)
Heuer bereits 380 Ermittlungsverfahren. | Neues Betrugsmodell "Scalping" zieht Anlegern das Fell über die Ohren. | Wien. Dreiste Finanzbetrüger haben auch in Österreich offensichtlich leichtes Spiel. Meist aus Naivität oder Gier lassen sich viele Menschen blenden und gehen ihnen auf den Leim. Der jährliche Schaden durch Finanzkriminalität und unerlaubten Geschäftsbetrieb ist jedenfalls enorm. Laut Finanzmarktaufsicht (FMA) verschwinden rund 750 Millionen Euro auf Nimmerwiedersehen in dunklen Kanälen. "Und das ist noch konservativ geschätzt", ergänzt deren Chef Kurt Pribil.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 15 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Wie die FMA erhoben hat, betragen die gemeldeten Schäden in Summe zwar "nur" rund 70 Millionen Euro pro Jahr. "Die Dunkelziffer ist aber sehr hoch", so Pribil. Von zehn Geschädigten würden neun auf eine Meldung ihres Falls verzichten - aus Ärger oder Scham, weil mitunter Schwarzgeld im Spiel ist oder weil damit gerechnet wird, dass das Geld ohnehin verloren ist.
Viele Betrugsfälle ähneln sich. Pribil verwies am Dienstag in einem Pressegespräch auf das Beispiel eines Anlegers, der sich am Telefon dazu überreden ließ, in US-Aktien zu investieren und den Kaufpreis auf ein Bank-Konto in Taiwan zu überweisen. Danach erhielt er regelmäßig Depotauszüge, die ihm eine tolle Kursentwicklung seines Investments bescheinigten.
Als der nichtsahnende Anleger verkaufen wollte, um seinen Gewinn zu realisieren, hieß es: "Bitte warten." Und das immer wieder, bis der Anleger stutzig wurde und sich an die FMA wandte. Das investierte Geld hat er bis heute nicht zurückbekommen, weil die amerikanische "Firma", über die er das vermeintliche Geschäft abgewickelt hatte, mittlerweile von der Bildfläche verschwunden ist und auch ihre Seite im Internet gelöscht hat.
Beachten von Warnsignalen
Im Kampf gegen Finanzkriminalität und das konzessionslose Betreiben von Finanzgeschäften hat die FMA seit Jahren alle Hände voll zu tun - Tendenz steigend, weshalb sie auch ihre Ressourcen sukzessive aufstockt. Hatten die österreichischen "Finanz-Sheriffs" 2006 zunächst 76 Ermittlungsverfahren eingeleitet, waren es im Vorjahr 360 und im laufenden bereits 380.
Konsumenten und Anleger können sich gegen dubiose Angebote schützen, indem sie auf Warnsignale achten. So sollten die Alarmglocken schrillen, wenn beispielsweise der Erstkontakt über "Cold Calling", unerbetene Werbeanrufe, erfolgt. Auch wenn Vorleistungen für das Zustandekommen eines Vertrags verlangt werden (in Form von Gebühren, Spesen oder Provisionen), auf einen raschen Geschäftsabschluss gedrängt wird oder unrealistisch hohe Renditen versprochen werden, sollte laut Pribil allerhöchste Vorsicht geboten sein: "Hände weg."
Eine neue Betrugsart boomt
Geht es nach EU-Kommissar Michel Barnier sollen die Strafen für Finanzkriminalität künftig deutlich verschärft werden. Das wäre auch im Sinne der FMA. Derzeit liegt Österreich im internationalen Vergleich lediglich am unteren Rand. Verwaltungsstrafen für unerlaubten Geschäftsbetrieb und andere Tatbestände betragen maximal 50.000 Euro, bei Marktmanipulation sind es 75.000 Euro.
Indes warnt die FMA vor einem neuen Finanzbetrug, dem "Scalping", das vor drei bis vier Monaten auch auf Österreich verstärkt übergeschwappt ist. Dabei geht es um Marktmanipulation. Fast wertlose Aktien unbekannter Firmen, die an kleinen ausländischen Börsen notieren, werden durch fingierte Börsenbriefe und Analystenkommentare hochgelobt, ohne dass dafür reale Grundlagen bestehen. Der jeweilige Initiator hat die Aktien zuvor selbst billig gekauft und profitiert beim Verkauf vom gepushten Kurs. Der rasselt dann in den Keller, die getäuschten Käufer haben den Schaden.

)
)
)