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Im ersten Monat nach dem Inkrafttreten des umstrittenen Gesetzes zur Strafbefreiung der Abtreibung am 15. Juli sind deutlich weniger Schwangerschaften in portugiesischen Kliniken abgebrochen worden als erwartet. 526 Fälle seien dem staatlichen Gesundheitsdienst gemeldet worden, teilte Jorge Branco von der Abteilung für Müttergesundheit mit. Vor der Gesetzesreform war stets die Rede von 20.000 bis 25.000 - damals noch illegalen - Abtreibungen pro Jahr durch portugiesische Frauen die Rede gewesen, also mindestens 1600 pro Monat. Die Zahl der Krankenhauseinlieferungen wegen Folgen von häuslichen Abtreibungsversuchen und Kurpfuscherei lag bei mehr als 10.000 jährlich.
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Die Reform des strengen Abtreibungsrechts in Portugal war seit Jahrzehnten Streitthema in der Politik, wobei die Trennlinie quer durch die Parteien verlief. Die katholische Kirche widersprach allen Liberalisierungsbestrebungen entschieden. 90 Prozent der Portugiesen sind katholisch.
Die Bevölkerung hatte 1998 beim ersten Referendum über die Lockerung der Abtreibungsgesetze mit nur 30 Prozent Beteiligung geringes Interesse an der Frage gezeigt. 51 Prozent sagten damals Nein zur Reform. Auch am Referendum vom Februar 2007 nahmen nur 43,6 Prozent teil. 60 Prozent sagten nun Ja zur Reform. Obwohl das Votum nicht bindend für die Regierung war, weil weniger als 50 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt hatten, brachte die Regierung von Ministerpräsident José Sócrates ein Gesetz ein, das auch vom Parlament angenommen wurde.
Seit dem 15. Juli ist nun Abtreibung bis zur zehnten Schwangerschaftswoche allein auf Antrag der Frau erlaubt. Vorgeschrieben ist ein Informationsgespräch beim Arzt und eine anschließende dreitätige Bedenkzeit. Der Eingriff kann in einem öffentlichen Krankenhaus oder einer zugelassenen Privatklinik durchgeführt werden. Bis zur 12. Woche ist der Abbruch aus medizinischen und psychologischen Gründen und nach Vergewaltigung und Inzest gestattet. Danach nur noch aus streng medizinischen Gründen oder wegen einer Fehlbildung des Fötus.
Die jetzt vorgelegten amtlichen Zahlen werden allerdings von der Behörde teilweise relativiert. Da Ferienzeit und deshalb Personalmangel herrsche, sei es durchaus möglich, dass es noch Nachmeldungen von Schwangerschaftsabbrüchen gebe, meinte Jorge Branco vom Gesundheitsamt. Ein verlässlicher Überblick, ob die Zahl der Abtreibungen auf Dauer unter den Vorherschätzungen liege, sei erst nach drei Monaten möglich.
Kritiker machen geltend, dass viele Frauen nicht aus Furcht vor Strafe heimlich abgetrieben hätten, sondern aus Scham vor ihrer Familie und der Gesellschaft. Häufig wurden diese Abbrüche in einer Klinik im Nachbarland Spanien vorgenommen.
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