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Jemen-Krise ruft Golfstaaten auf den Plan

Von Arian Faal

Politik

Saudi-Arabien und Verbündete starteten Luftoffensive im Jemen - Iran fordert sofortigen Stopp der Militärintervention.


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Sanaa/Riad/Aden. "Das ist eine Kriegserklärung und wir werden entsprechend darauf antworten." Mit diesen scharfen Worten reagierte ein Sprecher der schiitischen Houthi-Rebellen auf die in der Nacht auf Donnerstag begonnene Militäroffensive des sunnitischen Saudi-Arabiens und mehrerer arabischer Verbündeter im Jemen. Mit der Offensive eilen diese Staaten Jemens Präsidenten Abd-Rabbu Mansour Hadi zu Hilfe, der am Vortag mitsamt seinen Regierungstruppen von den Houthi-Rebellen in der Hafenstadt Aden eingekesselt worden war. Hadi setzte sich Medienberichten zufolge in Riad, der saudischen Hauptstadt ab, während in seiner Heimat den ganzen Tag über Kämpfe tobten. Der schwelende Bürgerkrieg im Jemen droht sich durch die Intervention der Nachbarländer zu einem Regionalkonflikt auszuweiten.

Die Houthis wollten den aktuellen Angriff eigenständig abwehren und sich offiziell keine Hilfe aus dem ebenfalls schiitischen Iran holen. "Das jemenitische Volk ist vorbereitet, auf diese Aggression ohne ausländische Einmischung zu antworten", sagte ein ranghoher Vertreter der Houthi-Miliz gegenüber Journalisten.

Auch die Partei GPC von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh, die die Houthis unterstützt, sprach in Zusammenhang mit den Luftschlägen Saudi-Arabiens und seiner Partner von "einer Aggression gegen den Jemen".

Wenige Stunden nach dem Einschreiten der Saudi-geführten Allianz gingen die innerjemenitischen Kämpfe weiter. Die Anhänger des Präsidenten Hadi lieferten sich im Süden des Landes erbitterte Gefechte mit den Houthis. Bei Kämpfen in Al-Huta, der Hauptstadt der Provinz Lahij, seien mindestens 18 Menschen getötet worden, sagte ein örtlicher Behördenvertreter. Indes zeigt sich der Iran zutiefst besorgt. Nach Angaben des Staatsfernsehens und des jemenitischen Militärs bombardierten Kampfflugzeuge in der Nacht zum Donnerstag mehrere Stellungen der Rebellen. Die Schutzmacht der Houthis, der Iran, verurteilte die Militäraktion scharf und forderte einen sofortigen Stopp der Operation. Die Aktion zerstöre alle Chancen auf eine friedliche Lösung der "internen Streitigkeiten", erklärte das Außenministerium in Teheran. "Wir werden alle Bemühungen daransetzen, die Krise im Jemen unter Kontrolle zu bringen", sagte Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif am Donnerstag. Die Luftangriffe müssten sofort aufhören, weil sie gegen Jemens Souveränität verstießen, fügte er hinzu.

An der Offensive, die "Sturm der Entschlossenheit" genannt wurde, beteiligen sich nach Angaben des saudi-arabischen Botschafters in den USA mehr als zehn Länder, darunter fünf Golfmonarchien. In Riad wächst die Sorge, die schiitische Minderheit könnte die Kontrolle über das mehrheitlich sunnitische Nachbarland auf der arabischen Halbinsel übernehmen - und Teheran seine Einflusssphäre ausweiten. Saudi-Arabien und der Iran kämpfen seit Jahrzehnten um die Vorherrschaft in der Region.

Saudi-Arabien begründete die Einsätze mit dem Schutz der legitimen Regierung im Jemen und schloss nach Angaben aus Regierungskreisen den Einsatz von Bodentruppen nicht aus. Nach Berichten des TV-Senders "Al-Arabiya" mobilisierte alleine der Golfstaat 150.000 Soldaten und zehn Kampfflugzeuge. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), eine Föderation von sieben Emiraten im Südosten der Arabischen Halbinsel, stellen demnach 30 Kampfflugzeuge, Bahrain und Kuwait jeweils 15 Kampfjets. Zehn weitere Flugzeuge stellte Katar zur Verfügung. Inzwischen bestätigten auch Ägypten, Jordanien und der Sudan ihre Beteiligung. Marokko erklärte seine Unterstützung für Riads Initiative, ließ aber in der Erklärung zunächst offen, ob es sich an der Offensive beteiligt. Auch die USA befürworten die Militärintervention im Jemen, ihre Unterstützung beschränkt sich allerdings auf Logistik und die Weitergabe von Geheimdienstinformationen.

Die Houthis waren zuletzt mithilfe von Armee-Einheiten, die zu Hadis gestürztem Vorgänger Ali Abdullah Saleh stehen, immer weiter gen Süden vorgerückt. Am Mittwoch kämpften sich die Rebellen, die seit September die Hauptstadt Sanaa kontrollieren, bis auf 20 Kilometer an die Großstadt Aden heran, wohin Hadi geflüchtet wa, bevor er am Donnerstag nach Riad reiste.

Hadi-treue Kräfte konnten laut örtlichen Behörden nach Beginn der Luftangriffe der Militärallianz den Flughafen Aden am Donnerstag wieder unter Kontrolle bringen. Die saudische Nachrichtenagentur SPA meldete, die Luftschläge hätten mehrere Houthi-Stellungen und vier Kampfjets zerstört. Das von den Houthis kontrollierte Gesundheitsministerium in Sanaa teilte mit, bei den Bombardierungen seien in der Hauptstadt 25 Zivilisten getötet und 40 verletzt worden. Die Angriffe hätten Wohngebiete in der Nähe des Flughafens getroffen. Ein Journalist der "Yemen Post" sagte dem Sender Al-Jazeera, Bomben seien überall in Sanaa gefallen. Die Menschen hätten panisch reagiert.

Saudi-Arabien sperrte unterdessen ohne Angabe von Gründen sieben Flughäfen in einer an den Jemen angrenzenden Provinz. Im Jemen wurden gleichzeitig alle großen Seehäfen geschlossen. Ägypten entsandte nach Informationen aus Kreisen der Betreiber des Suez-Kanals vier Kriegsschiffe in den Golf von Aden. Über die den Jemen umgebenden Gewässer wird ein Großteil der weltweiten Ölversorgung transportiert. An den Börsen sorgte die Eskalation für Verunsicherung.