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"Iran hat Recht auf friedliche Atomenergienutzung" | Obama: Bin für Zwei-Staaten-Lösung bei Nahost-Konflikt. | Riad. US-Präsident Barack Obama hat für einen Neuanfang im gespannten Verhältnis zwischen den USA und der islamischen Welt geworben. Der Teufelskreis des Misstrauens, den sich gewaltbereite Islamisten zunutze machten, müsse durchbrochen werden, forderte Obama in seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede am Donnerstag in Kairo. | Obamas Rede im Wortlaut | Pressestimmen zur Obama-Rede
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Er werde gegen negative Vorurteile gegenüber dem Islam kämpfen, wo immer er sie antreffe, versprach Obama. Das gleiche müsse aber auch für die Beurteilung der USA in der muslimischen Welt gelten. Dem Iran sprach Obama das Recht auf die friedliche Nutzung der Atomenergie zu, solange dieser sich an den Atomwaffensperrvertrag halte. Mit Blick auf die Bemühungen um einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern sagte der Präsident, er werde sich persönlich für eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzen.
Aus dem Koran zitiert
Der erste schwarze US-Präsident pries die Jahrhunderte alten Errungenschaften des Islam in den Wissenschaften und grüßte seine Zuhörer auf Arabisch mit den Worten "Friede sei mit Euch". Lauten Applaus erntete er, als er aus dem Koran zitierte. Zugleich räumte er ein, dass der Westen den Muslimen viel Unrecht getan habe. Im Kolonialismus seien Rechte verweigert worden. Später im Kalten Krieg seien die Muslime dann als Instrumente der Stellvertreterkriege zwischen den Weltmächten missbraucht worden.
"Amerika befindet sich nicht im Krieg gegen den Islam und wird dies auch niemals sein", betonte Obama. Der Westen und die muslimische Welt müssten vielmehr gemeinsam gegen gewaltbereite Islamisten vorgehen. Die Lage in Afghanistan und die Ausbreitung der Extremistenorganisation Al-Kaida in andere Regionen der Welt zeige, wie wichtig dies sei. "Wir wollen unsere Truppen nicht in Afghanistan behalten. Wir streben keine dauerhaften Militärstützpunkte dort an", sagte Obama.
Der US-Präsident versuchte damit, die weit verbreitete Sorge in der islamischen Welt zu zerstreuen, die USA wollten aus geostrategischen Gründen auf Dauer einen Stützpunkt in der Region behalten. Afghanistan liegt zwischen dem alten Erzfeind Iran, der instabilen Atommacht Pakistan und den rohstoffreichen zentralasiatischen Staaten und Russland.
Kairo als wichtiger Ort
Mit seiner Rede richtete sich Obama demonstrativ an die mehr als eine Milliarde Muslime auf der Welt. Indem er Kairo dafür wählte, unterstrich der Präsident zugleich die Bedeutung, die er dem Nahen Osten und seinen Problemen zumisst. Obama will ein Bündnis muslimischer Regierungen schmieden, um mit ihrer Hilfe dem Nahost-Friedensprozess einen neuen Anschub zu geben und den Iran mit seinem Atomprogramm in Schach zu halten. Er selbst räumte allerdings vor seinem Auftritt in Kairo ein, dass es mehr als eine Rede brauchen werde, um die USA und die moslemische Welt auszusöhnen.
Das Verhältnis zu den islamischen Staaten hatte sich unter Obamas Vorgänger George W. Bush rapide verschlechtert. Bush ist vielen Muslimen verhasst wegen der Kriege im Irak und in Afghanistan, die er nach den Anschlägen vom 11. September 2001 startete und in denen viele Muslime starben.
Web 2.0 ist mit dabei
Um möglichst vielen Menschen einen Zugang zu der Rede zu ermöglichen, zeigte das Weiße Haus einen Live-Webcast auf seiner Internetseite. Die Rede soll in 13 Sprachen übersetzt werden, und Auszüge soll es bei MySpace, Twitter und Facebook geben. (APA)
Die Rede im Wortlaut
+++ White House
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