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Jung, männlich, Moslem und Antisemit

Von Stefan Beig

Europaarchiv

Deutsche Studie sorgt für Diskussion. | Berlin/Wien. Für Gesprächsstoff sorgt in Deutschland eine rund 100 Seiten lange Broschüre über Antisemitismus im muslimischen Milieu, die jetzt in Berlin vorgestellt wurde. Die darin angeführten Daten belegen, dass männliche arabische, türkische und kurdische Jugendliche mit Identitätsproblemen besonders anfällig für antisemitische Denkweisen sind. "Antisemitismus unter Muslimen ist ein ernst zunehmendes Problem", meinte dazu Grünen-Chef Cem Özdemir. Er hält die neuen Unterlagen für einen "unverzichtbaren Beitrag im Kampf gegen den Antisemitismus". "Die Juden sind schuld - Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus" - so der Titel der Broschüre - wurde von der Amadeu-Antonio-Stiftung herausgegeben. Die Stiftung beschäftigt sich mit rechtsextremer Alltagskultur und ist nach einem Angolaner benannt, der 1990 von jungen Rechtsextremen in Brandenburg tot geprügelt wurde.


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"Komplexes Problem"

Die Autoren der Broschüre verweisen unter anderem auf eine Studie im Auftrag des Bundesinnenministeriums von 2007, in der eine "substanzielle Minderheit" von 500 befragten muslimischen Schülern antisemitischen Vorurteilen "in einem hohen Maße zustimmen". "Das Problem ist komplex und verlangt komplexe Antworten", betont die deutsche Islamismusexpertin Claudia Dantschke, von der das Konzept für die Broschüre stammt. "Die Muslime sind keine homogene Gruppe. Es wäre völlig falsch, den Antisemitismus mit Koransuren zu begründen." Eine antisemitische Lesart des Korans sei zwar wesentliches Element islamistischer Ideologien, aber es gebe auch noch ganz andere Formen des Antisemitismus. Im türkischen Milieu seien Verschwörungstheorien auch unter rechtsextremen nationalistischen und globalisierungskritischen linksextremen Kreisen verbreitet. Dantschke, die für die nicht-staatliche Initiative "Zentrum Demokratische Kultur" arbeitet, betont, dass das Problem auch im Kontext der Einwanderungsproblematik zu sehen sei. Kinder aus Einwandererfamilien fühlten sich oft ausgegrenzt und unverstanden.

Die Studie bemüht sich hier um praktische pädagogische Vorschläge und weist darüber hinaus darauf hin, dass vieles noch unerforscht sind. "Die Quellen von antisemitischem Gedankengut sind bekannt", meint Dantschke unter Hinweis auf türkische und arabische Fernsehsender, die antisemitische Stereotype in das Wohnzimmer liefern. Wenig erforscht sei aber, welchen Einfluss solche Medien auf junge Muslime tatsächlich ausüben.