuppung sterben.
(Quellen: WHO, Forschungseinrichtungen, dpa)




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-03-08 21:01:43
Letzte ─nderung am 2016-03-24 21:06:54



Medizin

Zika-Virus ein möglicher Wirkstoff gegen Krebs

Patienten mit Gehirntumoren könnte Zika helfen. - © Fotolia/Kateryna_Kon St. Louis/Wien. Das Zika-Virus ist dafür bekannt, dass es im Gehirn von Ungeborenen verheerende Schäden hervorruft... weiter




Virologie

Zika könnte gefährlicher werden

New York/Wien. Für Lebewesen, die bereits mit einem Erreger aus der Gruppe der Flaviviren infiziert waren, könnte das Zika-Virus gefährlicher sein als... weiter




Gesundheit

Zika kennt noch mehr Wege in Embryonen-Gehirne

Wien.(est) Zika kennt offenbar mehr als nur einen Weg in die Gehirne von Embryonen im Mutterleib, berichten US-Forscher... weiter




Medizin

Mehr Einblick in Zika-Effekte

Chicago/Wien. (gral) Gleich drei neue Studien über die Auswirkungen des Zika-Ausbruchs in Brasilien geben einen näheren Einblick in die Wirkungsweise... weiter




Infektionen

Neuer Antikörper neutralisiert Zika-Virus

Nashville/Wien. (gral) US-Forscher haben einen menschlichen monoklonalen Antikörper isoliert, der im Mausmodell eine Zika-Infektion "merkbar... weiter




Virus

Tränen voller Zika

St. Louis/Wien. Die Übertragungswege des Zika-Virus sind nach wie vor nicht vollständig geklärt. Dennoch scheint sich das mysteriöse Puzzle nach und... weiter




Zika

Ein Drittel aller Länder gefährdet

Mückenschwärme lassen sich nur durch Kleidung oder Anti-Mücken-Sprays abhalten. - © Getty Images/Galan Paris/Miami/Wien. (gral) Gerade für Schwangere, aber auch Frauen mit Kinderwunsch scheint eine harte Zeit hereinzubrechen... weiter




Impfstoffforschung

Zika-Forschung mit Präzision

©Foto Andi Bruckner - © Valneva Wien. Nur durch eine Schleuse mit Zugangsberechtigung und mit entsprechender Schutzbekleidung darf jener Raum im dritten Stock der österreichischen... weiter




Mückenschutz im Test

Chemischer Mückenschutz wirkt am besten

Insektensprays werden auch als Schutz vor einer Ansteckung mit Zika empfohlen. - © fotolia/Calado Wien. Welches Mittel wirkt am besten gegen hungrige, aggressive Stechmücken? Dieser Frage geht die Biologin Ulla Obermayr nach... weiter




Gesundheit

Impfstoff macht Affen immun gegen Zika

Boston/Wien. (gral) Auf der Suche nach einem Impfstoff gegen das Zika-Virus sind Forscher einen wichtigen Schritt weiter gekommen... weiter




Zika-Virus

Olympische Tigermücken

"Xö, Zika", oder "Raus, Zika", ist seit dem Karneval auf Plakaten in Rio zu lesen. - © afp/chiba Je feuchter der Sommer, desto üppiger ist die Gelsenplage - heuer haben Stechmücken Hochsaison. Die Stiche sind lästig... weiter




Zika-Virus

Forscher befürchten fast 100 Millionen Zika-Infizierte

Rio de Janeiro/Paris. 93,4 Millionen Menschen könnten sich bis zum Ende des aktuellen Ausbruchs mit dem Zika-Virus infizieren... weiter




Epidemie

Zika-Höhepunkt überschritten

London/Wien. In drei Wochen werden in Rio de Janeiro die Olympischen Sommerspiele 2016 eröffnet. Einige Sportler erregen dort aber wohl nicht wegen... weiter





Werbung



Twitter Wall



Werbung


Werbung