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Rinder-Ferntransporte im Visier

Von Peter Kantor

Wirtschaft

Rinder sind bei internationalen Transporten extremen Belastungen ausgesetzt. Am Papier haben die seit 1997 geltenden, strengen EU-Richtlinien zwar den Schutz der Tiere verbessert, in der Praxis mangelt es aber oft an der Effizienz der Kontrollen. Wie es funktionieren kann, zeigen österreichische Tierärzte, die im Auftrag des Finanzministeriums an Entladestationen bis in die hintersten Winkel der Welt entsendet werden.


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Ihr Job ist nicht alltäglich. Bei den Tierärzten der Vetcontrol herrscht rund um die Uhr Einsatzbereitschaft. Ein Anruf der Zollinspektion des Finanzministeriums genügt und die "Operation Tiertransport-Kontrolle" läuft an. Rasch ist ein flexibler, speziell geschulter Tierarzt gefunden und ein Flug gebucht.

Die Reise geht in die Ferne, an einen weitab von größeren Siedlungen gelegenen Zielort außerhalb der EU. Der Job der Tierärzte: die Kontrolle österreichischer Rinder-Ferntransporte am Abladeort.

Für den österreichischen Exporteur und den beauftragten Frächter kommt die Überprüfung in der Regel mehr als überraschend. Wer erwartet schon in einem entlegenen Gebiet, Hunderte oder gar Tausende Kilometer von Österreich entfernt, auf einer Farm in der Ukraine oder einem Hafen im Nahen Osten etwa, einen österreichischen Tierarzt? Einen, der zudem nicht nur die Ohrmarke der Rinder abliest, sondern der die lebende Fracht nach allen maßgeblichen Kriterien kontrolliert.

Von der Transportdauer und den gesetzlich vorgeschriebenen Pausenzeiten, über die "Besatzdichte", die Platzverhältnisse im Transportfahrzeug, den Zolldokumenten bis hin zur klinischen Untersuchung inklusive Blutabnahme; der Tierarzt widmet sich allen Aspekten mit strenger Sorgfalt. Entspricht auch nur ein Belastungsindikator nicht den EU-Bestimmungen, so droht dem Exporteur eine Kürzung der EU-Exportförderung, im schlimmsten Fall sogar deren Streichung.

EU-Qualitätsstandards

Trotz der seit 1997 in Kraft getretenen neuen Detailbestimmungen einer EU-Richtlinie über den Schutz von Tieren kommt es immer noch zu Tierquälereien bei den Transporten, etwa, weil die vorgeschriebenen Versorgungs- und Tränkepausen nicht eingehalten werden.

EU-weit ist nur eine Handvoll veterinärmedizinischer Firmen für die Kontrolle der internationalen Tiertransporte außerhalb der Gemeinschaft zugelassen. "Verglichen mit den ausländischen Kollegen sind wir ein David", ist sich Jürgen von der Emde, Geschäftsführer der Vetcontrol, der bestehenden Größenverhältnisse bewusst. Während sich manche Kontrollfirmen aber auf reine Mengenkontrollen beschränkten, punkte die Vetcontrol mit einem Qualitätsstandards, der international absolut unüblich sei. Von der Emde: "Unsere Tierärzte sind engagiert und hochqualifizierte Großtierpraktiker, unbestechlich und flexibel. Wir schauen, wie es den Tieren wirklich geht."

In Ihrer Funktion sieht sich die Vetcontrol als Instanz, die zwischen den österreichischen Exporteuren und den Tierschützern angesiedelt sei. "Wir sind weder ein industrienahes Kontrollinstrument noch eine Tierschutzorganisation", stellt Von der Emde klar, "...wir urteilen objektiv."

Gesetzliche Grundlagen

Im November 1991 hat der EU-Agrarministerrat mit der Richtlinie 91/628/EWG über den Schutz von Tieren beim Transport den Rahmen für die künftige Regelung des Tiertransportes verabschiedet. Im Juni 1995 wurden die notwendigen Detailbestimmungen einer neuen EU-Richtlinie über den Schutz von Tieren beim Transport beschlossen, die wie erwähnt 1997 in Kraft getreten sind. Hierbei waren bis zuletzt die Regelungen über einzuhaltende Fütterungs-, Tränk- und Ruheintervalle für Nutztiere umstritten.

Österreich hatte mit dem Tiertransportgesetz-Strasse 1994 eines der strengsten Gesetze überhaupt. In einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs wurden diese Bestimmungen aber für nicht zulässig erklärt, weil sie im internationalen Transport ein Hindernis für den freien Warenverkehr darstellen.

Kontrollen zeigen Wirkung

Ferntransporte von Rindern sind seit Jahren ein sensibles Thema in der Öffentlichkeit. Aufgrund der Überproduktion in den EU-Ländern und der nach wie vor bestehenden teils großzügigen Exportförderung verlassen jährlich Zig-Tausende von Schlacht- und Zuchtrindern via LKW die Gemeinschaft.

Aktuelle Krisen am Rindersektor wie BSE und der damit verbundene Preisverfall steigern den Druck und den Bedarf für Exporte.

Besorgte Tierschutzorganisationen schlagen in regelmäßigen Abständen Alarm und dokumentieren in schockierenden Berichten die Tierquälereien und Missstände bei Ferntransporten. Die Bilder von erschöpften und schwer verletzten Tieren verunsichern immer wieder viele Europäer.

Auch aktuelle Studien belegen die großen Belastungen für die Rinder bei Langzeittransporten. Als Ursachen dieser Belastungen werden ungeeignete Transportmittel, veraltete Verlade- und Versorgungseinrichtungen sowie den Tieren oft unbekanntes, oft ungeschultes Personal angegeben.

Dass sich die Kontrollen der Ferntransporte schon jetzt, wenige Monate nach ihrem Start, im Sinn der Tiergesundheit positiv ausgewirkt haben, dessen sind sich die Tierärzte sicher. "Die Exporteure sind hellhörig geworden", stellt Von der Emde zufrieden fest. Die Branche achte jetzt genauer auf die Einhaltung der EU-Vorschriften. Und das erleichtere nicht zuletzt den Tieren ihre Reise.

Österreichische Rinderexporte

Im Jahr 2000 wurden insgesamt 242.477 Rinder von Österreich in Drittländer (d.h. in Länder außerhalb der EU) exportiert. Von dieser Zahl entfielen 45.054 Stück auf Zucht- und Nutzrinder und 197.423 Stück auf Schlachtrinder und Rindfleisch.

Hauptexportrichtungen waren der Nahe Osten, Nordafrika und der ehemalige Ostblock.

(Zahlen: Zentrale ARGE österr. Rinderzüchter, Jahresbericht 2001)

Umfassender Gesundheitscheck

Die Tierärzte kontrollieren alle Kriterien, die für die Tiergerechtheit und die Tiergesundheit maßgeblich sind.

- Transportdauer

- Temperatur und Ventilatoren im Laderaum

- gesetzlich vorgeschriebene Pausenzeiten. (dienen der Erholung, Nahrungsaufnahmen, Kontrolle durch den Tierbetreuer)

- Besatzdichte: ob die Tiere nicht zu eng stehen und sich dadurch verletzen können

- Prüfen der Ladeliste, ob alle Tiere für die Erstattungsgelder kassiert wurden, auch am Bestimmungsort ankommen

- Zolldokumente, Fahrtenschreiberblätter: ob die vorgeschriebene Geschwindigkeit und angegebene Route eingehalten wurde

- klinische Untersuchung der transportieren Rinder:

Erfahrene Rinderexperten untersuchen jedes einzelne Tier, ob es sich während der Fahrt durch Mängel im Transportmittel oder Fehler bei der Betreuung verletzt hat

Messen Körpertemperatur, Kontrollieren des Pulses, Blutuntersuchung

(Quelle: Vetcontrol)