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Hungern gegen Schnellschuss

Von Barbara Ottawa

Politik

Jahrzehntelang haben indigene Völker auf eine UN-Deklaration über ihre Rechte warten müssen. Plötzlich scheint es der Organisation nicht schnell genug zu gehen und das verärgert die Betroffenen.


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Einige Mitglieder der UN-Arbeitsgruppe für eine Deklaration indigener Rechte sind in einen Hungerstreik getreten. Sie protestieren gegen die Vorgangsweise der UNO bei den Verhandlungen.

Zehn Jahre hindurch, seit dem Beginn der "UN-Dekade indigener Völker", hat die Arbeitsgruppe erfolgreich an einem Dokument gearbeitet. Es beinhaltet das Mindestmaß an Rechten, dem die Mehrheit der indigenen Deligierten zustimmen konnte. In die 1994 geschaffene Arbeitsgruppe haben viele der rund 5.000 indigenen Völker weltweit Vertreter entsandt.

Dieses Papier wird jedoch von der Mehrzahl der Regierungen nicht akzeptiert. Sie stoßen sich an diversen Formulierungen, wie etwa dem Menschenrecht auf Selbstbestimmung. Immer wieder war in den letzten zehn Jahren versucht worden, die Deklaration abzuschwächen, kritisieren die Indigenen. Die UN will nun bereits am Freitag, nicht wie zunächst angekündigt erst kommende Woche, einen Kompromiss zur Abstimmung vorlegen. Er soll als ein Zeichen des Erfolgs der Arbeitsgruppe dienen. Im Frühjahr entscheidet nämlich das UN-Menschenrechtkomitee über die Zukunft des Gremiums und die Verhandlungen zur Deklaration.

Die Streikenden in Genf haben bereits von 250 indigenen Gruppen weltweit Unterstützungsschreiben erhalten. Einige Indigene sind nach Großbritannien gereist. Premierminister Toni Blair gehört mit zu den schärfsten Kritikern der Deklaration.