Dossier
Salzburger Festspiele

Weltbekannte Künstler inszenieren Opern, junge Künstler besuchen die renommierte Sommerakademie, Galerien verlegen ihre großen Sommerausstellungen an den Festspielstandort: Die Musik-, Theater- und Kunstszene findet sich bis 30. August in Salzburg ein. Und zum Auftakt hat wie immer Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" auf dem Domplatz Premiere. Und fast alles ist neu: Regisseur Michael Sturminger, nach der kurzfristigen Trennung vom Regieduo Brian Mertes und Julian Crouch eingesprungen, hat einen zeitgenössischen "Jedermann" inszeniert. An Tobias Moretti und seiner "Buhlschaft" Stefanie Reinsperger lag es, diesen Anspruch umzusetzen. Siehe dazu die Kritik: Abend der frömmelnden Gaukler
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Salzburger Festspiele

Ideale Aida: Anna Netrebko.

Opernkritik

Statische Klangpracht13

  • Anna Netrebko begeistert mit ihrem Aida-Debüt, Riccardo Muti protzt mit Klang, Shirin Neshat kapituliert als Regisseurin.

Technische Grenzen scheint sie nicht zu kennen. Ihr dunkler werdender Sopran ist in der Dramatik beeindruckend strahlend und solitär; in den lyrischen Passagen reduziert sie ihn zu berührenden, schillernden Pianissimi. Und auch im Wechsel zwischen der expressiven Durchschlagskraft und der poetischen Reduktion auf den Hauch eines Tones ist jede... weiter




- © Marco Borggreve/harmonia mundi

Salzburger Festspiele

Ein wild polternder Träumer6

  • Bariton Matthias Goerne über das Kulturgut Lied, Kunst als gesellschaftliche Notwendigkeit und den Salzburger "Wozzeck".

Salzburg. Vor 20 Jahren, im Sommer 1997, hat Matthias Goerne sein Operndebüt bei den Salzburger Festspielen gegeben - als Papageno in der "Zauberflöte". Auch damals hatte er sich bereits in seiner ersten und ureigensten Disziplin - dem Liedgesang - einen Namen gemacht, den Grundstein gelegt für seinen Platz an der Spitze der führenden... weiter




Gewalt als letzte Lebendigkeit: Nina Stemme als solitäre Katerina, Dmitry Ulyanov als autoritärer Boris. - © Salzburger Festspiele /Thomas Aurin

Oper

Im Hinterhof der Menschlichkeit5

  • Mariss Jansons gibt mit Schostakowitsch sein umjubeltes Salzburg-Debüt. Andreas Kriegenburg inszeniert stimmig konventionell.

Im grauen Hinterhof der Trostlosigkeit regiert der Trieb. An Würde oder Perspektive ist den Menschen hier alles genommen. Was ihnen geblieben ist, sind die Mechanismen der Unterdrückung, die Gesetze der Gewalt und der animalischen Instinkte. Die Strukturen in diesem trist-lüsternen Soziotop sind so marode wie die bröckelnde schale Beton-Fassade... weiter




Konzertkritik

Chopin in der Seele

  • Pianist Grigory Sokolov begeisterte in Salzburg.

Es gibt Tage, da hat man Chopin in der Seele und in den Händen. Es steht aber Mozart auf dem Programm. So ein Tag schien der Dienstag für Grigory Sokolov zu sein. Wobei das vielleicht für viele Tage im Leben des introvertierten russischen Pianisten gilt. Doch es war bei seinem Konzert im Großen Festspielhaus ein weiter Weg... weiter




Konzert

Romantische Musikbilder, krude Phantasmen

Was für ein sanftes Pandämonium, wenn die "drei Schattengestalten" zum Wagen hereinhuschen, der da "rollet langsam durch lustiges Waldesgrün". Erst im unendlich langen Klavier-Nachspiel bekommt man das gespenstische Grimassenschneiden dieser ungebetenen Gäste so recht mit. Heinrich Heine hat sich die bizarre Szenerie ausgedacht... weiter




"Ich wullte’s ni": Lina Beckmann kontra Gregor Bloéb. - © apa/B. Gindl

Theaterkritik

Unschuldig schuldig

  • Lina Beckmann kämpft als "Rose Bernd" auf der Halleiner Perner-Insel um ihr Lebenglück.

Eine Frau schält sich aus dunklem Bühnenhintergrund. Ihr Gesicht gleicht einem kalkweiß grundierten Gemälde, auf dem Strass funkelt und das bunte Linien zieren. Auf dem Kopf hat sie ein Blumenhaargesteck mit Silber-Lametta, sie trägt eine knallbunte Tracht, ein wenig erinnert ihr Aufzug an Frida Kahlo... weiter




Duo infernale: Roland Koch und Oliver Stokowski. - © apa/B. Gindl

Theaterkritik

Ein Mensch verschwindet5

  • Andrea Breth eröffnet mit einer unnahbaren Harold-Pinter-Inszenierung das Schauspiel-Programm der Salzburger Festspiele.

Am Anfang sind Cornflakes. Am Ende löffelt Petey wieder Flocken, stiert in die Zeitung, tauscht Alltagsfloskeln mit seiner Frau Meg aus, als wäre nichts geschehen. Dabei ist gerade ein Mensch verschwunden. Petey und Meg am Frühstückstisch: Es ist einer der beklemmenden Momente in Andrea Breths Inszenierung von Harold Pinters "Die Geburtstagsfeier":... weiter




Konzertkritik

Die zwei Gesichter der Letzten Dinge2

Den Reigen der musikalischen Abschiede, der letzten Werke und tönenden Vermächtnisse bei den diesjährigen Salzburger Festspielen setzte sich auch im ersten Konzert der Wiener Philharmoniker fort. Als seelenvoll wissender Abschiednehmer erwies sich am Wochenende Bernard Haitink, der Gustav Mahlers letzte, die 9... weiter




Tragen Mozarts "Tito": der berührende Chor von MusicAeterna und Golda Schultz als wunderbare Vitellia.

Salzburger Festspiele

Radikal gegenwärtig14

  • Tiefgründiger, heutiger und berührender kann Oper kaum sein als die "Clemenza" bei den Salzburger Festspielen.

Die Bühne füllt ein Meer aus Blumen, Grab- und Teelichtern, zwischen ihnen sind aus Teddybären und Fotorahmen kleine Altäre gebaut. Es hat einen Anschlag gegeben. Menschen mit gesenkten Köpfen stehen um das Mahnmal, spenden einander in ihrer Trauer Trost. Sie beginnen zu singen: "Kyrie eleison", bitten sie, "Herr, erbarme dich"... weiter




"Orfeo" in der Felsenreitschule: Gardiner dirigiert und inszeniert mit einfachen Mitteln und größtmöglicher Wirkung. - © Sbg. Festsp./Silvia Lelli

Opernpremiere

Die klingende Essenz eines Lebenswerkes2

  • John Eliot Gardiner gratuliert Claudio Monteverdi bei den Salzburger Festspielen mit einem Opernzyklus zum 450-Jahr-Jubiläum.

Das Jahr 1607 markiert zwar nicht die Geburtsstunde der Oper, zumindest aber den Zeitpunkt, an dem die gerade erst geborene Gattung mit ihrem ersten Meisterwerk ein kräftiges Lebenszeichen von sich gab. Die musikalischen und dramatischen Möglichkeiten, die sich mit Monteverdis "L’Orfeo" auftaten... weiter




Festspielredner Ferdinand von Schirach warnte vor Schwarmintelligenz als politischer Methode: Sie sei "am Ende nur ein weiterer Modebegriff für die ganze hässliche Macht des Stärkeren". - © apa/Neumayr/mmv

Salzburger Festspiele

Das Recht als Schutz vor Macht3

  • Der Festspielredner Ferdinand von Schirach warnte bei der Eröffnung vor der "Schwarm-Bosheit".

Salzburg. Die Phänomenologien der Macht, ihre vielen Gesichter, ihre verzweigten, dubiosen Kanäle und heimtückischen Fratzen sowie das Nachdenken über eben diese Mechanismen zieht sich als programmatischer Faden durch die diesjährige Ausgabe der Salzburger Festspiele. Das künstlerische Leitmotiv von Markus Hinterhäusers erster Saison prägte auch... weiter




Bundespräsident Alexander van der Bellen bei seiner Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele. - © APAweb/NEUMAYR/MMV

Salzburger Festspiele

Die Salzburger Festspiele sind eröffnet3

  • Van der Bellen: "Man sollte die Weisheit besitzen, auf den Schwächeren zu achten".

Salzburg. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat heute, Donnerstag, seine erste Salzburger Festspieleröffnung vorgenommen. Thematisch kursierten die Eröffnungsreden um die Themen Macht und Digitalisierung, musikalisch wurde das Event von Variete-Musik des heurigen Fokus-Komponisten Dmitri Schostakowitsch umrahmt... weiter




Intendant als Interpret: Markus Hinterhäuser (r.) und Igor Levit spielten Messiaen. - © Sbg. Festsp./Silvia Lelli

Salzburger Festspiele

Am Anfang das Ende9

  • Berückende Totenmusiken zum Beginn der Salzburger Festspiele.

Die Ouverture spirituelle, die Einstimmung auf die Salzburger Festspiele mit geistlicher Musik, stellt heuer das Ende an den Anfang. Und lässt damit letzte Worte als die ersten sprechen. Nach dem eindrucksvollen Mozart-Requiem am Sonntag setzte sich die Reihe der Totenmusiken am Montag fort. Wer die nötige Konzentration mitbrachte... weiter




Konzertkritik

Die atemlose Ewigkeit16

  • Currentzis beeindruckt mit Mozarts Requiem in Salzburg.

In ihren schwarzen, bodenlangen Gewändern erinnern sie mehr an einen Priester-Orden als an ein Orchester. Einziger Farbtupfen sind die roten Schuhbänder in den Stiefeln des Maestros. Dass sie stehend musizieren, verstärkt das Gefühl der Eingeschworenheit noch. Der Klang, den sie erzeugen, ist dann das akustische Äquivalent dazu: höchste... weiter




Tobias Moretti und Stefanie Reinsperger begeisterten die Mehrheit des Publikums. - © APAweb / Gindl Barbara

Salzburger Festspiele

Abend der frömmelnden Gaukler33

  • Der "Jedermann" in totaler Neuinszenierung von Michael Sturminger bei den Salzburger Festspielen.

Dass irgendwann, wie schon Wagner in Bayreuth vor Jahrzehnten, auch das von Hofmannsthal und Max Reinhardt 1911 für ein Berliner Zirkuszelt wiedererweckte "Jedermann"-Morality-Play aus dem Artenschutz fällt, war vorauszusehen. Der Antritt Markus Hinterhäusers als Intendant förderte den Traditionsbruch... weiter




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Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

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Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.


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