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Bagdad - Eine Gruppe freiwilliger Helfer räumt die Straßen der irakischen Hauptstadt von den Leichen der Kriegsopfer. Die Toten werden idendifiziert, die Angehörigen verständigt und für eine würdige letzte Ruhestätte wird gesorgt.
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Aus einem völlig ausgebrannten Autowrack birgt Hashem Kasem schwarz verkohlte Knochen. Das ist alles, was von dem jungen, pausbäckigen Autofahrer mit dem rötlichen Schnurrbart übrigblieb, dessen Personalausweis in dem Wagen unversehrt blieb. Geschützt durch Plastikhandschuhe und Mundschutz legt Hashem die Überreste aus dem Autowrack nahe dem Zoo von Bagdad vorsichtig auf eine Bahre, die mit einer irakischen Flagge bedeckt ist. Etwas weiter finden Kollegen des 34-Jährigen zwei verkohlte Leichen in einem Kleinlastwagen: eine Mutter, die ihr Kind noch in einer festen Umarmung hält. Durch die Hitze des Feuers sind ihre Überreste wie mit der Karosserie verschweißt.
Jeden Morgen machen sich der Ingenieur Hashem und seine Mitstreiter auf den Weg zu ihrer schauerlichen Arbeit. Vom Krankenhaus Karama schwärmen die "Freiwilligen des Todes", wie sie genannt werden, mit Bahren in die Straßen von Bagdad aus. Sie bergen die Leichen, die nach dem Ende der Kampfhandlungen in der Millionenstadt die Straßenränder säumen und um die sich niemand sonst kümmert.
Wie die Menschen genau umgekommen sind, wird in vielen Fällen wohl niemals geklärt werden. Doch darauf kommt es den Freiwilligen nicht so sehr an: Vielmehr geht es ihnen darum, die Leichen wenn möglich zu identifizieren, um die Angehörigen verständigen zu können. Vor allem aber sollen die Toten eine würdige letzte Ruhestätte erhalten.
Ihren Anfang nahmen die Bergungsarbeiten zwei Tage vor dem Fall von Bagdad. Da sah Salam Jassem drei erschossene Männer in einem Wagen der irakischen Militärpolizei. Der 22-jährige Ingenieur diskutierte so lange mit der Besatzung eines US-Panzers, bis die Soldaten die Bergung der Leichen erlaubten. Seitdem schlossen sich weitere Freiwillige den Helfern an.
"Wir sind Moslems, aber wir machen keinen Unterschied zwischen den Religionen. Jeder Mensch, gleich welcher Religion und Nationalität, hat das Recht auf ein Grab", betont Karim Magid. "Wir würden das Gleiche machen, wenn es sich um einen Amerikaner handelte", sagt der 32-jährige Arbeiter.
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