• vom 01.04.2016, 17:23 Uhr

Zika-Virus

Update: 01.04.2016, 17:41 Uhr

Zika-Virus

Was das Zika-Virus für Ungeborene gefährlich macht




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  • Forscher entschlüsseln Feinstruktur des Erregers - er durchbricht die Sperre des Mutterkuchens und infiziert den Fötus.

Die Struktur des Zika-Virus in Hochauflösung.

Die Struktur des Zika-Virus in Hochauflösung.© Kuhn/Rossmann/Purdue University Die Struktur des Zika-Virus in Hochauflösung.© Kuhn/Rossmann/Purdue University

Rio de Janeiro. (dpa/est) US-Forscher haben entschlüsselt, was das Zika-Virus für Ungeborene im Mutterleib gefährlich macht. "Die Sperren im Körper - wie die Blut-Hirn-Schranke und der Mutterkuchen - hindern die meisten Viren daran, ins Nervensystem oder in den sich entwickelnden Fötus vorzudringen", erklärt die US-Forscherin Devika Sirohi von der Purdue University in West Lafayette. Viren schaffen es normalerweise nicht in jeden Bereich des Körpers. Doch dem Zika-Virus scheint genau dies zu gelingen: Es durchbricht den Mutterkuchen (Plazenta) und infiziert den Fötus, berichten Sirohi und ihr Kollege Richard Kuhn, ebenfalls von der Purdue University, im Fachblatt "Science".

Zika-Viren stehen im Verdacht, über Infektionen von Schwangeren bei Ungeborenen die Schädelfehlbildung Mikrozephalie auszulösen. Dabei werden Babys mit zu kleinen Köpfen und oftmals geistigen Behinderungen geboren. Derzeit ist noch nicht bekannt, wie die Infektion genau verläuft. Was die Forscher aber sagen können, ist, dass das Zika-Virus in seiner Struktur dem Erreger von Dengue-Fieber ähnlich ist - bis auf einige strukturelle Unterschiede auf der Virenhülle. Und genau die scheinen ihm die Fähigkeit zu verleihen, in die Planzenta einzudringen.


Die Basis der Ergebnisse sind Analysen der Virenhülle in nahezu atomgroßen Strukturen. Im Blickfeld der Forscher steht ein spezifisches, zuckerhaltiges Protein (Glykoprotein) auf der Viren-Oberfläche, das eine leichte Strukturänderung aufwies. Sichtbar wurde dies mit einer Methode namens Kryo-Elektronenmikroskopie: Dabei wird das Virus schockgefroren, sodass die Struktur perfekt erhalten bleibt.

Zweckdienlich war außerdem Kuhns Erfahrung mit Flaviviren, zu denen auch der Zika-Erreger zählt. 2002 und 2003 hatte Kuhn auch die Strukturen des Dengue-Virus und des West-Nil-Virus aufgedeckt. Schon bei einigen Flaviviren war bekannt, dass sie das Gehirn angreifen: So können das Japanische Enzephalitis-Virus und das FSME-Virus Hirnentzündungen auslösen.

Zika-Übertragungen sind beim derzeitigen Ausbruch aus mehr als 30 Ländern bekannt. Brasilien und Französisch-Polynesien haben laut Weltgesundheitsorganisation WHO vermehrt Fälle der Mikrozephalie bei Babys registriert. "Die Bestimmung der Struktur bedeutet einen Fortschritt in unserem Verständnis von Zika", sagte Kuhn. Seiner Auffassung nach könnten die Erkenntnisse auch bei der Suche nach Impfstoffen gegen das Virus helfen.




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Dokument erstellt am 2016-04-01 17:26:06
Letzte nderung am 2016-04-01 17:41:08



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