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"Österreich über alles, weil es endlich will"

Von Brigitte Suchan

Wirtschaft

Mit dem Wirtschaftskongreß '99, der gestern, Dienstag, im Technischen Museum stattfand, will die Volkspartei die vielfältigen Facetten österreichischer und europäischer Wirtschaftspolitik | aufzeigen. Fünf Bundesminister sowie Europa-Abgeordnete Ursula Stenzel diskutierten als Arbeitskreisleiter und Impulsreferenten in sechs Podiumsdiskussionen die Auswirkungen etwa der Bildungs-, | Arbeitsmarkt- oder Europapolitik auf den Wirtschaftsstandort Österreich.


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In seiner Eröffnungsansprache spannte Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner einen Bogen von dem mühseligen Aufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu den neuen Herausforderungen, denen sich

Österreich als EU-Mitglied stellen muß.

Euro schuf mächtigsten

Wirtschaftsblock

Hauptziel der Bemühungen müsse die Europäisierung sein. Mit dem Bekenntnis zum Euro-Konzept der Maastricht-Verträge wurde Österreich Teil eines Europas, das sich dank Euro zum mächtigsten

Wirtschaftsblock der Welt entwickelt hat.

Trotz der wirtschaftlichen Machtposition benehme sich Europa in außenpolitischen und verteidigungspolitischen Belangen wie ein Zwerg, kritisierte Farnleitner. Die Osterweiterung, für viele ein

Schreckgespenst, "findet täglich statt", so der Wirtschaftsminister, "und mit der Erweiterung wächst der Binnenmarkt".

Die österreichische Handelsbilanz mit Mittel-und Osteuropa erreichte 1998 ein Positivum von insgesamt 30 Mrd. Schilling. Ohne den Warenaustausch mit den fünf Beitrittswerbern wäre das heimische

Außenhandelsdefizit schon 1996 mehr als doppelt so kräftig angestiegen. Die Fortschritte des "Europaabenteuers" wären klar: Kein Krieg seit 1945, erstmals wird es eine Generation von Erben

geben, wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft, es gibt erstmals ein Europa ohne Grenzen und mit dem Euro wurde eine Weltwährung geschaffen.

Die österreichische Exportwirtschaft unterliege zu 70% keinem Währungsrisiko mehr, was sich vor allem auf den Tourismus positiv auswirken werde. Wirtschaftspolitik heute müsse sich u. a. um die

Konkurrenzfähigkeit kümmern · das Niveau der handwerklichen Fähigkeiten und der Ausbildung sei entscheidend, lebensbegleitendes Lernen notwendig.

Flexibilität von Kapital und

Arbeit zur Standortsicherung

Auch die Bereitschaft neue Technologien anzuwenden müsse gesteigert, mehr in Forschung und Entwicklung investiert werden. Größtmögliche Flexibilität und Mobilität von Kapital und Arbeit würden zur

Sicherung des Wirtschaftsstandortes Österreich wesentlich beitragen.

Große Herausforderungen kämen auch auf die Infrastruktur zu: Seit der Ost-Öffnung exportieren die Reformländer 70% ihrer Güter in die EU · zum Großteil über österreichische Straßen. Österreich

brauche daher dringend ein modernes Straßen- und Bahnnetz, auch der Schiffsweg über die Donau sei ausbaufähig. Dazu müsse "die unsinnige Bürokratie" beseitigt werden, forderte Farnleitner.

Von der Steuerreform wünscht sich der Wirtschaftsminister eine niedrigere Besteuerung der Leistungsgeneration. Auch eine neue Regelung der Betriebsübergabe sei ihm ein Anliegen. In Abwandlung des

Spruchs "Österreich über alles wenn es nur will" meinte Farnleitner abschließend, "Österreich über alles, weil es endlich will".

Schüssel: Impulse für die

Jungen geben, Mut machen

Im Rahmen der zum Kongreß parallel stattfindenden Wirtschaftsmesse "Innovation und Information" präsentierten sich Österreichs Spitzenunternehmen ebenso wie Jungunternehmer ihre innovativen

Produkte und Dienstleistungen vorstellten. Auch die "Wiener Zeitung" war mit einem Informationsstand vertreten.

Vizekanzler Wolfgang Schüssel dankte den teilnehmenden Unternehmen und betonte, daß das technische Museum absichtlich als Standort für den Kongreß ausgewählt worden war, weil es den Pioniergeist

dokumentiere, mit dem Österreich es geschafft habe, zum drittreichsten Land Europas zu werden.

Der Wirtschaftskongreß soll, so Schüssel, "den Jungen Mut machen und Impulse geben". Wer in der Politik erfolgreich sein wolle, brauche eine Weltanschauung, ein Konzept, sagte er. Diesen Rahmen habe

Alt-Vizekanzler Josef Riegler mit seinem Modell der Ökosozialen Marktwirtschaft vorgegeben.

Wesentlicher Parameter dieses Modells, das in vielen europäischen Ländern als Vorbild gelte, sei, daß der Staat zwar eine wichtige aber nicht die alles dominierende Rolle spielen solle.

Die Individualität des Einzelnen müsse geachtet, die Möglichkeit der Vielfalt erlaubt sein. Der Staat könne aber nicht alle Risiken tragen, dies wäre unfinanzierbar. Gefördert werden müsse daher der

unternehmerische Mensch, der Positives für die Gesellschaft leiste.

"Die Wirtschaft geht

alle etwas an!"

Als kleines Land brauche Österreich die Einbindung in die größeren Märkte der EU, betonte der Vizekanzler. Die Integration habe ein großes Maß an Stabilität gebracht, die Inflationsrate sei auf

historischem Tiefstand. Die EU-Osterweiterung werfe zwar viele Fragen, Sorgen und Ängste auf, brächte aber auch viele Chancen. Die Wirtschaft gehe alle etwas an, meinte Schüssel. Darum müßten der

jungen Generation die Stolpersteine auf dem Weg zum Unternehmer aus dem Weg geräumt werden · das wirtschaftliche Risiko für Jungunternehmer sei ohnehin groß genug.