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Irans Mullahs spielen mit dem Feuer, aber verbrennen sollen sich andere

Von Arian Faal

Analysen

Die EU-Kommission hat es vorab angekündigt, wohl ahnend, dass diese Causa auch weiterhin die Zerreißprobe des Westens werden wird: Der Iran ist der außenpolitische Schwerpunkt für die Agenda 2007. Dies geschieht zu einer Zeit, wo die CIA laut einem Bericht des US-Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh keine Beweise dafür gefunden haben soll, dass der Iran tatsächlich an der Atomwaffenentwicklung arbeitet. Washington spiele die CIA-Erkenntnisse herunter, um, so Hersh weiter, an der harten Politik gegen Teheran festhalten zu können und sich einen Militärschlag offen zu halten. Parallel dazu äußert das weiße Haus "Verständnis" für einen möglichen Angriff Israels auf den Gottesstaat.


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Hersh zitiert einen Pentagon-Experten mit den Worten: Bei der Strategie der US-Regierung handle es sich um den "klassischen Fall" eines absehbaren Fehlschlags: "Sie glauben, indem sie auf den Iran einschlagen, machen sie die Verluste im Irak vergessen."

Iran ergreift Initiative

Das Irakdilemma, das katastrophale Kongresswahlergebnis und der Unmut gegen den amerikanischen UN-Botschafter John Bolton (Spitzname: "Der Blockierer") sind nur die Spitze des Eisberges - der Druck auf US-Präsident George W. Bush wächst überall. Teheran nützt dies und nimmt die Politik des Mittleren Ostens nun selbst in die Hand. Ein Gipfeltreffen zwischen Syrien, dem Irak und dem Iran in Teheran kündigte Irans Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad für dieses Wochenende an. Die arabische Welt ist hellhörig geworden und von Kabul bis Riad ist man sich einig: Teheran ist eine ernst zunehmende Regionalmacht, insofern, als sich der schiitische Halbmond in der Region immer stärker formiert.

Weiterer Pluspunkt für den Mullah-Staat: Nachdem der Westen Russland jüngst die Tür zur WTO geöffnet hat, machte Wladimir Putin bei seinem Treffen mit US-Präsident George W. Bush einmal mehr klar, dass die "Akte Iran" nur diplomatisch zu lösen sei. Mehr als 20 Milliarden Dollar-Geschäfte zwischen Moskau und Teheran machen diese Aussage verständlicher, umso mehr, als auch die Chinesen indirekt bekräftigt haben, an einer weiteren Stärkung der USA in der Region nicht interessiert zu sein. Der Iran pokert daher ungehindert weiter hoch: Gerade hat er die radikale Hamas-Regierung der Palästinenser mit 120 Millionen Dollar (rund 94 Millionen Euro) unterstützt und während der Atomstreit wegen der Uneinigkeit des Westens einen permanenten Zustand der Handlungsunfähigkeit erreicht hat, schließt Teheran Öl- und Gasverträge mit asiatischen Staaten ab und will seine Zentrifugenanzahl bis Jahresende beträchtlich erweitern.

Das kolportierte Kalkül von Irans Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad ist aufgegangen: "Spiele mit dem Feuer, pokere hoch und lass möglichst den anderen den Vortritt beim Verbrennen der Finger, allerdings so, dass du selbst schuldlos bleibst!"