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Indiens Regierung sagt der Armut den Kampf an

Von Klaus Huhold

Politik

Förderung der Landbevölkerung, kostenlose Gesundheitszentren. | Wien. In Indien prallen die Gegensätze aufeinander. Glaspaläste von Softwarefirmen stehen neben den Holzhütten der Slums. Das Land verzeichnet zwar fast zweistellige Wachstumsraten, doch noch immer verharren bei einer Bevölkerung von mehr als einer Milliarde Menschen hunderte Millionen in Armut.


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"Die Armut ist jedoch in den vergangenen Jahren gesunken", sagt die Gewerkschafterin Vijaya Srinivasan zur "Wiener Zeitung". "Aber es ist schwer zu beurteilen, ob das an ökonomischen Reformen oder mehr an den Strategien zur Armutsbekämpfung liegt."

Die Regierung habe sich jedenfalls den Kampf gegen Armut auf die Fahnen geschrieben. So gebe es etwa Ausbildungsprogramme für Bedürftige oder kostenlose Gesundheitszentren. Von einer weiteren Maßnahme berichtet Rajendra Ramjanak Giri, auch er ein Gewerkschafter, der sich wie Srinivasan auf Einladung der NGO Südwind in Wien befindet. So garantiere die Regierung jedem Haushalt in den ländlichen Regionen mindestens 100 Tage Arbeit. Wenn es nicht genug Arbeit gibt, dann erhalten die Familien trotzdem das Geld.

Die Umsetzung des Programms unterliege den einzelnen Bundesstaaten. In manchen funktioniere es gut, in anderen weniger. Vor allem in den Regionen, in denen das Programm nicht greift, zieht es die Leute zur Arbeitssuche in die Städte.

Neue Arbeitswelt

"Aber es wird immer schwieriger, gute Jobs zu finden", sagt Giri. Denn in Indien ist man mit einem Phänomen konfrontiert, das auch aus anderen Ländern bekannt ist. Durch die fortschreitende Technologisierung verlieren viele Menschen ihren Arbeitsplatz.

Sie gleiten dadurch oft in den informellen Sektor ab. Arbeiter, die früher in Textilfabriken tätig waren, weben nun auf eigene Faust Kleidungsstücke und versuchen, diese zu verkaufen. Soziale Sicherheiten wie einen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn haben sie dadurch verloren.

Auch von einem weiteren globalen Trend bleibt Indien nicht verschont: Firmen greifen zusehends auf Leiharbeiter zurück. Diesen würden zwar soziale Rechte zustehen, doch es fällt schwer, sie durchzusetzen, berichten die Gewerkschafter. Aus Angst vor Arbeitslosigkeit würden die Leiharbeiter nicht aufbegehren. Zudem seien sie nicht gewerkschaftlich organisiert.

Genau hier setzen die Gewerkschaften an. Sie versuchen, im informellen Sektor und bei Leiharbeitskräften Fuß zu fassen. Sie gehen dabei etwa von Haus zu Haus, um Vertrauen zu gewinnen und Mitglieder anzuwerben. "Das ist eigentlich dieselbe Strategie wie zu der Zeit, als die Gewerkschaften gegründet wurden", meint Srinivasan.