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Akpobari wurde vor Abreise nach Wien von Nigerias Polizei misshandelt. | "Regierung und Ölmultis sind verbrecherische Partner." | Wien. Die Arme von Celestine Akpobari sind voller Blutergüsse. An dem nigerianischen Menschenrechtsaktivisten kann man ablesen, was es bedeutet, in dem westafrikanischen Land für seine Anliegen zu kämpfen. Er wurde kurz vor seiner Abreise nach Wien von der nigerianischen Polizei misshandelt. Akpobari kommt aus dem ölreichen Niger-Delta und ist ein Ogoni. Die Ogoni sind eine der zahlreichen Ethnien in der Region. In den 1990er Jahren kämpfte Akpobari an der Seite des Schriftstellers Ken Saro-Wiwa gegen das damalige Militärregime und den Ölmulti Shell für Mit- und Selbstbestimmungrechte der Ogoni. Saro-Wiwa wurde 1995 nach einem Schauprozess hingerichtet. Akpobari, der sich gerade auf Einladung von Amnesty International in Wien befindet, setzt den Weg von Saro-Wiwa fort. Ebenso wie der Schriftsteller predigt er friedlichen Protest und lehnt Gewalt strikt ab.
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"Wiener Zeitung": Was bedeutet die Ölfördeung für die Ogoni? Celestine Akpobari: Unsere Lebensgrundlage ist total zerstört. Die Ogoni sind Bauern und Fischer, nun sind die Ernten kaputt, und in den Flüssen gibt es keine Fische mehr. 24 Stunden lang wird Gas abgefackelt, die Luft ist vollkommen verschmutzt, und die Menschen leiden deshalb an schweren Krankheiten. Auf die Bevölkerung wird keinerlei Rücksicht genommen.
Wen machen Sie für diese Zustände verantwortlich?
Meiner Ansicht nach sind die Regierung und Ölfirmen verbrecherische Partner. Die Multis sponsern Politiker, und diese handeln dann ganz im Sinne der Firmen.
Gibt es dafür Beweise, dass die Ölfirmen Politiker unterstützen?
Es braucht wohl keine zusätzlichen Beweise, wenn die Gesetze immer im Sinne der Ölmultis beschlossen werden - und nie im Sinne der im Niger-Delta lebenden Menschen. Wenn das Militär die Vertreter der Ölmultis schützt, aber nie die Bevölkerung.
Die Situation im Niger-Delta ist von Gewalt geprägt, es kommt etwa zu Anschlägen und Entführungen von ausländischen Mitarbeitern. Wer steckt hinter dieser Gewalt?
Einerseits sind es bewaffnete Banden, die von Politikern während des Wahlkampfes für Einschüchterungen ausgerüstet wurden. Nun sorgen sie weiter für Unsicherheit. Andererseits sind es Rebellengruppen, die sich nach der Ermordung von Ken Saro-Wiwa gebildet haben. Er hatte Frieden gepredigt und wurde getötet. Dies hat einige Menschen im Niger-Delta in den bewaffneten Kampf getrieben. Im Moment gibt es aber Friedensverhandlungen. Wenn die Regierung diese ernst nimmt, könnte es Frieden geben.
Saro-Wiwa wurde noch während der Militärdiktatur getötet, nun gibt es aber Demokratie. Hat sich dadurch nichts gebessert?
Für die Menschen im Niger-Delta hat sich nichts geändert. Nigeria ist nur auf dem Papier eine Demokratie, das Land wird noch immer von denselben Eliten beherrscht wie unter der Militärdiktatur. Die Wahlen sind geschoben. Die Situation wird sich erst bessern, wenn Politiker an der Macht sind, die tatsächlich die Interessen des Volkes vertreten - und nicht die der Ölmultis und der Eliten.
Sie selbst wurden schon öfters verhaftet, eingeschüchtert und misshandelt. Haben Sie schon jemals ans Aufgeben gedacht?
Nein. Solange es Korruption gibt, solange unsere Stimmen bei Wahlen nichts zählen, solange das Öl von unserem Land genommen wird, ohne dass wir etwas zurückbekommen, solange werde ich mich auflehnen.
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