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Mit Voith streicht ein wichtiger Arbeitgeber in St. Pölten Jobs - Bürgermeister Stadler fürchtet weitere Filetierung des Standortes.
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St. Pölten. Der deutsche Maschinenbaukonzern Voith wird seine Belegschaft am Standort St. Pölten innerhalb von zweieinhalb Jahren mehr als halbieren. Von der für Ende März 2016 geplanten Schließung der Walzenfertigung von Papiermaschinen, die am Montag angekündigt wurde, sind 200 Mitarbeiter betroffen. In den beiden verbleibenden Geschäftsbereichen Hydro und Turbo sowie in der Holding bleiben etwas mehr als 330 Beschäftigte übrig. Damit schrumpft ein wichtiger Arbeitgeber in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. Zum Vergleich: Im September 2013, als Voith den Abbau von 250 Stellen ankündigte, waren noch 840 Mitarbeiter beschäftigt.
Der St. Pöltner Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) befürchtet eine weitere Filetierung des Standorts: "Wir werden mit der Konzernleitung und der Familie Voith umgehend das Gespräch suchen und ausloten, welche Möglichkeiten und Perspektiven es für Voith Paper am Standort gibt. Es wurde uns bisher immer versichert, dass Voith zum Standort St. Pölten steht."
"Voith-Mitarbeiter sind sehr gut ausgebildet"
Von den 250 Voith-Mitarbeitern, die im Vorjahr gekündigt wurden, sind noch rund 20 Personen als arbeitslos vorgemerkt, sagt Thomas Pop, Leiter des Arbeitsmarktservice (AMS) St. Pölten. "Vom Stellenabbau haben wir wenig gemerkt. Viele haben sich selbst eine neue Stelle gesucht, viele sind in andere Regionen ausgependelt", sagt Pop. Neben Facharbeitern gebe es bei Voith viele Techniker, überwiegend HTL-Absolventen. "Die Voith-Mitarbeiter sind sehr gut ausgebildet", so Pop. Aus heutiger Sicht ist er optimistisch, dass der Großteil der vom Stellenabbau Betroffenen im Bezirk eine neue Beschäftigung findet. Für bestimmte Berufe wie Controller werde es schwieriger. Jedoch würden sich die meisten Jobsuchenden im Bezirk St. Pölten ohnehin überregional nach einem neuen Arbeitgeber umsehen - von Enns, Steyr und Linz bis nach Wien.
Rund 27 Prozent der Beschäftigten in Niederösterreich sind in der Produktion tätig, die Zahl der Beschäftigten ist im Jahresdurchschnitt 2014 um 200 Personen auf rund 153.000 in der Produktion gesunken. Die Zahl der Beschäftigten im Dienstleistungsbereich ist hingegen gestiegen. Die Arbeitslosenquote insgesamt ist in Niederösterreich, wie österreichweit, im Steigen.
Um die Betroffenen vom Voith-Stellenabbau zu unterstützen, wird der Voith-Betriebsratsvorsitzende Hans-Joachim Haiderer diese Woche in Heidenheim mit der Geschäftsleitung verhandeln. Dabei will er auch über Unterstützungen für jene 50 der 200 Mitarbeiter sprechen, die Transferangebote an andere Voith-Standorte erhalten und umziehen müssten.
Der bei den letzten Kürzungen beschlossene Sozialplan hat für Haiderer keine Gültigkeit für den erneuten Stellenabbau. Auch die Gewerkschaften Pro-Ge und GPA-djp forderten am Dienstag die sofortige Aufnahme von Verhandlungen über einen neuen Sozialplan. "Der bereits bestehende Sozialplan, der wegen eines Stellenabbauplans abgeschlossen wurde, ist nicht ausreichend", betonen Pro-Ge-Landessekretär Patrick Slacik und GPA-djp-Regionalgeschäftsführer Peter Stattmann.
Wieder einmal werde von einem deutschen Konzern ein gewinnbringender Industriestandort einfach geschlossen, hieß es von den Gewerkschaften. Es sei "völlig unverständlich", dass bei einem Unternehmen, das hohe Gewinne schreibe, so viele Mitarbeiter gehen müssten, so Bürgermeister Stadler. Voith begründet die Kürzungen in der Papiersparte - insgesamt werden 1000 Stellen weltweit gestrichen - mit einem halbierten Auftragsvolumen seit dem Geschäftsjahr 2009/10.
Arbeitsstiftung derKBA-Mödling wird aufgestockt
Kritik gab es auch an der Informationspolitik von Voith - die Mitarbeiter erfuhren am Montagnachmittag nach einer Aufsichtsratssitzung in einer Versammlung über die geplanten Einschnitte. "Die Belegschaft wird wie 2014 bei KBA-Mödling vor vollendete Tatsachen gestellt", kritisieren die Gewerkschafter.
Bei der Tochter des deutschen Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer, die Druckmaschinen für Banknoten und Wertpapiere herstellt, müssen bis Jahresmitte 385 Mitarbeiter gehen - damit wird sich der Personalstand innerhalb eines Jahres mehr als halbieren. Danach wird KBA-Mödling noch rund 300 Beschäftigte haben, sagt Rudolf Vogl, technischer Geschäftsführer bei KBA-Mödling. Die Situation in Mödling sieht Vogl "zart optimistisch": "Der Auftragseingang im Bereich Wertpapier ist nicht unerfreulich." Das Werk in Ternitz wurde geschlossen.
Die Arbeitsstiftung der KBA-Mödling, die ursprünglich für 100 Personen geplant war, wird auf 160 Plätze aufgestockt. Für die Teilnehmer übernimmt das Unternehmen die Ausbildungskosten. Unter den Gekündigten befinden sich viele Personen, die das erste Mal arbeitslos sind oder lange im Betrieb waren, sagt Werner Piringer, Leiter des AMS Mödling. Facharbeiter seien am Arbeitsmarkt gefragt. Offene Stellen im Bezirk werden aber rarer.

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