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Sandalen-Power

Von Francesco Campagner

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Zwei Tage ohne Fußball-Europameisterschaft: unglaublich, aber wahr. Im TV-Programm hinterließ dies krasse Spuren. Kein "Schneckerl" Prohaska, kein Hans Krankl, ja nicht einmal ein Michael Konsel, der uns Fußball-Waisen vertröstet. Stattdessen übliche Kost. Grund genug, um einen Abstecher nach Deutschland zu wagen. Im WDR ist ein Klassiker unter den Fernsehsendungen beheimatet. Die "Hobbythek" erläutert seit 25 Jahren die wesentlichsten Dinge des Lebens, gibt Tipps zum richtigen Einkauf, tröstet mit Allwissen und ökologischer Kompetenz. Als Zuseher fühlt man sich daheim und überlegt des längeren, warum dies so ist. Hängt es mit Jean Pütz zusammen, dem charismatischen Schnurrbartträger, der wie eine lebendig gewordene Comic-Figur aussieht, oder einfach nur mit der Sandalen-Power-Atmosphäre, die von der Sendung ausgeht?

Wenn man von Pütz motiviert wird, mit einem Filzstift den Fernsehbildschirm anzumalen und gleichzeit um die Unbedenklichtkeit dieser Handlung aufgeklärt wird, weiß man, woran man ist. Die "Hobbythek" ist die "Sendung mit der Maus" für Erwachsene, ist 70er-Feeling in Reinkultur. Da darf man noch seine Tomaten-Ingwer-Ginseng-Konfitüre mit dem hübschen Namen "Süße Morgenröte" herstellen, ohne von der Umwelt belächelt zu werden. Der Kampf gegen Fertigprodukte ist die ewige Antriebsfeder. Parodox erscheinen nur die Preise, die für Gewinner eines Rätsels bereitstehen: neueste Videorekorder und DVD-Player - aber vielleicht ist dies auch der tiefere Grund dafür, warum dieser TV-Dinosaurier überlebt.