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Iran beginnt mit Uran-Anreicherung

Von WZ-Korrespondent Arian Faal

Politik

Konsequenz aus Anrufung des UN-Sicherheitsrates. | Verhandlungen mit Moskau sollen aber weitergehen. | Teheran/Paris/Wien. Der Iran hat seine Androhung wahr gemacht: Als Reaktion auf den Beschluss der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEO) vom Samstag, den UN-Sicherheitsrat im Atomstreit einzuschalten, begann Teheran wieder mit der Urananreicherung. "Die Anlage stand seit drei Jahren still, jetzt tut sie das nicht mehr", verkündete der iranische Botschafter bei der IAEO, Ali Asghar Soltanieh, am Montag. Bald würden in der Fabrik von Natanz 50.000 Gasanreicherungszentrifugen stehen.


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Als weitere Konsequenz wurde das Zusatzprotokoll zum Atomwaffen-Sperrvertrag suspendiert. Dieses hatte der Iran zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert. Die freiwillige Zusammenarbeit sei beendet, erläuterte Außenminister Manuchehr Mottaki eine entsprechende Anordnung von Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad. Konkret bedeutet dies, dass die IAEO-Kontrolleure die iranischen Nuklearanlagen künftig nicht mehr unangekündigt besuchen dürfen. An den Atomwaffensperrvertrag selbst werde man sich aber weiterhin halten, hieß es.

In einer Dringlichkeitssitzung des Parlaments hatte zuvor Chefunterhändler Ali Larijani in Teheran die Abgeordneten über die Entscheidung des IAEO-Gouverneursrats informiert.

Rettungsanker Moskau

Trotz der harschen Reaktion des Iran - auch die Atomverhandlungen mit der EU wurden ausgesetzt - ließ Teheran einen Spalt für diplomatische Lösungen offen. Laut Außenamtssprecher Hamid Reza Assefi wird der Iran mit dem "Mediator" Russland weiter über die Beilegung des Konflikts verhandeln. Konkret geht es um das auch von der EU und den USA unterstützte Kompromissangebot, Irans Urananreicherung nach Russland auszulagern. Beratungen sind für den 16. Februar angesetzt. Bedingung der russischen Seite ist jedoch, dass Teheran sich wieder an das Moratorium seiner Nuklearforschung hält. Es ist fraglich, ob der Iran hier mitzieht.

Paris kalmiert

Beschwichtigende Töne kamen indes auch aus Paris. "Es gibt noch immer Zeit für Verhandlungen. Wir wollen keine Konfrontation, sondern diplomatische Lösungen", unterstrich Außenminister Philippe Douste-Blazy. Man wolle dem Iran klarmachen, dass man nicht bestrafen wolle, sondern ein politisches Ziel verfolge. Allerdings sei es an der Zeit, dass Teheran zur Vernunft komme. Ansonsten drohe eine Eskalation des Konflikts vor dem Weltsicherheitsrat.

Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des russischen Parlaments, Konstantin Kosatschew, hat einem Zeitungsbericht zufolge vor einer Isolierung des Iran im Atomkonflikt gewarnt. Der Abbruch aller Kontakte wäre die schlechteste und gefährlichste aller Entwicklungen, sagte er laut Vorausbericht der "Berliner Zeitung" (Montagausgabe). "Dann hätte die internationale Gemeinschaft überhaupt keinen Einblick mehr in die Vorgänge innerhalb des Iran."