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Radio reflektiert Fernsehen

Von Gerald Schmickl

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Auch das ist eine Form von medialer Arbeitsteilung: Radio erklärt Fernsehen. So geschehen diese Woche im Ö1-"Radiokolleg", das sich mit "Sitcoms, Soaps und Serien" beschäftigte. Auch wenn die Sendung allerlei Informatives über Drehbücher, Dramaturgie und Publikumswünsche zu berichten wusste, blieb doch die gesamte Zeit über eine leichte Häme und Verachtung für diese knallbunte Welt der formatierten TV-Verführer spürbar, erhob sich sozusagen das eine Medium mit seinem reflektiert-kritischen Ansatz über das andere mit seinem unreflektiert-unterhaltenden.

Es schien ein wenig so, als rechtfertige sich der ORF auf diese ausgesprochen öffentlich-rechtliche Weise für seine Zugeständnisse an den Massengeschmack, den er mit den Privatsendern gemeinsam ausreichend bedient.

Auch wenn die Gestalter des Radiobeitrags mit ihrem "Wickie, Slime und Paiper"-Projekt vor einigen Jahren selbst eine feine Nase für massentaugliche Nostalgie und für Trash-Fetischismus bewiesen, schlugen sie sich nun auf die andere Seite, jene der distanzierten Betrachtung des im Grunde gleichen Phänomens: der vitalen Aneignung künstlichen und somit - eine Art Evergreen der Kulturkritik - "falschen" Lebens.

Die meisten Zuseher schauen eben nicht nur zu, sondern leben bei den TV-Serien richtiggehend mit. Das kann man zwar bedenklich finden, aber ist nicht diese Form der Anteilnahme genau das, was Fernsehen letztlich ausmacht? Vielleicht ist es ja auch eine geschenkte - und nicht nur geraubte - Lebenszeit.