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In Salzburg steht Tempo 80 auf der Stadtautobahn nach erwiesener Schadstoffreduktion vor einer Fortsetzung.
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Salzburg. Das erste Prestigeprojekt der Salzburger Grünen wird wohl fortgesetzt. Am Donnerstag präsentierte Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler ein knappes Jahr nach ihrer Angelobung die Ergebnisse der Testphase von Tempo 80 auf der Salzburger Stadtautobahn. Und für Rössler ist klar: Das erste klassisch grüne Projekt der Landesregierung mit ÖVP und dem Team Stronach ist "ein großer Erfolg".
In den drei Monaten, in denen auf 10,3 Autobahn-Kilometern am Rand der Stadt Salzburg, statt einer Beschränkung von 100 Stundenkilometern Tempo 80 gegolten hat, ist die Schadstoff- und Lärmbelastung zurückgegangen. "Ich werde meinen Regierungskollegen empfehlen, den Tempo-80-Betrieb fortzuführen", sagte Rössler bei der Präsentation der Ergebnisse. Damit wird sie vor allem außerhalb der Regierung auf erbitterten Widerstand treffen, denn die 20 Stundenkilometer Unterschied auf gut zehn Kilometern werden in Salzburg leidenschaftlich diskutiert - auch wenn der Zeitverlust dadurch nur rund eineinhalb Minuten beträgt.
Für die Debatte gibt es nun jedenfalls eine valide Datengrundlage. Laut der Studie der Schweizer Agentur Ökoscience gingen die Stickstoff-Immissionen im Vergleich zu den drei Monaten davor um sechs bis sieben Prozent zurück. "Das entspricht einer Vollsperre der Autobahn von 26 Tagen", erklärte Rössler. Insgesamt gingen die Immissionen auch aufgrund der veränderten Wetterlage im Frühling wesentlich stärker zurück, der Effekt von sechs bis sieben Prozent lässt sich aber rein auf die Temporeduktion zurückführen, errechnete das Schweizer Institut.
Rössler rechnet mit Ja zu grünem Prestigeprojekt
Deshalb will Rössler das Tempolimit auch so schnell wie möglich wieder einführen. Vonseiten der Koalitionspartner ÖVP und Team Stronach rechnet sie mit Zustimmung. Ein Kompromiss, den Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) vorgeschlagen hat, wäre, das Tempolimit je nach Schadstoffbelastung flexibel zu gestalten. Die notwendige Voraussetzung dafür, eine Verkehrsbeeinflussungsanlage in Form von Überkopf-Wegweisern, wird gerade errichtet. "Damit haben wir die Wahlmöglichkeit zwischen fixem und flexiblem Tempolimit", sagt Rössler.
Die Begründung für das Tempolimit fällt der Grün-Politikerin leicht. "Es gibt einen gesetzlichen Auftrag. Wir sind weit entfernt von der Einhaltung der Grenzwerte", erklärt Rössler. Dieser liegt bei 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, der Jahresmittelwert liegt in Salzburg bei 56 Mikrogramm. Laut Rössler beträgt die Schadstoffreduktion durch das Tempolimit drei bis vier Mikrogramm.
Die Gegner von Tempo 80 bringen sich ebenfalls schon in Stellung. So veröffentlichte der ÖAMTC ebenfalls am Donnerstag noch vor Rössler eine eigene Studie. Das Fazit des Autofahrer-Klubs: Das Tempolimit trifft die Falschen. Der Anteil des Pkw-Verkehrs an den Gesamtemissionen sei im Gegensatz zum Anteil des Lkw-Verkehrs vergleichsweise gering, erklärte der Autor der ÖAMTC-Studie, Ernst Pucher von der TU Wien.
Den Schadstoff-Rückgang hat die ÖAMTC-Studie übrigens ziemlich genau vorhergesagt. "Beim Diesel-Pkw wird durch Tempo 80 der Stickoxid-Ausstoß nur um fünf bis zehn Prozent reduziert", sagte Pucher. Die sechs bis sieben Prozent, auf die die Studie des Landes kommt, liegen genau in diesem Korridor. Für Rössler ist dieses Ergebnis ein großer Erfolg, für den ÖAMTC nicht signifikant.
Das Problem würde sich aufgrund des technologischen Fortschritts in wenigen Jahren praktisch von selbst lösen. Der Autofahrer-Klub fordert Alternativen zu Tempo 80, etwa die Förderung einer Anschaffung von abgasarmen Autos.
Eine Diskussion über das Tempo auf der Autobahn gibt es auch ein Stück weiter westlich. In Tirol wollen die Grünen, ebenfalls mit der ÖVP in der Regierung, auf der Inntal-Autobahn flächendeckend Tempo 100 einführen, um bei der EU ein teilweises Lkw-Fahrverbot durchzubringen. Mit der Zustimmung der ÖVP sind die Tiroler Grünen noch nicht so weit wie ihre Salzburger Kollegen. Aktuell ist ein Kuhhandel von Kraftwerks-Bewilligungen gegen Einführung von Tempo 100 im Gespräch.
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