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Keine Ölpest an Europas Stränden. | Bakterien fressen das Öl und bauen es langsam ab. | London/Washington. Die Kosten für den Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko steigen. Der britische BP-Konzern bezifferte am Montag die Ausgaben mit 1,04 Milliarden Euro. Die Berechnung umfasse aber lediglich den direkten Kampf gegen die Katastrophe, so das Unternehmen.
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Die gröbsten Umweltschäden zu beseitigen, werde bis "weit in den Herbst" dauern, sagte Thad Allen, Einsatzchef der US-Regierung im Kampf gegen die Ölpest. Aber nur, wenn es BP tatsächlich bis August gelinge, die beschädigte Ölquelle komplett zu verschließen. Die Reparatur am beschädigten Bohrloch hat BP jedoch auch sieben Wochen nach der Explosion der Plattform "Deepwater Horizon" nicht im Griff.
Das aus der Bohrung in 1500 Metern Tiefe ausströmende Öl wird demnächst den Golfstrom erreichen und entlang der US-Atlantikküste seinen Weg nach Europa machen. Droht eine Ölpest auch an Europas Stränden? Claus Böning vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel entwarnt: Das Öl wird auf dem Weg über den Atlantik sehr stark verdünnt.
In den kommenden Wochen wird der Golfstrom Teile des Öls erfassen und durch den 900 Meter tiefen Engpass zwischen Florida und Kuba in den Atlantik drücken. Mit bis zu 150 Kilometern täglich schießt der 50 Kilometer breite und einige Hundert Meter tiefe Strom dann entlang der Ostküste der USA nach Norden. Das konnten Bönig und sein Team anhand von Computersimulationen zeigen. US-Stränden drohe also eine Ölpest.
Am Kap Hatteras im US-Bundesstaat North Carolina verlässt die Strömung dann die Küste und fließt über den offenen Atlantik in Richtung Nordost weiter auf Europa zu. "Dort beginnt der Strom aber, Schleifen und Wirbel zu bilden", erklärt der Experte für Meeresströmungen. Dadurch verdünne sich das darin enthaltene Öl. Gleichzeitig bremsen die Umwege das Tempo so stark, dass jedes Wasserteilchen erst nach Jahren europäische Küsten erreichen wird.
In dieser langen Zeit fressen im Wasser lebende Bakterien das Öl, verdauen es und bauen es so langsam ab. Bis die Katastrophe im Golf von Mexiko also Europas Strände erreicht, wird sich das Öl nicht nur stark verdünnen und Jahre brauchen, sondern es wird ein großer Teil davon unterwegs auch verschwinden. Die Ölpest bleibt also in den USA.
Doch welches Rest-Risiko ist bei Bohrungen auf hoher See tolerierbar und wie sicher sind sie überhaupt? "Das Risiko auf der "Deepwater Horizon" war sehr klein", erklärt Catalin Teodoriu, Spezialist für Bohrtechnik am Institut für Erdöltechnik der Technischen Universität Clausthal.
Zentraler Bestandteil der Sicherheitsmaßnahmen ist der sogenannte "Blow Out Preventer", den Bohrspezialisten kurz "BOP" nennen. Dieses 15 Meter hohe und 200 Tonnen schwere Teil unmittelbar über dem Bohrloch soll dieses verschließen, wenn Öl oder Gas unter dem Druck in der Tiefe unkontrolliert nach oben schießt. Laut BP gab es dabei keine Fehler.
Und doch hat dieses mehrere Millionen Euro teure Teil versagt, als Gas austrat, das nach Abschluss der eigentlich nur zur Erkundung gedachten Bohrung auf der Plattform über dem Wasserspiegel explodierte. Selbst ein Roboter konnte die Schieber nicht schließen. "Das deutet auf ein mechanisches Problem hin", sagt Teodoriu. Was wirklich im BOP passiert ist, wird erst die US-Untersuchungskommission klären können, die die Ursachen für die Öl-Katastrophe aufklären soll.
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